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DIE MORALISHEN WERTE DER IGNORANZ

In einer Gesellschaft, die in Ignoranz versunken ist, gibt es einen einzigen Typen des menschlichen Charakters. Obwohl dieser Charakter in seinen Einzelheiten von einem Menschen zum anderen wechseln mag, sind seine Eigenschaften im Grunde genommen dieselben. Der Hauptgrund, warum die ignoranten Leute diesen Charakter haben, ist offensichtlich – es ist ihr Leugnen der Existenz Gottes und des Jenseits.

Es hat nicht viel Sinn, von jemanden, der keine Gottesfurcht empfindet, zu erwarten, dass er sich ehrlich und verantwortungsvoll verhält, aus dem einfachen Grund, dass jene Leute annehmen, Allah wisse nicht, was in ihrem Denken vorgeht oder was sie im Verborgenen tun.

In diesem Kapitel wollen wir die entarteten moralischen Werte, die durch die primitiven Grundsätze der Ignoranz indoktriniert werden einer weiteren Analyse unterziehen. Doch bevor wir uns mit den Einzelheiten befassen, sollte ein Punkt klar sein: die im Folgenden erwähnten Charaktereigenschaften sind in jedem individuellen Selbst vorhanden. Allah teilt dem Menschen im Quran mit, dass diese dem Menschen für dessen Prüfung auf dieser Welt eingegeben wurden:

Beim Selbst (des Menschen) und was ihm vollendete Ausgeglichenheit gab, so dass ihm bewusst ist, was unrecht und was recht für ihn ist. Derjenige, der es läutert, hat wahren Erfolg, und wer es verwildern lässt ist verloren. (Sure 91:7-10 – asch-Schams)

Nur verständige, gläubige Menschen lassen sich nicht von den verderblichen Anregungen ihres niederen Selbst verleiten. Sie legen ein unbeirrbares Bestreben an den Tag, ihr Selbst zu läutern.

Ignorante Leute, die nie über den Tag der Abrechnung nachdenken, haben natürlich keinerlei Grund, entartete Sittlichkeit zu verurteilen und mit solchen Werten zu ersetzen, die rechtschaffen in Allahs Gegenwart erscheinen.

Hier sollte noch ein anderer Punkt erwähnt werden. Unter den ignoranten Leuten mag es wohl einige geben, die aus bestimmten Gründen, die oben erwähnten verdammenswerten Eigenschaften verwerfen. Es mag wohl sein, dass diese Leute, um persönliche Vorteile zu erzielen oder aus anderen Gründen, es vermeiden, den Verhaltensmustern der Ignoranz zu folgen. Es sollte jedoch klar verstanden werden, dass diese Leute sich nicht deshalb verantwortlich verhalten, weil sie sich vor Allah fürchten. In anderen Worten, sie enthalten sich der ignoranten Verhaltensweise nicht aus Gottesfurcht. Das ist sehr wichtig, denn ein Mensch, der keine Gottesfurcht empfindet, kann seine Einstellung sehr leicht ändern, wenn veränderte Bedingungen seinen Interessen entgegenstehen. Ein scheinbar großzügiger und sanfter Mensch mag sich daher als boshaft und grob erweisen. Wenn er keine Furcht vor Allah zu empfindet, ist er stets anfällig für das Böse und in der Lage, Untaten zu begehen.

In Kürze, nicht alle Mitglieder der ignoranten Gesellschaft mögen die, im Folgenden beschriebenen Einstellungen aufzeigen, doch es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie niemals ihre Haltung ändern werden und plötzlich beginnen, sich 'auf ignorante Weise' zu verhalten. Die Tatsache, dass jemand keine Gottesfurcht hat, macht ihn anfällig für die Einflüsse der Ignoranz. Die Aufrechterhaltung der quranischen Grundsätze dagegen und fest in der Furcht Allahs gegründet zu sein, vereitelt von vornherein jegliche Art der Beeinflussung und richtet den Menschen auf den Willen Gottes aus.

In diesem Kapitel werden einige Aspekte der verdammenswerten Auswüchse der Ignoranz behandelt.

Müßiggang und Trägheit

Trägheit wird von vielen Leuten eher als belanglos erachtet, und die meisten würden nie zugestehen, dass auch sie selbst träge sein mögen. Trägheit wird nur solchen Leuten angelastet, die verhältnismäßig verantwortungsscheu sind, im Vergleich zum Rest der Mitglieder einer Gesellschaft. Abgesehen davon ist hier mit Trägheit eine Verhaltensstörung gemeint, die sowohl geistig, als auch materiell, ernsthafte negative Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Ignorante Leute sind sehr anfällig für diese Verhaltensstörung.

Trägheit birgt einen Hauptschaden für den Menschen in sich, nämlich, dass sie ihn in einen Zustand des geistigen Müßiggangs versetzt. Die Eigenschaft jedoch, die ihm als Mensch den Vorrang in der Schöpfung gibt, ist seine Fähigkeit, zu denken. Wenn er diese Fähigkeit niemals anwendet, wird er zu einem mechanischen Wesen, das aller Weisheit und Einsicht mangelt. Ein Individuum, das auf diese Ebene abgesunken ist, hält sich an einen ziemlich statischen Lebensstil, der von vorgegebenen Regeln und Prinzipien bestimmt ist. Etwas davon Abweichendes für die Verbesserung seines Lebens zu unternehmen, wird fast zu einer Unmöglichkeit für solch einen Menschen. Anstatt sich in bewusster Sorgfalt für eine Verbesserung der gegenwärtigen Situation zu engagieren, empfindet er es bequemer den Status Quo hinzunehmen, ohne diesen zu beurteilen oder in Frage zu stellen.

Der Einfluss, den Lethargie auf Bewusstsein und Willenskraft ausübt, ist in allen Dimensionen des Lebens erkennbar. Diejenigen, die tiefes Nachsinnen als eine Last empfinden, werden sich niemals bemühen, Antworten auf solch höchst essentiellen Fragen, wie etwa nach dem Grund unseres Daseins auf dieser Welt, zu finden. Obwohl sie die Bedeutung dieser Dinge anerkennen mögen, überlassen sie es anderen Leuten für sie darüber nachzudenken. Diese Geisteshaltung kann soweit gehen, dass sie selbst das geistliche und materielle Wohlergehen eines Menschen gefährden mag.

Er mag es z.B. versäumen, Maßnahmen zu ergreifen, seine Gesundheit zu erhalten, indem er es unbegrenzt hinausschiebt, einen Arzt zu besuchen, wenn er ein ernstliches Leiden hat. Darüber hinaus macht er alle Anstrengungen, eine Behandlung zu vermeiden, die sein Arzt ihm empfohlen hat.

Trägheit hält ihn davon ab, sich zu amüsieren und eine schöne Zeit zu verbringen. Anstatt sich selbst zu beteiligen, schaut er anderen dabei zu, wie sie sich amüsieren, da ihm das keine Anstrengung kostet.

Obwohl er die Möglichkeit hat, sich einen komfortablen Platz zu schaffen, zieht er es vor, unbequem zu leben, nur weil es geistige Anstrengung von ihm erfordern würde.

Anstatt sich nahrhaftes Essen zuzubereiten, ziehen ignorante Leute Schnellimbisse vor, nur weil diese leicht erhältlich sind. Sie empfinden es als mühsam zu lesen und dadurch ihren Horizont zu erweitern, und beschränken sich daher ständig auf eine engstirnige Denkweise. Sie sind sehr bestrebt, eine Menge Geld zu verdienen, jedoch anstatt sich auf ehrliche Erwerbsmittel zu konzentrieren, versuchen sie, aus rechtlich zweifelhaften Erwerbsquellen zu schöpfen, die keine Anstrengungen erfordern. Wenn sie sich in ernsthaften, ausweglosen Schwierigkeiten befinden, ziehen sie vor ihrem Leben selbst ein Ende zu machen, da ihnen dies als der einfachste Ausweg erscheint. Man könnte unendlich viele Beispiele zu diesem Thema finden, wobei der Kernpunkt letztlich das Ziel der ignoranten Leute ist, mit dem geringsten Aufwand an Anstrengung zu überleben.

Die beste Art und Weise, das zu erreichen, ist es, der Fortsetzung des Status Quo nichts in den Weg zu stellen. Dies ist der Grund, warum Produktivität und Kreativität in ignoranten Gesellschaften fortwährend abfallen. Dieser Rückgang findet sowohl auf individueller, wie auf sozialer Ebene im Ganzen statt. Sobald irgend etwas in einem Land populär wird, wird es auch in anderen Ländern zur Mode. Schlager, Filme, Werbung oder Propagandamethoden werden sofort kopiert. Der unterliegende Hauptgrund dafür ist Trägheit – der Mangel an Erneuerungsgeist.

Wie sich herausstellte, ist Trägheit eine der wichtigen Verhaltensstörungen, unter der die ignoranten Leute leiden. Interessant jedoch ist, dass dieses Verhalten niemals von der Gesellschaft verurteilt wird, sondern eher als vollkommen normal akzeptiert wird. Die Leute, die in diesem System verwickelt sind, sind sich nicht einmal der Schädigung bewusst die ihrem Leben daraus erwächst, noch der Schönheiten, die sie dabei verpassen, und somit finden sie keinen Grund, diese Situation zu verändern.

Die Anlehnung an die Prinzipien des Qurans entfernt all diese Eigenschaften, die unter den Ignoranten üblich sind. Was einen Menschen zu Taten veranlasst, ist sein Glauben an Allah und das Jenseits. Dieser bewegt ihn dazu ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, sich in rechtschaffenem Handeln zu üben. Solch ein Mensch hat keine Zeit zu verlieren in dieser Welt. Jeder Augenblick seines Lebens gibt ihm die Gelegenheit Gutes zu tun. Er setzt sich wichtige Ziele, deshalb bemüht er sich produktiv zu sein und anstatt träge zu sein, legt er eine schonungslose Hingabe an seine Arbeit an den Tag. Allah erklärt im Quran, dass dies die Art von Menschen ist, an denen Er Wohlgefallen hat:

Wetteifert miteinander um Vergebung von eurem Herrn und um einen Garten, der sich so weit erstreckt, wie die Ausdehnung des Himmels und der Erde, zubereitet für die, die an Allah und Seine Gesandten glauben. Das ist Allahs Güte; Er gewährt sie, wem Er will, und Allahs Güte ist unermesslich. (Sure 57:21 – al-Hadid)

Diejenigen aber, die das Jenseits begehren und sich mit entsprechendem Eifer darum bemühen und gläubig sind – derer Streben wird Anerkennung finden. (Sure 17:19 – al-Isra')

Und wenn du (mit etwas) fertig bist, dann bemühe dich weiter. (Sure 94:7 – asch-Scharh)

Eifersucht

Eine der grundsätzlichen Charaktereigenschaften der ignoranten Gesellschaft ist Eifersucht. Jemand, der nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt klammert sich mit allem Eifer an das irdische Dasein. Er ist bestrebt, alle Gelegenheiten, die ihm diese Welt anbietet voll zu seinem Vorteil auszunutzen und all seine unersättlichen Begierden zu befriedigen. Dieses Bestreben macht sich so stark bemerkbar, dass er immer das Beste in jeder Sphäre seines Daseins ergattern will. Solch eine Zielsetzung lässt ihn notwendigerweise die Menschen, die ihn umgeben als potentielle Rivalen erscheinen.

Dieser Gesichtspunkt, der die hauptsächliche Grundlage der Eifersucht ist, gestaltet fast das ganze Leben einer Person, beginnend im Säuglingsalter. Er verinnerlicht die Regeln des Konkurrenzkampfs und wendet sie ohne Schwierigkeiten an. An einem bestimmten Punkt im Leben einer Person erreicht diese Leidenschaft derartige Ausmaße, dass sie es nicht akzeptieren kann, dass andere ihr überlegen sind, oder es ganz einfach nicht ertragen kann, dass andere erfolgreich sind.

Ignorante Leute mit solch einer Einstellung wenden all ihre Energie dazu auf, in ihrem beruflichen, sowie in allen Aspekten ihres sozialen Lebens an der Spitze zu sein. Sie müssen die schönste Frau, bzw. den attraktivsten Mann heiraten. Sie müssen stets das prachtvollste Haus, das extravaganteste Mobiliar, die luxuriösesten Autos, die erfolgreichsten Kinder und die eleganteste Garderobe haben und die exklusivsten Urlaubsorte müssen sie besucht haben. Diese Haltung führt letzten Endes zu einem Konkurrenzkampf, der von lebenswichtiger Bedeutung für die ignoranten Leute wird. Aus Eifersucht heraus gönnen sie es anderen nicht, wohlhabend zu sein. Das zeigt deutlich, wie ungesund ihre Mentalität ist, da Schönheit, Wohlstand oder der verhältnismäßig gehobene Lebensstandard anderer in keiner Weise ein Hindernis für die Verbesserung der eigenen Umstände ist.

