| TEIL EINS
Weitgehend unbekannt: Die Kooperation zwischen Nationalsozialisten
und radikalen Zionisten
Zu Beginn des Jahres 1935 legte ein Passagierschiff aus Bremerhafen ab,
um die palästinensische Hafenstadt Haifa anzulaufen. Am Bug des Schiffes
stand in hebräischen Buchstaben der Name des Schiffes: Tel Aviv.
Die Flagge jedoch, die am Mast des Schiffes flatterte, war die Flagge
der Nationalsozialisten mit dem Hakenkreuz in der Mitte. Ähnliche
Paradox verhielt es sich mit den Eigentümern des Schiffes und deren
Betreibern. Der Eigentümer der „Tel Aviv“ war ein deutscher
Jude, eine einflußreiche Persönlichkeit der zionistischen Bewegung
in Deutschland, doch der Betreiber des Schiffes war Mitglied der NSDAP
(Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei).
Einer der Reisenden auf dem Schiff bezeichnete zehn Jahre später
die Lage, in der sich die „Tel Aviv“ befand als einen „metaphysischen
Widerspruch“. Doch die Zusammenarbeit der Nazis und der radikalen
Zionisten stand in keinerlei Widerspruch. Denn dieses Schiff ist nur ein
kleines Beispiel einer Tatsache, die uns von der offiziellen Geschichtsschreibung
sorgfältig verheimlicht wurde. Welche Logik aber stand hinter dieser
Allianz, die auf den ersten Blick so schwer verständlich scheint?
Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man weit in der Geschichte
zurückgehen.
Von der Diaspora zum Zionismus
Die Juden, eines der ältesten Völker der Geschichte, lebten
bis zum Jahr 70 nach Christus in Palästina. 70 eroberte das römische
Heer Palästina und Jerusalem, zerstörte den Tempel Salomons,
eines der wichtigsten Symbole der Nation, und vertrieb die meisten Juden
aus dem Land. Mit diesem Datum begann für die Juden die jahrhundertelang
dauernde Zeit der Diaspora. Sie verteilten sich auf die unterschiedlichsten
Weltregionen. Viele Juden ließen sich in Europa nieder, vor allem
in Spanien und Osteuropa. Auffallend hierbei ist, dass sich die Juden
in diesen Ländern niemals assimilierten.
Dafür gibt es zwei Gründe. Der eine ist, dass sich die Juden
aufgrund ihres Glaubens, der sich auf das entstellte Alte Testament basiert,
als “erwähltes Volk” verstanden und sich anderen Völkern
überlegen fühlten. In diesem Bewusstsein betrachteten manche
Juden die Vermischung mit “minderen” Rassen und die mögliche
Assimilation als inakzeptale Unterwerfung. Ein zweiter, äußerst
wichtiger Grund für die Nichtassimilation war die Einstellung der
anderen Nationen zu den Juden. Vor allem die Europäer mochten die
Juden nicht. Die Christen empfanden während des gesamten Mittelalters
eine ernsthafte Antipathie gegenüber den Juden. Die katholische europäische
Ordnung mochte die Juden nicht und die Juden mochten die katholische europäische
Ordnung nicht.
Diese Situation liess die Juden eine prekäre gesellschaftliche Position
einnehmen. Sie waren mit der Ordnung unzufrieden, und sie hatten die Macht,
diese Ordnung zu verändern. Diese Macht ergab sich aus Kapitalbesitz,
und die Quelle dieses Kapitals war der Geldverleih, der Beruf Nummer eins
für die meisten europäischen Juden im Mittelalter und der Neuzeit.
Die Kirche hatte ihren Gläubigen den Geldverleih verboten, da ihrem
Glauben zufolge die Vergabe eines Darlehens auf Zinsbasis verboten war.
Der jüdische Glaube kennt dieses Verbot nicht. Von diesem Punkt ausgehend
identifizierten sich die europäischen Juden während des gesamten
Mittelalters mit dem Geldverleih. Dank dieses vom Vater auf den Sohn übergehenden
Berufes häuften sie so große Vermögen an, dass jüdische
Geldverleiher am Ende des Mittelalters dem Adel einschliesslich der Königshäuser
Darlehen gewähren konnten.