Dieses krankhafte Prinzip der ignoranten Gesellschaft beschränkt sich nicht nur auf diese Beispiele. Eifersucht wird generell als eine angesehene Charaktereigenschaft akzeptiert. Diejenigen, die vorgeben, nicht eifersüchtig zu sein, werden in gewisser Weise als abnormal und sonderlich betrachtet. Entspre-chend der Diktate der Ignoranz sollten zwischenmenschliche Beziehungen von Eifersucht 'angetrieben' werden. Wenn z.B. eine ignorante Person eine Beziehung zu jemandem hat, den sie wirklich liebt, so hat sie die Zwangsvorstellung, dass sie niemandem anderen Zugang, geschweige denn eine Anziehung oder Freundschaft zu jenem Menschen gewähren soll, da jener Mensch ausschließlich ihr Freund bleiben soll. Ein Mensch mag jedoch von mehr als einer Person geliebt werden. Die Zuneigung einer Person hat keinerlei Einfluss auf die Liebe einer anderen. Ganz im Gegenteil, wenn jenes Individuum eine außergewöhnliche Persönlichkeit besitzt, ist es nur natürlich, dass sich viele Menschen zu ihm hingezogen fühlen.

Da sie nie zufrieden sind mit dem, was sie haben, können die, die von Eifersucht leiden niemals wirklich glücklich sein. Das Vorhandensein besserer Dinge in ihrer Umgegend gibt ihnen das Gefühl von Rastlosigkeit und Bedrückung. Das ist eine rationale Erklärung des Schadens, der durch Eifersucht verursacht werden kann.

Anstatt sich innerhalb eines solch komplexen und problematischen Systems zu bewegen, ist es weitaus angebrachter, sich an das zu halten, was Allah offenbart hat, sein Denken von Eifersucht, Neid und Geiz zu läutern und sich von Versuchungen fernzuhalten. Die menschliche Natur ist anfällig für Eifersucht, doch es ist sehr wohl möglich und in Wirklichkeit gar nicht so schwierig, sich mit Hilfe von Weisheit und Gewissen von dieser Leidenschaft zu befreien. Diese Tatsache wird im folgenden Vers im Quran erklärt:

... und die Habsucht wohnt der Natur des Menschen inne, doch wenn ihr Gutes tut und gottesfürchtig seid, so ist Allah gewiss dessen gewahr, was ihr tut. (Sure 4:128 – an-Nisa)

Allah befiehlt dem Menschen, sein Wesen von Eifersucht zu läutern und diese durch eine vollkommen andere Einstellung zu ersetzen, durch die er den Wünschen und Bedürfnissen anderer Menschen den Vorrang über seine eigenen gibt.

Das ist in der Tat eine aufopfernde Einstellung. In einigen Versen des Qurans wird auf Handlungen hingewiesen, die eine völlige Läuterung von Eifersucht anzeigen:

Und aus Liebe zu Ihm speisen sie den Armen, den Waisen und den Gefangenen. (Sure 76:8 – al-Insan)

Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr euer Angesicht in Richtung Osten oder Westen wendet, sondern rechtschaffen ist derjenige, der an Allah glaubt, an den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten, und der aus Liebe zu Ihm Mittel und Geld ausgibt für die Angehörigen und für die Waisen und Mittellosen und für den bedürftigen Reisenden und die, die darum bitten und für den Freikauf von Sklaven – derjenige, der das Gebet verrichtet und die Wohlfartsabgaben entrichtet. Diejenigen, die ihren gegebenen Versprechen und Bündnissen treu sind und diejenigen, die in Elend, Krankheit und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und gottesfürchtig sind. (Sure 2:177 – al-Baqara)

Die Muslime geben alles – selbst die Dinge, die ihnen wichtig und lieb sind – an andere und indem sie das tun, lassen sie sich nie von irgendwelchen Ambitionen oder Eifersucht und Geiz verleiten. Die Verwirklichung der moralischen Prinzipien des Qurans entfernt gewiss jeden Kummer vom Herzen und ermöglicht es, Allahs Wohlgefallen zu erzielen.

Arroganz

Ignorante Leute leiden oft an Größenwahn aufgrund der Gaben und Günste, die Allah ihnen zur Verfügung gestellt hat. Jemand, der von diesem Übel, das Arroganz genannt wird, heimgesucht ist, hält sich bald selbst für den klügsten und talentiertesten Menschen auf Erden.

Darüber hinaus sind Reichtum, Position und gutes Aussehen nicht unbedingt erforderlich um einen Menschen hochmütig zu machen; wenn ein Mensch seine eigene Intelligenz der seiner Mitmenschen als überlegen betrachtet, ergeht er sich wahrscheinlich in ignoranter Selbstsicherheit. Ein ignoranter Mensch glaubt, dass alle Menschen in seiner Umgegend unfähig seien, wohingegen er selbst sehr begabt und somit eindrucksvoll sei.

Im Lauf der Zeit werden diese Überzeugungen zum geistigen Fundament des gesamten Verhaltens solcher Leute. In diesem Geisteszustand lehnen die arroganten Leute jeglichen Ratschlag und jegliche Kritik, welche ihnen zu einem klaren und nüchternen Denken verhelfen könnte, ab. Oft erniedrigen sie andere Menschen, indem sie häufig ihre Abneigung für jene und deren Ideen zum Ausdruck bringen. Außerdem sind sie überzeugt, dass, indem die Fehler anderer ans Licht kommen, ihre eigene Vollkommenheit in vollem Glanz erstrahlt.

Solche Eigendünkel sind letztlich schädlich für den Menschen. Arroganz vernebelt den Geist zu solch einem Ausmaß, dass man nicht mehr erkennen kann, wie weit man in seinen Wahnvorstellungen von der Realität abgeirrt ist. Während jedermann in der Umgebung solch einer Person, diese aufgrund ihres Mangels an Klarsicht fast bemitleidet, bildet sie sich selbst ein, ein außerordentlicher Mensch zu sein, der zudem, seiner eigenen Ansicht nach, Anspruch auf den Respekt seiner Mitmenschen hat. Entgegen diesen Ansichten jedoch, erniedrigen solche Gebärden, die mit der Absicht, anderen überlegen zu erscheinen, zur Schau gestellt werden, einen Menschen in den Augen seiner Mitmenschen, und Leute dieser Art sind meist unbeliebt und verpönt und geraten letzten Endes in Vereinsamung innerhalb der Gesellschaft.

Ein arroganter Mensch kann niemals wahre Freundschaft gewinnen; während es ihm an Hingabe und Bescheidenheit mangelt, zeigt er keine Achtung für Andere, und solches Benehmen erzeugt Unbehagen in den Menschen, die ihn umgeben.

Arroganz ist gewiss eine Hauptquelle von Problemen, nicht nur für die Mitmenschen einer arroganten Person, sondern auch für sie selbst. An erster Stelle sollte ein Mensch, der sich Vorrang über Andere anmaßt, stets auf der Hut sein; er sollte niemals irgendwelche Fehler machen, da er sonst sehr leicht den Respekt verlieren kann, den er sich in den Augen der anderen Menschen verdient zu haben glaubt. Solch eine Haltung erfordert gewiss sehr große Anstrengungen. Er kann sich im Umgang mit anderen nicht unbefangen ausdrücken und verhalten, sondern muss sich stets der Folgen jeglicher Gebärden gewahr sein, die seinem Image unzuträglich sein könnten. Falls ein bestimmtes Benehmen zu seinem Image passt, oder diesem zuträglich ist, entscheidet er sich dafür, falls nicht, bleibt er reglos. Er kann weder nach Herzenslust lachen und sich amüsieren oder ein persönliches, intimes Gespräch führen. Diese vorsichtige Aufmerksamkeit auf derlei Einzelheiten zeigt sich schließlich in Form von nervösen Zuckungen am Körper oder im Gesicht. Solch eine Erscheinung kann ein ursprünglich schönes Gesicht verunstalten oder völlig seines Ausdrucks berauben. Darüber hinaus bleibt ein arroganter Mensch trotz der Tatsache, dass der Mensch als ein soziales Wesen mit einer natürlichen Anlage zu zwischenmenschlichen Beziehungen erschaffen wurde, stets unnahbar und kalt gegenüber anderen und kann somit niemals eine enge zwischenmenschliche Beziehung erfahren.

Solch ein Verhalten ist jedoch nicht nur nutzlos, sondern es schadet dem Wesen des Menschen sogar. Der Mensch ist nur ein 'Leibeigener' Allahs und ist in sich selbst schwach und, in Bezug auf all seine Erfordernisse, vollkommen abhängig von seinem Schöpfer. Er hat keinen Einfluss, weder auf die Gestalt seines Körpers, noch auf die seiner Fähigkeiten, die sich alle unter Allahs Kontrolle bildeten.

Arroganz schafft einen geistig ungesunden Menschen, der nicht mehr dazu in der Lage ist, die Größe und Allmacht Allahs zu erkennen. Es kommt ihm nicht zum Bewusstsein, dass er selbst nur eines der Myriaden von Lebewesen auf diesem Planeten ist. Die Denkfähigkeit einer arroganten Person ist dermaßen beschränkt, dass sie nicht verstehen kann, dass sie als Geschöpf niemals in der Lage sein wird, eine Schöpfung hervorzubringen, die der Schöpfung Allahs ähnlich wäre, noch kommt es ihr in den Sinn, dass sie anfällig für Krankheiten ist, die von Viren und Mikroben verursacht werden, die alle so winzig sind, dass sie mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Sich in Anbetracht dieser Tatsachen zu weigern, Allahs Diener zu sein, ist unverständlich für einen weisen Menschen.

Der Schaden, der dem Menschen durch Arroganz entsteht ist offensichtlich, jedoch die Verheerung, die sie mit sich bringt ist nicht nur auf das irdische Leben beschränkt. Allah erklärt, dass diejenigen, die sich hier arrogant verhalten, in der Ewigkeit eine unerträgliche Strafe erwartet.

So tretet ein durch die Tore der Hölle, um darin zu weilen. Wahrlich, übel ist die Raststätte der Hochmütigen. ) (Sure 16:29 – an-Nahl

Und wenn er zur Gottesfurcht ermahnt wird, überkommt ihn frevelhafte Arroganz. Die Hölle ist angemessen für ihn – welch eine üble Lagerstatt! (Sure 2:206 – al-Baqara)

Rachsucht

Für einen Menschen, dessen Geist das Konzept eines Lebens nach dem Tod nicht erfassen kann, gibt es keinen Grund, nachsichtig oder tolerant zu sein. Das Leitmotiv, dem er folgt stellt ihm lediglich ein kurzes vergängliches Dasein in Aussicht, und daher sollte man bestrebt sein so viel wie möglich 'herauszuholen'. Unter diesen Bedingungen sollten persönliche Interessen ohne Rücksicht auf Verluste gewahrt werden, und denjenigen, die der Verfolgung dieser Interessen im Weg stehen, sollte eine 'ordentliche Lektion' erteilt werden. Dieses Leitmotiv fordert ferner von dem Menschen, unziemliches Benehmen anderer niemals zu vergessen. Mit einem Gefühl, verletzt worden zu sein, sollte er, ihm gegenüber verübtes, ungerechtes Verhalten stets im Gedächtnis bewahren, und auf baldmöglichste Vergeltung sinnen.

Klagen zu nähren wird fast zu einer Sucht für solch einen Menschen, und manchmal werden unbedeutende Fehltritte jahrzehntelang nicht vergessen. In den meisten Fällen handelt es sich bei einer Ungezogenheit tatsächlich nur um eine Bagatelle, die so unbedeutend ist, dass der, dem sie unterlief, sich gar nicht mehr daran erinnern kann, doch der 'Geschädigte' ist überzeugt, dass ihr eine böse Absicht zugrunde lag. In der ignoranten Gesellschaft führt die Leidenschaft, sich zu rächen oft zu unerwünschten Folgen, wie körperliche Verletzung oder Mord.

Solch eine Geisteshaltung jedoch schädigt den, der sie hegt, am meisten. Er fühlt sich beängstigt und glaubt, dass die Menschen, die ihn umgeben, ihm feindlich gesinnt seien. Er beurteilt jedes Geschehen im Licht dieses unbegründeten Misstrauens. Indem solch eine Person all ihre Energie und Fähigkeiten der Verwirklichung der negativen Anregungen ihres niederen Selbst widmet, verliert sie schließlich jegliche Kreativität und Produktivität. Darüber hinaus verliert sich dieser Mensch in Hass und Kummer und verliert jegliche Lebensfreude.

Abgesehen davon ist die Freude, die von Vergeben und Toleranzausübung auf einen Menschen zurückkommt unvergleichlich mehr erfüllend, als jegliche Genugtuung, die in einem erzürnten Geisteszustand, als Folge von Hass und Vergeltungssucht erfahren werden kann. Anderen zu vergeben ist, im Gegensatz dazu, wie dies in der ignoranten Gesellschaft bewertet wird, eine Tugend und lobenswerte Handlungsweise. Der Quran fordert den Menschen zur Vergebungsbereitschaft auf:

Übe Nachsicht, gebiete, was ziemlich ist und wende dich von den Ignoranten ab! (Sure 7:199 – al-A'raf)

Die Vergeltung für eine Übeltat ist ein Übel gleichen Ausmaßes, doch wer Vergebung und Versöhnung übt, dessen Lohn obliegt Allah – Er liebt gewiss nicht die diejenigen, die Unrecht tun. (Sure 42:40 – asch-Schura)

Im Gegensatz zu dem bedrückten Leben der Ignoranz eröffnen die Richtlinien des Qurans ein freundliches Milieu, welches auch als eine Eigenschaft des Paradieses dargestellt wird. Dadurch werden wir daran erinnert, dass Nachsicht üben eine höchst tugendhafte Verhaltensweise ist.

Und Wir entfernen, was sie an Erbitterung in ihren Herzen hegen mögen. Zu ihren Füßen fließen Ströme, und sie sagen: »Allah sei gepriesen, der uns hierher geleitet hat! Wir wären gewiss nicht recht geleitet gewesen, wenn Allah uns nicht recht geleitet hätte. Die Gesandten unseres Herrn überbrachten zweifelsohne die Wahrheit.« Und es wird ihnen zugerufen: »Das ist das Paradies, das euch zum Erbe wird für das, was ihr getan habt.« (Sure 7:43 – al-A'raf)

Unzufriedenheit und Langeweile

Denjenigen, die sich an die, in der Ignoranz begründeten 'sittlichen Prinzipien' halten, sind zwei maßgebliche Eigenschaften gemeinsam zu eigen, nämlich Langeweile und Niedergeschlagen-heit. Jene Leute beklagen sich fortwährend, und darüber hinaus, wenn alles in Ordnung ist bei ihnen, bemühen sie sich etwas zu finden, worüber sie sich beklagen können. In der ignoranten Gesellschaft ist dies zu einer völlig natürlichen Angewohnheit geworden, wie Essen und Trinken, und außerdem wird es ohne weiteres von der Gesellschaft akzeptiert, da es die Angewohnheit so vieler ihrer Mitglieder ist.

Von dem Augenblick, wenn man morgens erwacht kann alles ein Grund zur Klage werden. Schlechter Schlaf, Hitze oder der Lärm der Nachbarn mögen die Gründe zur Klage für den Tag sein. Ignorante Leute beklagen sich unablässig über Verkehrsstaus, das freudlose Großstadtleben, die übelgelaunten Mitmenschen überall, Müdigkeit, die Monotonie des Daseins, unfreundliche Nachbarn, den Mangel an Verständnis der anderen, und alle mögliche andere Dinge, die man sich vorstellen kann. Wenn es keinen Grund zur Klage gibt, findet der gewohnheitsmäßige 'Kläger' Pseudogründe um sich zu beklagen; wenn es sich dabei um eine Frau handelt, beklagt sie sich darüber, dass sie eine Frau ist. Wenn sie dunkelhaarig ist, gibt sie ihrem Verdruss darüber Ausdruck, dass sie nicht blond oder blauäugig ist.

Diese Gründe finden kein Ende... Es ist eine Geisteshaltung, und die Leute sind in keiner Weise geneigt, diese zu ändern.

In dieser Geisteshaltung haben die ignoranten Leute nie an irgend etwas Freude. Da sie niemals eine positive Einstellung dem Leben gegenüber einnehmen und die gute Seite der Dinge betrachten, sind sie nie zufrieden, selbst wenn sie das beste von allem haben.

Obwohl dem Menschen unendlich viele Günste zuteil werden, fühlt er sich unbefriedigt und erweist sich als undankbar. Das wird im Quran in den folgenden Worten erwähnt:

Und Er gab euch von all dem, worum ihr batet, und wenn ihr die Gunsterweisungen Allahs aufzählen wolltet, könntet ihr sie nicht zahlenmäßig erfassen. Der Mensch ist sicherlich zu Unrecht und Undank geneigt. (Sure 14:34 – Ibrahim)

Diese primitive, der Ignoranz entspringende Geisteshaltung stumpft die Sinne der Menschen ab und macht sie apathisch gegenüber all den guten und schönen Dingen, die sie umgeben.

Die Ethik des Islam, der dasjenige System ist, welches am besten geeignet ist, die geistlichen und materiellen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, hat die genau entgegengesetzte Wirkung. Ein gläubiger Mensch, der jede Einzelheit der Schöpfung, die ihn umgibt, als eine Gunst und Gabe Allahs betrachtet, ist Ihm gegenüber stets dankbar. Er beurteilt jegliches Geschehen positiv und erkennt die guten Seiten davon, und darüber hinaus verwendet er all seine Fähigkeiten in der Verbesserung und Wiederherstellung, wofür Allah ihn mit weiteren Gunsterweisungen belohnt. Allah erklärt im Quran, dass diejenigen, die sich beklagen und sich Ihm gegenüber dadurch als undankbar erweisen, all dieser Günste verlustig gehen.

Und da kündigte euer Herr an: »Wenn ihr dankbar seid, so will Ich euch wahrlich mehr geben; seid ihr aber undankbar, so ist Meine Strafe gewiss hart.« (Sure 14:7 – Ibrahim)

Hoffnungslosigkeit

Ein Mensch der Religion ablehnt, denkt dass jedes Ereignis zufällig stattfindet. Er schreibt alles dem Glück oder Unglück zu. Ein verzweifelter Geisteszustand ist die unweigerliche Folge solch einer Geisteshaltung. Zweifellos ist Glück nicht etwas auf das man sich verlassen kann, oder worauf man Träume und Hoffnungen bauen sollte.

Dieser Geisteszustand ist ein Unheil, das die Ignoranten befallen hat. Es ist eine natürliche Folge davon, keine klare Vorstellung von dem Ausmaß der Macht Allahs zu haben und von dem mangelnden Verständnis, dass alles von Ihm vorherbestimmt ist. Ein Gläubiger verliert nie die Hoffnung und behält stets seine positive Einstellung dem Leben gegenüber, da er der festen Überzeugung ist, das sich nichts außerhalb der Kontrolle Allahs ereignen kann. Es gibt nur eine einzige Macht, die alles hervorbringt, Lebewesen, sowie leblose Materie, und deren Kontrolle all das zu jedem Zeitpunkt unterliegt – das ist die Allmacht Allahs. Ein Mensch, der sich dieser Tatsache bewusst ist, versteht, dass nichts unmöglich ist, und dass alles sich von einem Moment auf den anderen durch Allahs Willen ändern kann. Es ist daher sehr einleuchtend, dass ein Menschen der nicht an Gott glaubt, sondern an den Zufall, die Verzweiflung nicht überwinden kann und diese ist im Grunde genommen ein Geisteszustand, der eine bloße Folge seiner Anschauung ist.

Die ignoranten Leute haben eine natürliche Neigung dazu, ein mondänes Ereignis als eine unheilschwangere Dampfwalze zu betrachten, die darauf eingestellt ist, ihr Leben dem Erdboden gleichzumachen, und daher erfreuen sie sich nie ihres Lebens. Sie überlassen sich selbst vollständig negativen Einstellungen und sehen in fast allen Situationen ein Potential für Unheil. Sie sind in höchstem Grade unzufrieden, und gehen Probleme von vornherein mit einer pessimistischen Einstellung an. Stets der Überzeugung, dass 'nichts recht ist', glauben sie, dass ihr Leben voll von Elend ist, und ihre Aussichten sind stets düster. Sie werden z.B. annehmen, dass sie keine strahlende akademische Karriere machen werden. Selbst wenn es ihnen gelingt, ein Staatsexamen zu erwerben, sind sie dabei von Zweifeln geplagt, ob sie damit auch eine hervorragende Laufbahn einschlagen können. Auch bezüglich ihrer Heirat sind sie beängstigt. Sie sind zutiefst über Ehe, Kinder, deren Ausbildung und überhaupt alle Zukunftspläne verunsichert. Ihre unergründlichen Ängste gehen in der Tat sehr weit. Sie verlieren sich z.B. in Grübeleien darüber, wie sie einst bald vergessen sein werden, wenn sie gestorben sind, und niemand ihre Gräber besuchen wird. Diese verzweifelte Stimmung wird folgendermaßen im Quran erwähnt:

Und wenn Wir dem Menschen Gunst erweisen, wendet er sich unbeteiligt zur Seite, wenn ihn aber ein Übel befällt, gibt er sich der Verzweiflung hin. (Sure 17:83 – al-Isra')

Der Mensch ermüdet nicht in seinem Bitten um Gutes, doch wenn ihm Übles widerfährt, verfällt er in hoffnungslose Verzweiflung. (Sure 41:49 – Fussilat)

Man könnte die Ignoranten auch 'Unheilkünder' nennen, sie ahnen stets das Schlimmste voraus und leiten damit auch andere in Verzweiflung. Wenn z.B. Bekannte dabei sind, eine Flugreise zu unternehmen, reden sie über die Gefahren des Fliegens, oder anstatt anderen Erfolg in einer bestimmten Kapitalanlage zu wünschen, äußern sie Bedenken über die unsichere Marktlage und die Möglichkeiten eines Verlusts.

Dies sind zweifellos nur einige wenige Beispiele, doch was hier erwähnt werden sollte ist das System, das die Ignoranz einsetzt: Leute die sich an die Ethik der Ignoranz halten, leiden nicht nur selbst darunter, sondern werden zu einem Hauptgrund für die Beunruhigung anderer. Das ist mit Sicherheit eine vorhersehbare Folge jedes Systems, das in der Ignoranz verwurzelt ist. Interessant dabei ist, dass die ignoranten Leute wissentlich ein System sanktionieren, das Probleme und Unruhe sowohl in dieser Welt, als auch in der jenseitigen schafft.

Die moralischen Werte der Religion geben dem Menschen einen weit erhabeneren Standpunkt, der in keiner Weise diesen, der Ignoranz entspringenden Richtlinien vergleichbar ist. Sich der Allmacht Gottes gewahr zu sein, erfüllt die Menschen mit Hoffnung und Freude, in diesem Leben und danach, und das liegt daran, dass sie die Gebote Allahs einhalten.

... und verzagt nicht an Allahs Erbarmen; niemand verzagt an Allahs Erbarmen außer den Ungläubigen. (Sure 12:87 – Yusuf)

Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit

Das Wort 'Gleichgültigkeit' bedeutet eine teilnahmslose und gefühllose Haltung, die ein Mensch gegenüber Ereignissen einnimmt. Von der Ignoranz irregeleitet, nehmen die Leute an, dass Gleichgültigkeit eine Verhaltensweise ist, die vollkommen in Ordnung ist. Sie wurden ja letztlich in eine Gesellschaft von ignoranten Leuten hineingeboren, die gewohnheitsmäßig dieses Verhalten an den Tag legen. Eine objektive Betrachtungsweise jedoch, die völlig gereinigt von den falschen Konzepten der Ignoranz ist, zeigt genau das Gegenteil. Teilnahmslosigkeit ist bestimmt nicht solch eine harmlose Einstellung, wie es den Anschein hat. In Wirklichkeit ist Gleichgültigkeit ein Zustand in dem das Gewissen abgestumpft ist.

Ein Mensch, der ein reines Gewissen haben will, muss jederzeit bereit sein, jede Verantwortung zu schultern, die sich ihm stellt. Das ist zweifellos eine Last für diejenigen, die nicht an ein Leben nach dem Tod glauben. Um sich daher der Erfüllung von Aufgaben zu entziehen, machen sie diese Geisteshaltung zur grundlegenden Philosophie ihrer Existenz. In solch einem Zustand nimmt ein Individuum in erster Linie seine eigenen Verantwortlichkeiten nicht wahr. Die Leute, die um ihn herum leben, müssen dies an seiner Statt tun.

Nicht weniger als dieser Mensch selbst, leiden die Leute in seiner Umgebung unter dieser Einstellung. Solch ein Mensch macht Versprechen, die er dann jedoch nie einhält aufgrund seiner unbedachten Einstellung. Ebenso borgt er Geld, doch gibt es nie zurück; nicht dass er kein Geld hätte, sondern er denkt einfach nicht daran. In manchen Fällen geht sein unbedachtes Benehmen so weit, dass es eine Gefährdung für seine Gesundheit, sowie der seiner Mitmenschen wird. Er mag z.B. versäumen, eine lebenswichtige Medizin einzunehmen, oder er mag sein Baby, das am Strand spielt aus den Augen lassen, ohne zu bedenken, dass dieses ertrinken könnte. Man kann Tausende von ähnlichen Beispielen im täglichen Leben beobachten.

Ein Mensch, der auf sein Gewissen hört, würde eine, in einem Verkehrsunfall schwer verwundete Person, in ein Krankenhaus bringen, ohne Rücksicht darauf, wie sehr er selbst in Eile sein mag. Eine Person jedoch, die sich gleichgültig verhält, würde nur einen kurzen Blick auf solch eine Szene werfen und dann weiterfahren und bestenfalls denken, dass wohl jemand anderes kommen würde, um der verwundeten Person zu helfen.

Wie wir gesehen haben, ist Gleichgültigkeit nur ein anderer Ausdruck für 'Mangel an Gewissen'. In solch einer Laune lässt eine gleichgültige Person aufgrund mangelnder Sensitivität viele Angelegenheiten einfach unbeachtet ohne dabei die geringsten Gewissensbisse zu verspüren und hält sich obendrein insgeheim für den klügsten Menschen auf Erden. Solch eine Geisteshaltung verursacht dem ewigen Leben eines Menschen unersetzbaren Schaden, denn er versäumt es, in dieser Wellt Allahs Wohlgefallen zu verdienen.

Ein gläubiger Mensch dagegen, der aufmerksames Verhalten an den Tag legt, tut das beste für sein ewiges Leben und seine Sensitivität ermöglicht ihm ein unbeschwertes Leben in dieser Welt.

Habgier

Die Anhänglichkeit an dieses Leben und das Verlangen nach Besitztümern veranlassen die ignoranten Leute, sich völlig zu verausgaben, um ihre weltlichen Ziele zu erreichen. Ein Mensch, der darauf aus ist, das Meiste aus dem Leben herauszuholen, hat gewiss keine Hemmungen, sein Habgier zu zeigen. Er glaubt, dass das Leben kurz ist, und so hält er es für klug, das Meiste aus diesem Leben herauszuschlagen, anstatt Gutes zu tun um ewiges Leben zu gewinnen. Mit diesem Ziel vor Augen, nimmt er jede Gelegenheit wahr, mehr von allem zu ergattern.