Diese wirtschaftliche Macht verwendeten manche Juden, um die in Europa
errichtete Ordnung zu zerstören. Sie unterstützten antikirchliche
Bewegungen, die am Ende des Mittelalters mit der protestantischen Reformation
aufkamen. Geistliche wie Jan Huss, Martin Luther, John Calvin und Ulrich
Zwingli, die der katholischen Kirche entgegengesetzte Theologien entwickelten
und mit Juden in gutem Verhältnis standen, wurden denn auch von der
katholischen Kirche als “Halbjuden” oder “heimliche
Juden” bezeichnet.
Die protestantische Reformation verringerte die Macht der katholischen
Kirche und sicherte den Juden vor allem in den nordeuropäischen Ländern
eine Reihe von Rechten und Ausnahmeregelungen. Doch für den Teil
der Juden, der sich selbst als “auserwähltes Volk” verstand
und sich anderen Völkern überlegen glaubte, war dies nicht genug.
Diese Juden besaßen wirtschaftliche Macht, jedoch nicht den politischen
Einfluß, den sich Kirche, Könige und die Aristokratie teilten.
Die Juden wurden ein wichtiger Bestandteil des Bürgertums, einer
neuen sozialen Klasse ausserhalb des Adels und des Klerus. So wurden im
18. und 19. Jahrhundert einige jüdische Banker zur wichtigsten wirtschaftlichen
Kraft in Europa. Vor allem die Wirtschaftskraft der Rothschilds erreichte
im 19. Jahrhundert märchenhafte Ausmaße. Die Rothschilds wurden
auch die wirtschaftlichen Herrscher Europas genannt.
Bekanntlich gelangte das Bürgertum, in dem nun auch die Juden einen
wichtigen Platz einnahmen, mit der französischen Revolution, den
darauffolgenden Reformen und Umstürzen zu Macht. Die an der Spitze
der Aufklärung stehenden Denker, die die Basis der französischen
Revolution darstellten, waren nicht nur dagegen, dass die Religion ihre
alte Rolle in der Gesellschaft wieder übernahm, sondern sie verteidigten
die Demokratie. Diese Entwicklungen sicherten den Juden völlig gleiche
Rechte wie den Christen zu. In der auf die französische Revolution
folgenden Zeit erhielten die Juden schließlich überall in Europa
die gleichen Rechte wie die Christen, da die Mehrzahl der Länder
Europas die rechtlichten und gesellschaftlichen Beschränkungen für
Juden aufhoben. Schliesslich konnten die Juden auch in der Staatshierarchie
aufsteigen und die Hand nach der politischen Macht ausstrecken, was dann
auch geschah. Zum ersten Mal wurde in England ein Jude, der Bankier Rothschild,
Mitglied der Lordkammer. Kurze Zeit später saß dann ein anderer
Jude, Benjamin Disraeli, auf dem Stuhl des englischen Premierministers.
So wie die Auswirkungen auf die christliche Gesellschaft verschwanden,
so schmolzen auch die seit altersher in den europäischen Gesellschaften
vorhandenen Vorurteile und Antipathien gegenüber den Juden dahin.
In den Ländern Nordeuropas, vor allem jedoch in England, entwickelte
sich anstelle der traditionellen jüdischen Antiphatie eine Strömung,
die den Juden mit Sympatie entgegentrat und deren Rechte verteidigte.
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Mit der im Mittelalter beginnenden protestantischen
Reform gewannen gegen die Kirche gerichtete Bewegungen an Macht.
Luther(Links) und Calvin (Rechts) waren die Köpfe der
Geistlichen, die die Vorläufer dieser Reformbewegung waren.
Eine der interessanten Besonderheiten der reformistischen Geistlichen
war ihre enge Beziehung zu einigen Juden.
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An der Spitze dieser Rechte stand das Projekt der Rückkehr nach
Palästina, die seit Jahrhunderten der größte Traum der
Juden war. So haben die Juden, nachdem sie im Jahre 70 von den Römern
aus Palästina vertrieben wurden, niemals die gefühlsmäßige
Beziehung zu ihrer Heimat verloren. Während all der Jahrhunderte,
die sie in Europa lebten, lebten sie auf fremden Boden und dachten daran,
eines Tages in ihr Heimatland zurückzukehren. Bei den Gottesdiensten
zum Jahreswechsel wünschte man sich stets “Nächstes Jahr
in Jerusalem”. Da sie sich zum Großteil als erwähltes
Volk verstanden, waren sie der Ansicht, dass sie im Lande Kanaan leben
müssen, welches Gott angeblich für die Juden ausgewählt
hatte, das heißt also, in Palästina und Umgebung.