Es wird behauptet, dass dieses Verhaltensmuster, obwohl es offensichtlich in allen Gesellschaftsschichten zutage tritt, nur auf eine bestimmte Gruppe zutrifft, und in diesem Zusammenhang ist es eine weit verbreitete Annahme, dass nur einige Leute zur Habgier neigen. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Indem die Gier und der Geiz zu den vorherrschenden Charaktermerkmalen der Ethik der Ignoranz zählen, bringen sie den Standpunkt der Leute und der ignoranten Gesellschaft aufs deutlichste ans Licht.

Ob wohlhabend oder mittellos, werden die ignoranten Leute, die in einer, auf weltlichem Nutzen gegründeten Philosophie geschult sind, von der Gier angetrieben. In sozialen Veranstaltun-gen und Partys z.B. überessen und betrinken sie sich, selbst wenn sie gar nicht hungrig sind. An ihrem Arbeitsplatz machen sie Dutzende von unnötigen Telefonanrufen, nur weil sie nichts dafür bezahlen müssen. Oder sie bummeln stundenlang in Einkaufszen-tren und teuren Boutiquen um Dinge einzukaufen, die sie im Grunde genommen gar nicht brauchen. Das ist in der Tat eine tiefsitzende Krankhaftigkeit, die Beziehungen, selbst zwischen Familienangehörigen beeinflusst. Eine Frau, z.B. verlangt dass ihr Gatte sich ohne Rücksicht auf Verluste in seiner Arbeit abrackert, damit sie ihre gehobenen Ansprüche befriedigen kann. Ambitionen und Gier beherrschen die Gesellschaft zu solch einem Ausmaß, das die Ignoranten moralisch dermaßen betäubt, dass sie selbst Einbruch und Betrug begehen.

Diese Ethik, die den Menschen gierig nach jeder Kleinigkeit macht, wird von den ignoranten Leuten als ein Anzeichen von Klugheit betrachtet, doch offensichtlich erniedrigt sie ihn.

Es ist wesentlich leichter und macht mehr Spaß, aufrichtig und ehrlich zu sein, anstatt niederträchtige Hinterlist einzusetzen um bestimmte Ziele zu erreichen. Ein gläubiger Mensch macht sich alle Begünstigungen in dieser Welt in der besten Weise zunutze. Er weiß, dass sie alle Allah gehören, und dass Er, wenn Er will, den Menschen fortwährend belohnt. Er empfindet daher niemals übertriebenen Ehrgeiz noch überkommen ihn Gier und Geiz. Solch eine Geisteshaltung belohnt den Menschen mit Seelenadel und Würde, und wichtiger noch, mit Allahs Anerkennung.

Selbstsucht

In der ignoranten Gesellschaft kümmert sich kein Mensch um irgendeinen anderen, es sei denn, dass er glaubt, jener könne ihm nützlich sein. Ansonsten gibt es keinen Grund, warum jemand all seine Energie einsetzen sollte, um sich um jemanden anderen zu kümmern. Es mag gelegentlich vorkommen, dass man jemandem eine kleine Gefälligkeit erweist, doch die Ignoranz erfordert, dass dies nicht zur Regel wird. Aufgrund dieser Anschauung werden ignorante Leute rücksichtslos und egoistisch. Ein egoistisches Bewusstsein wird Kindern schon im frühesten Alter von ihren Eltern eingegeben. Die Weigerung der Kinder, ihre Lieblingsspiel-zeuge, Essen oder die Zuneigung von Familienangehörigen zu teilen, ist das erste Anzeichen dieser Haltung. Später im Leben wird diese negative Einstellung durch unmenschliche und unbedachte Manieren weiter gefestigt.

Ein egoistischer Mensch denkt nur an sich selbst. Die Bedürfnisse und Probleme anderer bekümmern ihn niemals. Wenn er neben einem hungrigen Menschen sitzt kann er sich einer üppigen Malzeit erfreuen, ohne dass es ihm je in den Sinn kommt, diese mit seinem Nächsten zu teilen. Wenn er krank ist, lässt er sich selbst die beste Pflege zukommen, doch er versäumt es, sich um einen anderen kranken Mitmenschen zu sorgen. Er gibt vor, einen Bekannten, der triefend nass auf der Straße im Regen steht, nicht zu erkennen, da er besorgt ist, die Sitze seines Wagens könnten nass werden, wenn er ihm anbieten würde, ihn mitzunehmen. Jemandem, der vor oder neben ihm hinfällt, weicht er nur einfach aus.

Auch in Notsituationen, die promptes Handeln erfordern, legen die ignoranten Leute ein unmenschliches Verhalten an den Tag. Sie weigern sich z.B. für einen Verletzten, der es dringend erfordert, Blut zu spenden.

In der Religion jedoch werden Egoismus, Selbstsucht und Unmenschlichkeit durch Mitleid und rücksichtsvolles Verhalten ersetzt. Wo immer Not an Mann ist, stellt sich ein Gläubiger zur Verfügung. Ein Hilferuf wird sofort erwidert, und ein gläubiger Mensch vermeidet es stets, der anderen Seite irgendwelche Probleme zu bereiten. Ein vortreffliches Beispiel solch einer Handlungsweise ist im Quran, wie folgt dargelegt:

Und aus Liebe zu Ihm speisen sie den Armen, den Waisen und den Gefangenen (indem sie sagen): »Wir speisen euch nur um Allahs willen. Wir erwarten keine Vergeltung und keinen Dank von euch. Gewiss fürchten wir von unserem Herr das Kommen eines bedrückenden, unheilvollen Tags.« (Sure 76:8-10 – al-Insan)

Schlechte Laune

In der ignoranten Gesellschaft werden nur solche Leute als 'schwierig' bezeichnet, die wirklich zu einem öffentlichen Ärgernis werden. Leute, die Streitigkeiten anzetteln und Konflikte im Alltagsleben provozieren, fallen keinesfalls unter diese Kategorie. Jedoch auch tolerante und scheinbar ruhige Leute zeigen Intoleranz und reagieren schlechtgelaunt in bestimmten Situationen. Es gibt gewiss solche Leute, gegen die sie eine Abneigung haben und mit denen sie nicht auskommen können. Solch eine Einstellung jedoch ist den Grundsätzen der Ignoranz entsprechend völlig vernünftig und normal.

Endlose Streitigkeiten zwischen Angehörigen im Familienleben werden ebenfalls als ganz gewöhnlich erachtet. Unverschämtheiten werden verharmlost oder vertuscht mit Erklärungen, wie 'das sind Familienangelegenheiten' oder 'das kommt in den besten Familien vor'. Die gleiche Mentalität trifft auf Beziehungen zwischen Freunden zu. Sie sagen z.B.: 'nur weil wir ein paar Meinungsverschiedenheiten haben, heißt das nicht, dass wir keine Freunde sind'. Es bestehen ständige Meinungsverschiedenheiten zwischen Lehrern und Schülern in den Schulen, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sowie zwischen Angestellten untereinander am Arbeitsplatz. Kraftfahrer beschimpfen sich gegenseitig im Straßenverkehr. Es herrscht Zwiespalt unter Nachbarn, Verwandten, kurz gesagt, zwischen all denen, die sozial miteinander verbunden sind.

Meist haben diese Auseinandersetzungen lächerliche Gründe. Selbst wenn es keinen Grund zu einer Debatte gibt, erfinden sie einen. Ein Mann mag z.B. das Fehlen seiner Lieblingsspeise am Mittagstisch als einen guten Grund für einen Streit mit seiner Frau halten; eine Frau, die ihren Mann nicht zu einem Spaziergang überreden kann, mag darüber einen Streit beginnen. Jeder Augenblick im Alltagsleben wird zu einer Quelle der Unruhe und Diskussion für die ignoranten Leute – der Lärm, den die Nachbarn machen, ein schreiendes Kind, ein bellender Hund, ein fremder Wagen auf dem eigenen Privatparkplatz, lautes Hupen eines ungeduldigen Verkehrsteilnehmers, kurz gesagt alles...

Diese Leute, die wegen jeder Kleinigkeit in Spannungen geraten, finden ihre eigene Gereiztheit oder das Milieu, in dem sie leben, völlig in Ordnung. Wenn sie zu viel Zeit mit einem anderen Menschen verbringen, ist das manchmal Grund genug für Auseinandersetzungen. Sie werden sich einander überdrüssig und selbst gerechtfertigte Wünsche und Erwartungen des anderen gehen ihnen auf die Nerven. Diese Beziehung wird im Lauf der Zeit unerträglich. Interessant dabei ist, dass sie sich wohl bewusst sind, dass eine Veränderung der Umstände und Beteiligten nichts an dieser Situation ändern würde. Wohin sie auch gehen und was sie auch tun, Intoleranz bleibt immer ein Teil ihrer selbst.

Hier erhebt sich die Frage: Worauf ist diese Intoleranz begründet?

In den ignoranten Gesellschaften glauben alle Mitglieder, dass sie vollständig recht haben. Da sie keinerlei Toleranz zeigen, kommt es ihnen niemals in den Sinn, jemanden, der sich schroff gebärdet, mit Sanftmut zu begegnen, stattdessen reagieren sie streitsüchtig und vermehren die Spannungen.

Der Quran dagegen ist sehr ausdrücklich in diesem Punkt, und diejenigen, die sich an den Quran halten, erkennen, was recht ist und folgen dem unverzüglich. Infolge dessen werden widersprüchliche Anschauungen Einzelner durch das ersetzt, was Allah im Quran geboten hat. Die Gebote Allahs bieten Lösungen für Probleme und somit erscheinen notwendigerweise Schlichtung und Harmonie anstelle von Widersprüchen und Problemen. Jemand, der sich vollständig den moralischen Richtlinien des Qurans unterstellt, achtet und liebt die Menschen. Die Befolgung der quranischen Prinzipien erfordert es, die Meinungen anderer bedachtsam und respektvoll in Betracht zu ziehen. Mit solch einer Einstellung kommen keine Konflikte auf. Während die ignoranten Leute sich ständig um aller möglichen Bagatellen willen behelligen, gestalten die Gläubigen ihr Leben entsprechend dem Quran. Daher geschieht in einer Gesellschaft von Gläubigen nichts um den Leuten Schwierigkeiten oder Unruhe zu bereiten.

Streitsucht

Eine der Charaktereigenschaften eines Menschen, der sich an die moralischen Prinzipien des Qurans hält, ist, dass er sich nicht in müßigem Geschwätz ergeht. Solch eine Abstinenz ist zweifellos sehr belohnend, sowohl geistlich als auch materiell. Anstatt sich an einer sinnlosen Unterhaltung zu beteiligen, wird ein gläubiger Mensch eher seine Zeit mit wichtigen und nützlichen Aufgaben verbringen. Auf diese Weise vermeidet er auch die abstumpfende Auswirkung von müßigem Geschwätz.

Im Gegensatz dazu haben die ignoranten Leute die unverbesserliche Gewohnheit, die Zeit mit endlos langen und törichten Unterhaltungen totzuschlagen. Der Grund für diese unvernünftige Neigung ist, dass sie sich geistig von den ernsthaften Problemen des täglichen Lebens ablenken wollen. Die hartnäckige und überhebliche Gebärde jedoch, die sie in Unterhaltungen üblicherweise an den Tag legen, verwandelt ein unbefangenes Gespräch in eine erhitzte Debatte. Meist diskutieren sie stundenlang über Themen, von denen sie kaum eine Ahnung haben und üblicherweise kommen sie nie zu irgendwelchen Schlüssen. Während dieser Debatten versuchen sie anderen ihre Ansichten aufzuzwingen. Manchmal versteifen sie sich so sehr, dass sie ihre Einstellung nicht einmal dann ändern, sie mit einem Fachmann zu tun haben. In ihrer beschränkten Welt wissen sie besser über Krankheiten Bescheid als ein Arzt und sind weiser als ein Philosoph.

Ihre Aussagen in diesen Diskussionen beruhen normalerweise auf Annahmen oder Hörensagen. Dies ist auch eine Verhaltensweise, wofür sich die Leute in der ignoranten Gesellschaft nie verantworten müssen. Jene Leute werden nur als 'etwas eigensinnig' oder 'Leute mit fixen Ideen' bezeichnet, und das wird zudem als eine persönliche Eigenheit der betreffenden Person betrachtet.

Der essentielle Grund dafür, dass die Leute in erhitzte Debatten geraten, ist die Tatsache, dass sie von Natur aus zur Streitsucht geneigt sind. Allah erwähnt diese Charaktereigenschaft im Quran:

... doch der Mensch ist in den meisten Dingen zum Widerstreit bereit. (Sure 18:54 – Al Kahf)

Die Leute mögen diskutieren, um ihren Standpunkt zu verteidigen, doch hervorstechend dabei ist die Gemütserregung, mit der sie ihren Argumenten Nachdruck geben. Das auffallendste Merkmal dabei sind der Ton und die Lautstärke, die sie verwenden. Die ignoranten Leute nehmen an, dass sie siegreich aus einer Auseinander-setzung hervorgehen, wenn sie schreien und die Stimme ihres Gegners ertränken und deshalb sprechen sie mit lauter Stimme. In der geladenen Atmosphäre, die dadurch geschaffen wird, hat der Widerstreit auch körperliche Auswirkungen auf die Debattieren-den. Ihre Erregung zeigt sich im Erröten ihrer Köpfe und im Anschwellen ihrer Venen an Hals und Stirn. Ihre Gesichter nehmen einen wilden Ausdruck von Ärger an, was ihre Gesichtszüge bis zur Hässlichkeit verzerrt. Sie können nicht ruhig bleiben, sondern versuchen, ihr Gegenüber einzuschüchtern. Sie unterbrechen sich gegenseitig, oder sprechen zur gleichen Zeit, ohne den anderen anzuhören. Wenn Einer ruhig bleibt, provoziert ihn der Andere und versucht, ihn in ein Streitgespräch zu verwickeln. Sie kommen erst dann aus dieser angespannten Stimmung heraus, wenn ihr Gegner aufgibt.

Gläubige Menschen dagegen erfahren niemals einen derartigen Geisteszustand. Sie akzeptieren, dass es immer einige Leute gibt, die ein größeres Wissen oder tieferes Verständnis haben, und bestehen niemals darauf, ihre Überzeugungen durchzusetzen, wenn sie eines besseren belehrt werden. Wenn sie mit einem Thema nicht vertraut sind, enthalten sie sich schlicht, irgendwelchen Meinungen Ausdruck zu geben. Gleicherweise vermeiden sie unfruchtbare Unterhaltungen und geben Hörensagen keine Beachtung. Mit solch einer Einstellung geben die Gläubigen von vornherein Acht, sich nicht an einem Streit zu beteiligen. Ihre Unterhaltungen führen nie zu einem toten Punkt. Sie finden völlige Erleichterung und Frieden dabei, Probleme zu lösen und Konflikte zu schlichten. Wenn sie keine Information bezüglich einer Sache haben, ziehen sie es vor, anstatt eine Meinung abzugeben und sich in eine Diskussion zu verwickeln, Information zu sammeln, um zu einer gesunden Schlussfolgerung zu kommen. Dies ist auch, was von Allah im Quran empfohlen wird.

... und über jedem, der Wissen hat, steht Einer, der größeres Wissen hat. (Sure 12:76 – Yusuf)

... Sage: 'Sind diejenigen, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?' Doch nur Menschen von Substanz bedenken das.' (Sure 39:9 – az-Zumar)

Heuchelei und Anmaßung

Was die Leute in der ignoranten Gesellschaft am meisten stört, ist die, an den Tag tretende, heuchlerische und unaufrichtige Verhaltensweise. Interessant dabei jedoch ist die Tatsache, dass diejenigen, die sich darüber beklagen selbst auch Heuchler sind. Das ist gewiss eine offensichtliche Äußerung der Härte des Systems, das von den Ignoranten geschaffen wurde.

Heuchelei bedeutet zwei verschiedene Charaktere zu haben, einen, den man äußerlich zur Schau trägt und den anderen, den man im Innern verborgen hält. Der für die äußere Welt gedachte, verkörpert die scheinbaren Aspekte des Charakters, die anderen vorgegaukelt werden. Der innerliche enthält das tiefe, echte Denken. Erstaunlicherweise ist jedermann in der ignoranten Gesellschaft mit dieser Tatsache vertraut und erkennt sie an. Allah erklärt eine der Eigenschaften der Heuchler im Quran:

... Sie sprechen mit ihren Zungen, was sie nicht mit Herzen meinen... (Sure 48:11 – al-Fath)

Nichtsdestoweniger weiß jedermann wann und wo die Leute ihre ehrlichen Anschauungen enthüllen. Während sie klatschen z.B. bringen die Leute ihren wahren Gedanken über andere zum Ausdruck. Jedoch selbst in dieser Situation verhalten sie sich nicht ganz ehrlich, da sie ja wiederum ihre inneren Gedanken über die Person, mit der sie sich zu dem Zeitpunkt unterhalten, verbergen. Höchst wahrscheinlich geben sie ihre persönliche Meinung über diese Person später im Gespräch mit jemandem anderen preis.

In ähnlicher Weise entblößen die ignoranten Leute ihre inneren Gedanken, wenn sie glauben, dass ihre Interessen auf dem Spiel stehen. Zum Beispiel haben sie Schwierigkeiten, ihre wahren Gefühle zu verbergen, wenn sie eine wütende Auseinandersetzung mit jemandem haben.

Heuchler führen andere auch ständig hinters Licht und verhalten sich nie aufrichtig, um ihr wahres Gesicht und ihre inneren Gedanken zu verbergen. Zu diesem Zweck stellen sie oft affektierte Gebärden zur Schau. Anstatt aufrichtig zu sein und sich natürlich zu geben, versuchen sie Aufrichtigkeit nachzuahmen, da ihnen dies jedoch nicht gelingt, benehmen sie sich völlig unnatürlich.

Es ist offensichtlich, dass in einem Milieu, in dem die Leute affektiert sind, wahre Liebe und gegenseitige Achtung nie erreicht werden können. Die ignoranten Leute sind sich dieser Tatsache auch bewusst und fühlen sich im Grunde genommen unbehaglich dabei, doch aufgrund ihrer ungeschlachten Denkweise fördern sie dennoch dieses System. Es ist wirklich schwierig und mühsam für einen Menschen, zu versuchen, wie jemand anders zu handeln, der sich an ein völlig anderes System mit anderen Werten hält.

Aufrichtig zu sein und sich innerlich und äußerlich wie eine 'einzige' Person zu verhalten, bringt dem Menschen große Erleichterung und hat zur Folge, dass er zuverlässig und ehrlich wird und jedermann ihn respektiert und liebt. Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit sind die Belohnung, welche die Sittlichkeit des Islam der menschlichen Psyche beschert. Den Geboten Allahs Folge zu leisten bringt Erleichterung und Seelenfrieden, da man sich nicht benehmen muss, wie etwas das man nicht ist. Die abergläubischen Konzepte der Ignoranz werden dadurch vertilgt und dem Gläubigen bietet sich ein geistig unbeschwertes Leben. Im Gegensatz zu dem dusteren Milieu der Ignoranz ermöglicht es der Islam, aufrichtige und herzliche Beziehungen zu haben und damit ein Leben in Zufriedenheit.

Spott

Anstatt Spotten als eine verdammenswerte Verhaltensweise zu betrachten, die beseitigt werden sollte, wird es in der ignoranten Gesellschaft als eine Art der Unterhaltung und des amüsanten Zeitvertreibs angesehen und ist daher gesellschaftlich akzeptabel und wird niemals als sittlicher Verstoß bewertet. Die Mitglieder der ignoranten Gesellschaft nehmen an, dass sie Vorrang über andere dadurch erzielen können, dass sie diese erniedrigen.

Die Leute verspotten andere nicht nur in Worten, sondern auch auf untergründige Weise, wie durch Gesten, Mimik, Körpersprache und andere verschleierte Methoden der Kommunikation.

Wie diese raffinierten Methoden von einer Generation der anderen vermittelt werden, und wie jedes Mitglied der ignoranten Gesellschaft mit ihnen vertraut ist, bleibt weiterhin rätselhaft. Es gibt weder Lehrbücher noch Schulen um die jungen Leute in die raffinierten Methoden des Hohns einzuführen, doch jedermann weiß, was eine bestimmte Gebärde oder Geste bedeutet. Niemand spricht offen über das Spotten, obwohl es weithin bekannt und hinterhältig angewendet wird.

In der ignoranten Gesellschaft kann alles zum Ziel des Verhöhnens werden – es kennt keine Grenzen. Körperliche Gebrechen, ein falsch ausgesprochenes Wort, die körperliche Gestalt eines Menschen, selbst Niesen oder Schluchzen werden verspottet. Entsprechend den Normen der ignoranten Gesellschaft ist Stolpern und Hinfallen (anderer) etwas, worüber man stundenlang lachen kann. Ein Mensch, der aus diesem Grund verlacht wird, fühlt sich gedemütigt. Deswegen gibt er vor, es mache ihm nichts aus, selbst wenn er sich verletzt fühlt und um dem Ausdruck zu geben, dass es ihm nichts ausmache, verlacht zu werden, stimmt er in das Gelächter über sich selbst mit ein.

Die Leute sind ständig beängstigt, dass sie möglicherweise wegen irgendeines Versagens oder aufgrund ihres Aussehens lächerlich erscheinen mögen. Jemand, der z.B. einen Sprachfehler hat fühlt sich selbst unbehaglich, mit seinem besten Freund zu sprechen und schweigt deshalb die meiste Zeit. In solch einer Umgebung muss jeder davor auf der Hut sein, verlacht zu werden.

Spotten ist jedoch nicht auf eine bestimmte Gesellschaftsschicht beschränkt; es ist weit verbreitet in höheren Gesellschaftsschichten, in Ghettos, am Arbeitsplatz, in Schulen, kurz gesagt, überall dort, wo die 'sittlichen Werte' der Ignoranz vorherrschen, noch ändert es sich mit der Kultur oder der Zivilisationsstufe. Auf alle Fälle macht es das Leben des Einzelnen zur Drangsal, indem er ständig Acht geben und sich bemühen muss, dem Gespött der anderen zu entrinnen.

Menschen jedoch, die sich die moralischen Werte des Qurans zu eigen machen, werden niemals ihre Mitmenschen behelligen. Die Gläubigen wissen, dass Schwächen speziell von Allah für den Menschen geschaffen wurden. Diese Tatsache schafft die Grundlage zum Austausch zwischen den Menschen und dementsprechend wird dem Behinderten, dem Leidtragenden oder jemandem, der eine Schwäche hat, Mitleid und Verständnis anstelle von Hohn und Überheblichkeit entgegengebracht. Im nachfolgenden Vers weist Allah nachdrücklich auf diese Gegebenheiten hin.

O ihr, die ihr glaubt! Lasst nicht eine soziale Gruppe mit einer anderen Spott treiben, vielleicht sind die letzteren besser als sie; noch lasst Frauen sich über (andere) Frauen lustig machen, es mag sein, dass jene besser sind als sie. Und verschmäht einander nicht mit übler Nachrede und boshaften Schimpfnamen. Übel ist es, nach Annahme des Glaubens, anstößige Namen zu gebrauchen, und jene die nicht umkehren und in sich gehen, sind es die Unrecht tun. (Sure 49:11 – al-Hudschurat)

Hier sollte noch speziell erwähnt werden, dass die Laune, sich über alles lustig zu machen, einen Menschen davon abbringt, sich auf Religion, den Tod oder das Jüngste Gericht zu besinnen. Über die Skeptiker, die diese Haltung annehmen, sagt der Quran folgendes:

Und sie sagen: »Wenn wir zu Gebeinen und Staub geworden sind, sollen wir dann etwa als eine neue Schöpfung auferweckt werden?« Sage: »Ihr mögt Steine oder Eisen sein, oder ein Gebilde, das jene eurer Vorstellung nach an Starrheit übertrifft.« Und dann werden sie sagen: »Wer soll uns ins Leben zurückbringen?« Sage: »Derjenige, Der euch das erste Mal ins Dasein brachte.« Dann werden sie ihre Köpfe vor dir schaukeln und sagen: »Wann geschieht es?« Sage: »Es mag schon bald geschehen." (Sure 17:49-51 – al-Isra')

Ein Mensch, der sich am Spotten erbaut, sollte bedenken, dass er die bitteren Folgen davon in alle Ewigkeit zu verspüren haben wird.

Übel war sodann das Ende derer, die Übles taten, indem sie die Zeichen Allahs leugneten und sich über dieselben lustig zu machen pflegten. (Sure 30:10 – ar-Rum)

Gefühlsduselei und Romantik

Empfindsamkeit und romantisches Gehabe werden in der ignoranten Gesellschaft als grundsätzlich menschliche Verhaltenswei-sen und somit als eine existentielle Realität anerkannt. Menschen, die ihren Gefühlen nicht Ausdruck geben werden als gefühllos und irgendwie sonderlich betrachtet. Romantisch zu sein wird mit einem gewissen idealisiertem Image assoziiert, das einen Anhauch von Zauber und Schönheit hat.

Doch Empfindsamkeit ist ein Zustand, in dem ein Mensch vollständig unter dem Einfluss seiner Gefühle bleibt und sich völlig seinen Instinkten hingibt. Seiner Denkfähigkeit beraubt, ist solch ein Mensch nicht in der Lage, die Dinge in vernünftiger Weise zu beurteilen, und niemand, nicht einmal er selbst, kann voraussehen, in wieweit seine Gefühle seine Entscheidungen beeinflussen werden. Ein Gefühlsmensch ist hilflos seinen Gefühlen ausgesetzt. Im Lauf des Geschehens ist er nicht in der Lage, die weiteren Entwicklungen oder die etwaigen nachteiligen Folgen einer Entscheidung in Betracht zu ziehen und wird sich seiner Fehler erst dann bewusst, wenn alles vorüber ist. Er handelt impulsiv und unbedacht und seine Launen ändern sich unversehens; in einem Moment fühlt er sich niedergeschlagen und verzweifelt und im nächsten Augenblick ist er von Eifersucht ergriffen. Er fühlt sich leicht auf den Schlips getreten und wird schnell wütend; sein Leben ist wie eine Achterbahn.

Diese Verhaltensweise ist in der Tat schmerzlich für diejenigen, die gefühlsmäßige Befriedigung in ihren Beziehungen suchen. Da sie nicht wissen welcherlei Stimmungen ihre Mitmenschen empfinden, warten sie immer einen 'guten Zeitpunkt' ab um sich mitzuteilen. Auf diese Weise verbringen sie ihr Leben damit, die gefühlsmäßigen Erwartungen anderer zu erfüllen und dabei erwarten sie das gleiche von anderen. Obwohl sie die Mühe scheuen, die sie dabei haben, genießen die ignoranten Leute erstaunlicherweise den Kummer und die düsteren Stimmungen, die durch ihre Empfindsamkeit hervorgerufen werden, wobei sie ein Leben ohne Gefühlsduselei zu eintönig und bedrückend finden. Im Grunde genommen ist das ein Vorwand, ihr fehlerhaftes Verhalten zu vertuschen und gesellschaftlich zu sanktionieren.

Dieser Zustand der Empfindsamkeit muss letzten Endes eine geistige Labilität im Menschen hervorbringen. Wenn man ständig dem Einfluss von Melancholie ausgesetzt ist, findet man an nichts mehr Freude. In einer Situation, wo alle anderen sich an irgend etwas erfreuen, finden jene Leute unbedingt etwas, das sie schmerzt. Manchmal versuchen sie ihren Kummer noch zu vermehren, indem sie in ihrer Phantasie dazu geeignete Situationen inszenieren. Aus diesem Grund fühlen sie tief in ihrem Inneren eine endlose Unruhe, obwohl sie versuchen eine gute Miene zu bewahren. Anstatt in Frieden zu leben, ziehen sie es vor, ihr Dasein in Drangsal und Sorge zu fristen.

In einer romantischen Welt verbleiben die Menschen lange Zeit unter dem Einfluss von Geschehnissen. Es fällt ihnen z.B. schwer sich von dem Einfluss unangenehmer Ereignisse zu befreien, denen sie begegnen und sie sind emotionell nicht stark genug, deren negative Auswirkungen abzuschütteln. Sie finden solche Zwischenfälle eher einen guten Grund, sich in Gefühlsduselei zu ergeben.

Weisheit ist die einzige Grundlage, auf der man wahre Freude am Leben finden, Erfolg erzielen und sein Leben in Frieden verbringen kann. Das Verständnis dessen kann nur erlangt werden, wenn man sich nach den Geboten Allahs richtet. Befolgung der Lehren des Quran beseitigt Empfindsamkeit und gibt dem Menschen eine positive Perspektive und befähigt ihn Probleme zu lösen, anstatt sie zu übertreiben und zu einer Quelle der Trübsal zu machen.

Weinen

Das Verlangen, Tränen zu vergießen ist eine der Nebenwirkun-gen, die Empfindsamkeit mit sich bringt, wobei dieses Verlangen keine vernunftmäßige Grundlage hat; es gibt, schlicht, keinen Grund dafür. Die ignoranten Leute, insbesondere Frauen, glauben, dass Weinen ein ebenso grundsätzliches Bedürfnis ist, wie Essen, Trinken und Schlafen. Der gleiche Aberglauben besagt, dass sich ein Mensch, wenn er diesem Bedürfnis nicht nachkommt, aus Kummer und Sorge allerlei Krankheiten zuziehen kann und daher Verlassen sich die ignoranten Leute aufs Weinen als ein Mittel der Erleichterung.

Abgesehen davon ist der negative und verzweifelte Ausblick der ignoranten Leute ein weiterer Faktor, der sie zum Weinen anregt. Mit diesem Ausblick finden sie stets einen Grund es zu tun. Anstatt ihre Probleme zu lösen oder die wahrscheinlichen Gründe des Kummers zu beseitigen, ziehen sie es vor, nur zu heulen. Sie haben großes Interesse, sich gehen zu lassen und erfreuen sich dieses Erlebnisses sobald sie einen 'triftigen' Grund dafür finden.

Diese Einstellung wird in allen Gesellschaftsschichten vertreten, speziell von Frauen, aufgrund tief eingeprägter sozialer Verhaltensklischees. In den meisten Kulturen ist Weinen für das männliche Ideal tabu, während es für Frauen erstrebenswert ist. Es ist ein ignorantes Konzept, das daran festhält, dass Frauen aufgrund dessen, dass sie körperlich schwächer als Männer sind, auch geistlich schwach sein müssen. Aus diesem Grund erwarten die Ignoranten, dass Frauen stark von Ereignissen beeinflusst werden und lange Zeit unter diesem Einfluss bleiben, und die Frauen zeigen ihrerseits Bereitschaft, diesem Verhaltensmodell ohne Wider-stand gegen solch eine gesellschaftliche Gehirnwäsche zu folgen.

In der ignoranten Gesellschaft wird weinen nie als ein Zeichen der Hilflosigkeit oder einer willensschwachen Persönlichkeit betrachtet. Niemand würde einen Menschen wegen eines emotionellen Zusammenbruchs anprangern. Die Leute werden in ihrem Alltagsleben durch Fernsehserien, Filme und Zeitschriften eher dazu angeregt, sich auf diese Weise gefühlsmäßige Erleichterung zu schaffen. Die Leute empfinden Zuneigung für Menschen, die in dramatischen Szenen ihren Gefühlen von Freude, Liebe und Schmerz durch Tränen Ausdruck geben.

Es ist dermaßen weit verbreitet in der ignoranten Gesellschaft, dass die Leute selbst um unnötiger Dinge willen weinen. Sie weinen, während sie die Nachrichten im Fernsehen oder einen dramatischen Film sehen; selbst wenn sie glücklich sind, weinen sie. Bei Schulabschlussfeiern, auf Hochzeiten usw. ist es schon fast zu einer Sitte geworden, zu weinen.

Leute, die über den Nutzen des Weinens unterrichtet werden, erkennen sehr bald, dass es in bestimmten Situationen auch als eine starke Waffe eingesetzt werden kann. Es ist tatsächlich ein unlauteres Mittel, Ziele zu erreichen, die auf andere Weise nicht erreicht werden könnten. Dem ist so, weil Weinen direkt das Gemüt anspricht und Gefühle von Mitleid in der ignoranten Gesellschaft hervorruft. Daher ist es eine wirksame Methode, die Gefühle der anderen zu missbrauchen. Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass die ignoranten Leute, wenn Weinen dabei eingesetzt wird, meistens Vorschläge annehmen, die sie unter normalen Bedingungen abgelehnt hätten.

Aus Erfahrung werden sich die 'Heuler' der Vorteile, die dieses Verhalten bietet, sehr wohl bewusst. Schon in frühem Kindesalter nimmt jedes Mitglied der ignoranten Gesellschaft hunderte Male Zuflucht dazu um jedes Mal seinen Wunsch erfüllt zu bekommen. Solch eine Erfahrung erzeugt einen unbeirrbaren Entschluss, diese Waffe einzusetzen um irgendeine bestimmte Verhaltensweise zu rechtfertigen, um den Anschein von Unschuld, Ehrlichkeit usw. zu erwecken oder manchmal nur, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Der Quran dagegen schildert Weinen eher als ein Unglück, das den Menschen heimsucht, als eine Gunst, die ihm erwiesen wird. Das wird im folgenden Vers weiter

So mögen sie ein wenig lachen und viel weinen werden sie, als Lohn dafür, was sie sich verdient haben. (Sure 9:82 – at-Tauba)

Der Quran erklärt unmissverständlich, dass die Insassen der Hölle nicht in der Lage sein werden, Freude, Frieden und Ruhe zu erreichen, selbst wenn sie es wollten. Daher ist es gewiss unklug, die Insassen der Hölle in dieser Welt zu imitieren. An vielen Stellen im Quran wird wiederholt, dass Erbärmlichkeit nur eine Eigenschaft der ignoranten Leute ist. Derjenige wird sich ermahnen lassen, der gottesfürchtig ist, und der Unselige, der im größten Feuer brennt, wird es vermeiden. (Sure 87:10-12 – al-A'la)

So warne Ich euch vor einem lodernden Feuer in dem nur der Unseligste brennen wird. (Sure 92:14-15 – al-Lail)

Verletzlichkeit

Eine der Äußerungen der Empfindsamkeit ist es, dass der Betroffene sich sehr leicht verletzt fühlt. Wie das Wort Gefühlsdu-selei andeutet, sind es die Gefühle einer empfindsamen Person, die vorwiegend ihr Verhalten bestimmen. Wenn die Gefühle regieren, findet Weisheit keinen Platz. In diesem Fall ist es einem empfindsamen Individuum kaum möglich, Dinge mit vernünftigen Grundsätzen anzugehen und das ist der eigentliche Grund seiner Überempfindlichkeit.

Ein Mensch, der dazu neigt, das Geschehen in irrationaler Weise zu betrachten, bildet sich ein, alles drehe sich um ihn. Er nimmt an, dass jedermann über ihn redet und Pläne gegen ihn schmiedet. Insbesondere diese Tendenz beherrscht das Benehmen aller Mitglieder der ignoranten Gesellschaft und manche sind nahezu besessen davon. Mit zunehmendem Alter zeichnet sich diese Tendenz merklich ab. Ältere Leute nehmen alles, von Verwandten sowie von Fremden, als eine Beleidigung auf und darüber hinaus inszenieren sie in ihrer Phantasie allerlei Grausamkeiten die ihnen widerfahren. Obwohl sie gut versorgt sein mögen, nehmen sie an, dass ihre Kinder sie nicht lieben und in ein Altersheim schicken wollen. Weiterhin setzen sie voraus, dass ihre Kinder sie als eine Last empfinden.

Das ist in der Tat eine natürliche Konsequenz der unsicheren Umwelt, die von der Sittlichkeit der Ignoranz geschaffen wird. Die Art und Weise, in der sich die Mitglieder der ignoranten Gesellschaft verhalten, mag sehr wohl als verletzend empfunden werden. Unnachsichtiges, heuchlerisches und rachsüchtiges Verhalten ist gewiss sehr bedrückend, speziell wenn man bedenkt, dass solches Benehmen absichtlich ist. Obwohl diese Erklärungen die Schwäche der Verletzlichkeit nicht rechtfertigen, sind sie dennoch wichtig in dem Sinn, dass sie die verdorbene Grundlage enthüllen, auf der die Sittlichkeit der Ignoranz beruht. Eine ältere Person, die mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern lebt, fühlt sich verletzt, doch es gibt gewiss Gründe, warum sie sich so fühlt. Ältere Leute werden generell als eine Last im Haushalt empfunden und sind nicht beliebt. Derartige Gefühle jedoch sind untergründig und werden nie direkt zum Ausdruck gebracht.

Wenn die ignoranten Leute einmal dieses empfindsame Gemüt angenommen haben, hängt es ihnen an bis sie sterben und obendrein leiden sie sehr unter der negativen Seite dieses Gemüts. In einem Milieu, in dem alle sich gegenseitig in herzlicher und freundlicher Weise behandeln, können diejenigen, die leicht verletzlich sind niemals echt glücklich sein und in Frieden leben. Wenn alle anderen sich amüsieren, sitzen sie alleine in einer Ecke.

Wie aufgezeigt wurde, erzeugt jeder Aspekt der Ignoranz furchtbare Milieubedingungen.

Durch die Befolgung der Lehren des Qurans dagegen, entwickeln die Menschen einen 'durchsichtigen' Charakter. In anderen Worten, sie sagen, was sie denken. Wenn es etwas gibt, das sie nicht mögen, bringen sie es klar zum Ausdruck und versuchen niemals, es mit Blicken, Gesten und Gebärden anzudeuten, und da sie von Gleichgesinnten umgeben sind, fühlt sich niemand durch die Verhaltensweise der anderen beleidigt. Allah gebietet dem Menschen im Quran, rechtschaffenes Handeln zu fördern und Übles zu unterbinden; solch eine Einstellung verhindert vollständig jene unerwünschten Situationen, die sich aufgrund von übermäßiger Empfindsamkeit leicht entwickeln.

Lügen

Ignorante Leute lügen sehr häufig. Fast alle sozialen Beziehungen beruhen auf Betrug.

Ein ehrlicher und aufrichtiger Mensch erniedrigt sich nie durch Lügen. Ein Mensch hingegen, der sein Leben nach den Richtlinien einrichtet, die von einem heuchlerischen System vorgegeben werden, muss unweigerlich unlautere Mittel einsetzen, um Erfolg zu erringen. Lügen ist eines dieser Mittel, das sehr weit verbreitet gebraucht wird. Sobald ein Mensch überzeugt ist, dass es eine gangbare Methode ist, beginnt er mehr und mehr darauf zurückzugreifen, so dass es fast zu einem Lebensstil wird. Er gewöhnt sein Denken und seinen sprachlichen Ausdruck so sehr an das Konzept des Lügens, dass er sich stets desselben bedient, sobald er in Schwierigkeiten gerät. In der ignoranten Gesellschaft ist dies eine Angewohnheit, die vollständige soziale Billigung erfährt, solange dem Allgemeininteresse daraus keine nachteiligen Folgen entstehen. Selbst den besten Freund anzulügen, wird für normal gehalten. Erst wenn diese Lügen drohen, eine Gefahr für das materielle oder geistige Wohlergehen zu werden und sich speziell gegen persönliches Interesse richten, geben die Belogenen ihrem Missmut darüber Ausdruck. Kurzgesagt, obwohl Lügen sehr weitverbreitet angewendet wird, verursacht es viel Leiden in der ignoranten Gesellschaft, doch das Leiden, das es im zukünftigen Leben verursachen wird, ist weitaus schlimmer.

Allah warnt den Menschen vor diesem Übel durch Sein Gebot:

...und vermeidet lügenhafte Rede! (Sure 22: 30 – al-Hadsch)

In einem anderen Vers erklärt Er die Natur der Lügner:

Gewiss, sind es nur jene, die nicht an die Zeichen Allahs glauben, die Falschheiten erdichten und eben sie sind die Lügner. (Sure 16:105 – an-Nahl)

In der Gesellschaft der Gläubigen dagegen, sind jegliche Gründe für Lügen völlig abgeschafft. Ignorante Leute lügen z.B. bloß, um einen Fehler oder eine Nachlässigkeit zu vertuschen, oder nur um einen guten Eindruck auf andere zu machen. Sie Lügen, um andere Leute hinters Licht zu führen, um Vorteile zu ergattern, kurz gesagt, um irgendeinen weltlichen Nutzen zu haben. Ein Gläubiger dagegen, korrigiert seine Fehler und steht für sie ein, anstatt zu versuchen, sie zu verheimlichen. Er schließt keine Freundschaften mit Leuten, die er nicht leiden kann. Seine Freunde sind nur diejenigen, die das Wohlgefallen Allahs suchen, und sich daher aufrichtig und verantwortungsvoll benehmen. Es gibt daher keinen Grund für einen Gläubigen, zu lügen. Er begegnet anderen nicht mit der Erwartung Vorteile davon zu ergattern. Er ist ehrlich in Bezug auf sein Leben; er hat im Grunde genommen nichts zu verbergen und verspürt daher keinerlei Bedürfnis zu lügen und deswegen erfreut sich ein Gläubiger zeitlebens des Komforts der Wahrhaftigkeit.

Erniedrigende Manieren

Um ein bestimmtes Ziel zu erreichen sind die ignoranten Leute bereit sich allem und jedem zu beugen, selbst wenn sie sich bewusst sind, dass es unmoralisch ist. Das ist der eigentliche Grund, warum erniedrigende Manieren gang und gäbe sind. Im Gegensatz zu der vorherrschenden Auffassung, dass erniedrigende Manieren hauptsächlich nur in bestimmten Sozialgruppen vorkommen, spiegeln sie sich generell im Verhalten aller Mitglieder der ignoranten Gesellschaft wieder. Es wird generell angenommen, dass derartiges Benehmen speziell unkultivierten und unausgebildeten zu eigen ist, doch diese Manieren sind die Folge eines grundsätzlichen Fehlers in der Denkweise, weshalb alle Leute, die den Richtlinien der Ignoranz folgen, unbeachtet ihrer Intelligenz, Kultur oder Ausbildung, mit derartigen Manieren behaftet sind.

Erniedrigende Manieren zeigen tatsächlich alle Arten von Einstellungen und Verhaltensmustern an, die von der Sittlichkeit der Ignoranz herrühren. Wenn ein Mensch auf diese Ebene abgesunken ist, zeigt er eine natürliche Neigung, all das primitive Benehmen der Ignoranz an den Tag zu legen. Vorausgesetzt, es dient seinen Zwecken, scheut sich ein Mensch, der aus der ignoranten Gesellschaft kommt, nicht im geringsten zu lügen oder seine Habgier, Eifersucht oder Selbstsucht offen zu Tage treten zu lassen. Der Hauptgrund dafür, dass ein ignoranter Mensch sich zu solch verabscheuenswürdigem Benehmen hinreißen lässt, ist die Tatsache, dass er sich auf der Jagd nach weltlichem Gewinn all zu schnell von edlem und rechtschaffenem Verhalten abbringen lässt und sich die niederen Grundsätze der Ignoranz zu eigen macht.

Wie alle anderen Charakteristiken der Ignoranz, werden die Mitglieder der Ignoranten Gesellschaft schon von früher Kindheit mit selbstsüchtigen Tendenzen vertraut gemacht, indem sie häufig Sprichwörter, wie »Jeder ist sich selbst der Nächste" oder Redewendungen, wie »...sein Schäfchen ins Trockene bringen", oder »Nach mir die Sintflut..." zu hören bekommen. Mit solch einem Ausblick gründen die ignoranten Leute ihre ethischen Richtlinien auf eine oberflächliche Denkweise, die vollends jegliche edle und tugendhafte Werte mangelt. Später im Leben entwickeln sie 'verbesserte' Versionen dieses verabscheuenswürdigen Benehmens, dem an gedanklichem Ausmaß mangelt.

Im Geschäftsleben z.B., zeigt ein Geschäftsführer, der seine Untergebenen stets schlecht behandelt und die Angestellten immer anbrüllt, wenn er Anordnungen gibt, einen völlig anderen Charakter, wenn der Geschäftsinhaber ins Büro kommt. Wenn der Chef eintrifft, wird der Geschäftsführer plötzlich ein 'armer Kerl', der bereit ist, dem Boss die Schuhe zu putzen und währenddessen ist er die Freundlichkeit in Person mit seinen Untergebenen. Er tut alles um dem Chef zu schmeicheln, und um das zu erreichen wagt er, unvorstellbare Dinge zu tun. Solche Leute riskieren es gewiss, in der Gesellschaft erniedrigt und gedemütigt zu werden und dennoch fühlen sie sich nicht verletzt.

Interessant dabei ist, dass jene Leute gebildet sind und Hochschulreife haben mögen, doch ihr Verlangen aufzusteigen, veranlasst sie, sich auf solch erniedrigende Weise zu gebärden. Sie glauben, dass das eine existentielle Realität ist. Obwohl sie wissen, dass es eine niederträchtige Verhaltensweise ist, betrachten sie es als einen unerlässlichen Bestandteil des 'Karrieremachens' im Geschäftsleben. Gewiss ist es nicht ihr Chef, den sie respektieren, sondern sein Geld und seine Stellung.

Das gleiche Verhaltensmuster zeigt sich zuhause. Man nehme die Einstellung der ignoranten Leute 'unerwünschten' Gästen gegenüber als Beispiel. Der ungelegene Besuch solch eines Bekannten wird mit Lügen am Telefon unterbunden. Wenn ein Besucher unangemeldet auftaucht verstummen die Leute im Haus vollständig und vermeiden jegliches Geräusch und warten bis er wieder geht. Einen Gast zu bewirten sehen sie als eine Last an und verhehlen ihre Abneigung dagegen nicht im geringsten. Wenn sie, trotz aller Bemühungen es zu vermeiden, dennoch jemandem ihre Türe öffnen müssen, so reden sie schlecht über ihn hinter seinem Rücken, sobald er gegangen ist. Sie wissen sehr wohl, dass es unmoralisch ist, sich jemandem gegenüber als guter Freund zu gebärden und dann hinter seinem Rücken schlecht über ihn zu reden, doch sie können sich dieser niederträchtigen Verhaltensweise nicht erwehren.

Im Alltagsleben kann man viele Beispiele für diese Charakter-armut finden. Es ist, beispielsweise ganz gewöhnliches Verhalten für die ignoranten Leute in einen Bus zu stürzen und dabei andere Leute zur Seite zu stoßen, um sich einen Fensterplatz zu sichern oder es zu verweigern, seinen Sitzplatz für eine ältere oder körperlich behinderte Person in einem öffentlichen Verkehrsmittel freizugeben. Obwohl sie nicht hungrig sind und sich gutes Essen leisten können, verzehren sie gierig irgend etwas, nur weil es kostenlos angeboten wird. In ähnlicher Weise stellen sie sich in Einkaufszentren, wo kostenlose Muster ausgegeben werden mehrmals an, um mehr Muster zu bekommen und dabei haben sie, was noch schlimmer ist, die Angewohnheit sich vorzudrängen. Sie glauben, dass solches Benehmen von Schlauheit zeugt und halten diejenigen, die genügend Selbstachtung haben, sich nicht so primitiv zu gebärden, für dumm.

Es ist offenbar, dass das, was sie als Schlauheit bezeichnen, lediglich Selbstsucht und Eigeninteresse ist und die Leute, die sie dumm heißen, sind es, welche die Charakterstärke haben, sich nicht auf jenes niedrige Niveau erniedrigen zu lassen.

Ein Mensch, der sich an die moralischen Richtlinien des Qurans hält, benimmt sich in höchst würdiger Art und Weise und, ungeachtet der Bedürftigkeit seiner Umstände, beugt er sich nie einer Sache, die seiner eigenen oder der Menschenwürde anderer Abbruch tun könnte.

Sehnsucht

Eine herausragende Charakteristik die sich über alle Schichten der ignoranten Gesellschaft erstreckt, von den Bewohnern der Ghettos bis hin zum Jet Set, ist die Tatsache, dass sie sich nach Dingen sehnen, die sie nicht haben können. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht, ist solches Sehnen nicht ein spezielles Merkmal bestimmter Gesellschaftsschichten, sondern es ist eine Eigenschaft, die auf allen sozialen Ebenen vorherrscht. Da die Leute es jedoch in gewisser Weise erniedrigend empfinden, vermeiden sie es generell zuzugeben, dass sie eine Tendenz dazu haben, sich nach Dingen zu sehnen, die sie nicht haben können, und hängen diese Schwäche einfach den 'anderen' an.

Wie in allen anderen Dingen wurde das ideale Modell nicht von den Leuten selbst, sondern von der ignoranten Gesellschaft bestimmt. Die Eigenschaften, die erforderlich sind, um einen gewissen Grad an gesellschaftlicher Anerkennung zu erzielen, sind jedermann bekannt: eine gute Ausbildung zu haben, einige Fremdsprachen zu beherrschen, weitgereist zu sein, Stammgast in populären Bars und Restaurants zu sein, modebewusst zu sein, teure Wagen zu fahren und über eine Auswahl angesehener Kreditkarten zu verfügen. Das sind die Faktoren, die einen als jemanden von Wichtigkeit in der Gesellschaft erscheinen lassen, und all das zu genießen, ist auch die Lebensweise, nach der sich die ignoranten Menschen sehnen. (Nebenbei bemerkt ist es wohl selbstverständlich, das eine gute Bildung und die Fähigkeit einige Fremdsprachen zu sprechen, persönliche Errungenschaften sind, doch es ist ein Fehler, Fähigkeiten nur zum Angeben zur Schau zu stellen.)

Für die Mehrzahl der Leute jedoch ist das Erreichen eines gehobenen Lebensstils unvorstellbar und das ist der Punkt, wo das Sehnen nach dem Leben der anderen Leute beginnt. Diejenigen, die nicht in der Lage sind solch ein Leben zu führen, versuchen die Achtung derer zu gewinnen, die besser gestellt sind, indem sie zumindest vorgeben, wie jene zu sein.

Diejenigen, dagegen, die den Lehren des Qurans folgen, sind sich bewusst, dass all die Dinge, nach denen sich die Leute in diesem Leben sehnen, keine Dauer haben. Diese Tatsache, die von einigen Menschen erst im Jenseits begriffen werden wird, ist den Gläubigen wohl bekannt. Deshalb sehnen sich die Gläubigen nie nach einem anderen Lebensstil als dem, der vom Quran als gut dargestellt wird. Selbst wenn sie die wohlhabendsten oder weisesten Menschen auf der Welt sind, benützen sie ihre Gaben nicht dazu um Eindruck auf andere zu machen. In dem Wissen, dass Wohlstand und Macht Allahs Gaben sind, machen sie guten Nutzen von diesen Dingen und sind ihrem Schöpfer dankbar dafür. Im folgenden Vers erklärt Allah, dass die einzige Sache, die Wert in Seinen Augen hat, Gottesfurcht ist.

O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem männlichen und einem weiblichen Wesen und machten euch zu Gemeinschaften und Stämmen damit ihr euch gegenseitig erkennen mögt. Der Vortrefflichste unter euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste. Allahs Wissen ist wahrlich absolut; es ist Ihm alles bekannt. (Sure 49:13 – al-Hudschurat)

Die Gangstermentalität

Ein anderes Verhaltensmuster, das sich in der ignoranten Gesellschaft entwickelt hat, um den Anschein von Überlegenheit und Macht zu erwecken, ist der Manierismus des "Gangstertypen". Wenn hier von Gangster die Rede ist, so sind nicht Menschen gemeint, die sich ziellos auf den Straßen herumtreiben. Was hier vor allem betont werden soll, ist, wie sich die Moral des so genannten Gangstertums auf allen Ebenen der Gesellschaft widerspiegelt, denn diese Moral ist eine Geisteshaltung, die jeder Mensch annehmen kann, der keine Furcht vor Allah hat, ungeachtet dessen, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt, ob er zu den Reichsten oder zu den Ärmsten, zu den Gebildeten oder zum Pöbel gehört.

Diese Geisteshaltung kann oft im Verhalten solcher Menschen beobachtet werden, die es einfach nicht akzeptieren können, in irgendeiner Weise unterlegen zu sein, oder die immer behaupten, im Recht zu sein. Diese Menschen können es nicht hinnehmen, dass jemand anderer ihnen einen Rat gibt, oder ihnen auch nur Hilfe anbietet. Sie wollen überall immer die Hauptperson sein und müssen immer das letzte Wort haben. Um diese Stellung aufrechterhalten zu können, entwickeln sie einen Charakter, der die Geisteshaltung und das Gehabe eines Gangsters projiziert. Solch ein Mensch erweckt den Eindruck, als ob er, wenn man ihn reizt, jederzeit seine Selbstkontrolle verlieren könnte und im Stande sei, alles zu tun, was ihm in den Sinn kommt. Aus diesem Grund meiden ihn selbst seine Freunde, die diese Seite seines Charakters kennen. Einem Menschen mit dieser Gangstermentalität, kann man nicht so einfach Dinge sagen, die man einem anderen ohne weiteres sagen würde und man kann sich ihm gegenüber nicht so verhalten, wie man sich normalerweise anderen gegenüber verhält. Jedermann, ob reich und einflussreich, ob jung oder alt, scheut diesen Menschen, und das ist genau die Reaktion, die dieser Mensch bei anderen hervorrufen will. Er will, dass seine Mitmenschen ihn scheuen und es deshalb nicht wagen, in irgendeiner Weise an seinen Angelegenheiten teilzunehmen. Die Zurückhaltung gegenüber solch einer Person jedoch rührt nicht von Hochachtung oder Ehrerweisung her. Der Respekt, den die Leute diesem Menschen erweisen ist erzwungen und im Grunde genommen hegen sie Hass gegen ihn und warten nur auf eine Gelegenheit, sich rächen zu können und ihn für sein Verhalten zu bestrafen.

Wie zuvor angedeutet, gibt es natürlich auch echte Gangster, und diese Menschen sind es, die ihren Mitmenschen ernsthafte Gefühle der Angst und Beunruhigung einflößen. Der Grund, warum diese Menschen solch einen bedrohlichen Einfluss ausüben können, liegt in ihrem rücksichtslosen Verhalten, das generell "verwegen" geheißen wird, wobei diese Verwegenheit tatsächlich an Wahnsinn grenzt. Solch ein Mensch lässt andere immer fühlen, dass er vor nichts und niemandem Angst hat, und dass er alles tun kann, was er will, weil er keinerlei Gesetze und Regeln anerkennt, ob es sich dabei um grundsätzliche Menschenrechte, gesellschaftliche Verhaltensmaßregeln oder das Gesetz des Landes handelt.

Solch ein Mensch ist nicht geneigt, seinen Zorn zu unterdrücken, wenn er in Zorn gerät. Ganz im Gegenteil, da Zorn und Hass grundsätzliche Bestandteile der Gangstermoral sind, die er auslebt, bedarf er keines Grundes zornig zu sein und kann diesen Leidenschaften freien Lauf lassen, selbst wenn alles in bester Ordnung ist und er sich in einer behaglichen und unbeschwerten Atmosphäre befindet. Was tatsächlich Furcht in seiner Umgebung verbreitet, ist dieser grundlose Zorn und sein unfreundliches Verhalten. Dieses grobe Gehabe, das von den anderen Menschen als eine Warnung verstanden wird, wie etwa: »... ist irgend jemand lebensmüde?«, schüchtert sie ein und veranlasst sie, alles zu tun, um diesen Menschen zufrieden zu stellen und nicht zum Opfer seines Zorns zu werden. Dies jedoch ist eine der Auswirkungen, auf die jemand, der die Kultur des Gangstertums pflegt, abzielt, und auf diese Weise verschafft er sich das Gefühl, anderen überlegen zu sein und Macht über sie zu haben.

Jemand, der die Geisteshaltung eines Gangsters hat, scheut sich nicht, auf die Menschen, die ihn umgeben, körperliche oder seelische Gewalt auszuüben. Es ist ihm egal, ob diese Menschen seine Verwandten sind oder Fremde. Türen mit Gewalt einzubrechen, üble Drohungen und Beschimpfungen auszustoßen, hasserfüllte Blicke um sich zu werfen, überschäumende Wutausbrüche, aus vollem Hals zu schreien, andere Menschen zu beleidigen, verachten, verwünschen und verfluchen, sind Auswüchse dieser Gangstermoral. Die größte Waffe derer, die dieser Moral folgen ist Gewalt. Sie wenden sie an, um unter den Menschen Schrecken zu verbreiten. Menschen, die die Geisteshaltung eines Gangsters haben, kennen keine Grenzen in der Anwendung von Gewalt. Sie üben ziellose Gewalttätigkeit an anderen Menschen aus, wobei sie diese demütigen, um ihre eigene vermeintliche Überlegenheit zur Schau zu stellen. Aufgrund ihrer rücksichtslosen Gleichgültigkeit können sie ungerührt andere Menschen schwer verletzen oder selbst Morde begehen. Die Meisten, die sich dieser Moral verschreiben, versuchen, wenn sie mit irgend welchen Problemen konfrontiert sind, diese mit Gewalt zu lösen, anstatt darüber zu sprechen, ungeachtet dessen, ob die Personen, die daran beteiligt sind, ihre Frauen und Kinder, oder Fremde sind. In den meisten Fällen zerstören sie dabei Dinge, die dann nicht mehr ersetzt oder wieder gutgemacht werden können, weil sie unfähig sind ihre eigene Heftigkeit im Zaum zu halten.

Allah dagegen hat im Quran Gerechtigkeit geboten und jede Art der Grausamkeit und des Despotismus verdammt und verboten.

Doch solche Leute erreichen, sich mit diesem Verhalten, sowohl in Worten, als auch durch ihre Handlungen, in ihrer Umgebung einen ignoranten, erzwungenen Respekt zu verschaffen, der außer der "Angst" gewiss keinerlei Bedeutung hat. Das einzige, was diese Personen jedoch tatsächlich interessiert, ist, uneingeschränkte Macht innerhalb ihres Einflussbereichs zu genießen.

Sicherlich gebietet Allah Gerechtigkeit und vorzügliches Handeln, und Nahestehenden zu geben (was ihnen gebührt), und Er verbietet Sittenlosigkeit und verpönte Handlungen und Unrecht. Er ermahnt euch, um euch zum Nachsinnen anzuregen. (Sure 16:90 – an-Nahl)

Und wieviele Zivilisationen hatten Wir vor ihnen vertilgt, die mächtiger waren als sie und sie hatten sich fest im Lande eingerichtet. Gab es da eine Zuflucht? (Sure 50:36 – Qaf)

...Und so verschließt Allah die Herzen aller arroganten Unterdrücker. (Sure 40:35 – Ghafir)

Und höre auf keinen verächtlichen Schwüremacher, der Verleumdung und üble Nachrede verbreitet, der Gutes vereitelt, Unrecht billigt und sich in Sünde ergeht, der ein Rohling ist und obendrein von niedrigem Stand... (Sure 68:10-13 – al-Qalam)

Ein weiterer Aspekt, der hier beachtet werden sollte, ist, dass jeder Mensch, der keine Gottesfurcht hat, sei es Mann oder Frau, anfällig für dieses Verhaltensmuster ist. In der ignoranten Gesellschaft assoziiert man normalerweise Männer mit dem Begriff »Gangster«, doch es gibt auch Frauen, die auf ihre Weise diese Moral ausleben, soweit sie dazu Gelegenheit haben, obwohl es nicht so offenkundig sein mag. In höheren Gesellschaftskreisen, z.B. begegnet man Frauen, die aufgrund ihres Wohlstands und ihrer gesellschaftlichen Stellung glauben, sich leisten zu können, andere Menschen, die mit ihnen zu tun haben, verachten zu können, und zudem fordern sie, dass jene ihnen Hochachtung erweisen. Falls die anderen ihren Machtgelüsten nicht nachkommen, rächen sie sich und bestrafen diese Menschen mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise verlieren sie alle Skrupel und Zurückhaltung und genieren sich nicht, öffentlich Szenen zu machen, andere zu kompromittieren oder grob anzufahren und ihrer Verachtung für jene, unverhohlen Ausdruck zu geben.

In den niederen sozialen Schichten sieht die Situation entsprechend anders aus. Hier mag eine Frau in einem Gangstermilieu aufgewachsen sein, oder darin leben, da vielleicht ihr Vater, ihr Gatte, oder ihre Söhne selbst dem Gangsteretablissement angehören, und eine Frau, die ihr Leben in solch einer Umgebung führt, assimiliert unweigerlich auch selbst alle Eigenschaften des Gangstertums. Brüllend auf den Straßen mit anderen zu streiten, Drohungen, Beleidigungen und Verwünschungen auszustoßen und sich mit den anderen Frauen oder Jungen der Umgebung in die Haare zu geraten sind ganz gewöhnliche Ereignisse in ihrem Alltag. Auf diese Weise versucht sie, ihrer Umgebung kundzutun, dass sie eine streitlustige Person ist und dass man sich besser vor ihr in Acht nehme.

In der ignoranten Gesellschaft findet auch ein ständiger "Wettstreit um Vorrang" unter denen statt, die dem Gangsteridol huldigen. Es gibt Richtlinien und Voraussetzungen, denen man folgen, bzw. die man erfüllen muss, um den Gangstertypen zu verkörpern. Einer der wichtigsten Faktoren, die einen Gangster ausmachen, ist sein Verhalten. Sein sprachlicher Ausdruck, sein Gang, sein Gestikulieren, sein Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung haben einen gewissen Stil. Dazu gehören kalte Blicke, die an Emotionen höchstens Hass, Zorn oder Verachtung erkennen lassen, wortlose Kommunikation durch Blicke und Mimik, und falls Sprache benützt wird, Verwendung spezieller Redewendungen und Ausdrücke und Anwendung eines klischeehaften Gangsterjargons. Ohne die geringsten Bedenken in Wort und Tat zu übertreiben und in Extreme zu gehen, sind die grundlegenden Merkmale des Gangstertums. Eine Vorstrafe zu haben, ist eine unablässige Auszeichnung die ihn einen gewissen Rang einräumt. Alle Arten der Gewalttätigkeit, wie Mord, Körperverletzung und asoziales Benehmen, wie Streit, Trunkenheit und Randalieren – sind annehmbare Beiträge, durch welche sich die Teilnehmer in diesem abscheulichen Konkurrenzkampf um die Spitzenpositionen im Gangstertum messen. Wer diese Eigenschaften am besten verkörpert, wird in der ignoranten Gesellschaft als ein echter Gangster angesehen, und die anderen erweisen diesem Menschen einen entarteten Respekt.

Gemäß der moralischen Lehren, die Allah uns im Quran darlegt, sind es diese Leute, »die sich auf der Erde mit unberechtigter Arroganz gebärden«. Sie können nicht begreifen, dass alle Macht Allahs Eigentum ist, und dass sie ohne Allahs Erlaubnis nicht soviel, wie auch nur einen Finger rühren können. Sie denken nie daran, dass sie völlig von Allah abhängig sind. Aus diesem Grund können sie Recht und Unrecht nicht unterscheiden. Sie führen ein umachtetes Leben, wobei sie das Jenseits völlig außer Acht lassen, ein Leben das den Schönheiten der Religion gänzlich beraubt ist – statt des rechten Wegs nehmen sie den Weg des Irrtums:

Ich werde diejenigen von Meinen Zeichen abwenden, die sich auf der Erde mit unberechtigter Arroganz gebärden; und auch wenn sie alle Zeichen sehen, so glauben sie nicht daran; und wenn sie den Weg der Rechtschaffenheit sehen, so wählen sie ihn nicht als ihren Weg; sehen sie aber den Weg des Verderbens, so nehmen sie ihn als Weg an. Dem ist so, weil sie Unsere Zeichen verleugneten und sie missachteten. (Sure 7:146 – Al-A'raf)

... in ihren Herzen ist gewiss nichts als Arroganz... (Sure 40:56 – Ghafir)

Aufgrund dieser Wahl leben sie schon in diesem Leben in einer, fast der Hölle vergleichbaren Umgebung. Indem sie ihr Leben auf diese Weise führen, tun sie sich selbst Unrecht, doch diese Realität können sie nicht erkennen.

Menschen, die nach den moralischen Grundsätzen des Qurans leben, sind weit entfernt von der Finsternis und Öde welche das Dasein jener Leute prägen. Da die Gläubigen sich stets ihrer Schwäche gegenüber Allah bewusst sind, sind sie nicht hochmütig. Sie benehmen sich immer gemäßigt und aus diesem Grund fühlen sich ihre Mitmenschen in ihrer Gegenwart wohl und unbefangen. Außerdem wissen sie, dass man sich Ansehen und Achtung nicht mit ignorantem Verhalten oder Gewalttätigkeit erwerben kann, sondern durch Gottesfurcht und Verwirklichung der quranischen Moral aneignet. Sie hegen keine egozentrischen Eigendünkel und Zwangsvorstellungen bezüglich ihrer eigenen Wichtigkeit in jeder Situation. Wie Allah in Seinem Wort gebietet, folgen sie immer dem, was recht ist; Allah gebietet den Gläubigen Toleranz und Gerechtigkeit:

Sicherlich entsandten, Wir Unsere Gesandten mit unleugbaren Beweisen und offenbarten ihnen das Buch und das Gleichgewicht (der kosmischen Ordnung) damit die Menschen ihr Leben in Gerechtigkeit führen mögen... (Sure 57:25 – al-Hadid)

Wir wissen sehr wohl, was sie sagen und du kannst sie nicht (zum Glauben) zwingen. So ermahne diejenigen mit dem Quran, die Meine Verheißung fürchten. (Sure 50:45 – Qaf)

Allah gebietet euch gewiss, dass ihr Dinge, die euch zur Obhut anvertraut wurden an ihre Besitzer zurückgebet, und dass ihr, wenn ihr zwischen den Menschen richtet, gerecht richtet. Gewiss erweist euch Allah eine Gunst in dem, wozu Er euch auffordert – und Allah vernimmt alles, sieht alles. (Sure 4:58 – an-Nisa)

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