Nun sind die geistige Bindung der Juden zu dem Boden ihrer Vorväter
und der daraus entstehende Wunsch, auf diesem Boden zu leben, völlig
legitim. Falsch ist, zugunsten dieses Wunsches die seit Jahrhunderten
auf diesem Boden sesshaften Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, ihnen
gegenüber Zwang und Gewalt anzuwenden und sie zu foltern. Der palästinensiche
Boden ist groß genug, dass Muslime und Juden gleichzeitig dort leben
können. Auch während der 400 Jahre dauernden osmanischen Herrschaft
lebten Muslime, Juden und Christen gemeinsam in Ruhe und Sicherheit und
verrichteten ihre Gebete nach Wunsch. Diese Ruhe und Sicherheit wurden
von Ideologien zerstört, die nicht mit der religiösen Moral
übereinstimmen und die ihre Wirkung erst später in der Region
entfalteten. Beginnt man erneut, nach der Moral der wahren Religion zu
leben, dann wird es möglich sein, den seit mehr als einem halben
Jahrhundert erwarteten Frieden dauerhaft neu zu erreichen.
Der politische Zionismus
Die Juden waren stets der Überzeugung, dass ihre Rückkehr
nach Palästina dank eines Retters möglich sei, dem sie den Namen
Messias gaben. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts legten zwei Oberrabiner
dieses Thema ganz anders aus. Beide, Judah Alkalay und Zevi Hirsch Kalisher
erkannten, dass die Juden politische Macht erreicht hatten und dass Europa
bereit war, den Juden zu helfen; sie führten an, dass es nicht erforderlich
sei, auf den Messias zu warten. Ihnen zufolge konnten die Juden unter
Benutzung ihrer eigenenen wirtschaftlichen und politischen Macht und durch
die Unterstützung der großen europäischen Staaten nach
Palästina zurückkehren. Diese Bewegung sei die erste Phase der
Rückkehr des Messias.
Die Einstellung beider Rabbiner blieb nach einiger Zeit nicht ohne Auswirkung
auf nichtreligiöse, jedoch aufgrund ihres Rassenbewußtseins
sich selbst als Juden fühlenden jungen Nationalisten. Der Einflussreichste
von ihnen war ein österreichischer Journalist mit Namen Theodor Herzl.
Herzl verwandelte den Vorschlag der beiden Rabbiner in eine politische
Bewegung und gründete die zionistische Bewegung. Der Zionismus, dessen
Name von dem heiligen Berg Zion in Jerusalem entlehnt wurde, zielte am
Ende eines langen Programms darauf ab, alle Juden dieser Welt nach Palästina
zurückkehren zu lassen. Herzl berief im Jahr 1898 den 1. zionistischen
Kongress in Basel, in der Schweiz ein. Hier wurde auch die Zionistische
Weltorganisation gegründet. Diese Vereinigung sollte bis zur Gründung
Israels die zionistische Bewegung mit Geduld und Ausdauer leiten.

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Die nach dem englischen
Außenminister dieser Zeit, James Arthur Balfour, genannte
“Balfour Deklaration” stellte mit ihrer Unterstützung
des Zionismus die Basis für die Gründung eines jüdischen
Staates im Nahen Osten dar.
Oben links ist Arthur Balfour und die verkündete Deklaration
zu sehen.
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Der Zionismus entwickelte sich unter dem Einfluß der nationalistischen
Bewegungen dieser Zeit. Doch die Maßnahmen, auf die manche Zionisten
zurückgriffen, um die festgelegten Ziele zu erreichen, enthielten
Wesenszüge, die von niemandem, der über ein Gewissen verfügt,
akzeptiert werden können, und sie wurde daher sogar von zahlreichen
Zionisten abgelehnt.
Die Vereinigung hatte zwei große Ziele, nämlich Palästina
für die jüdische Besiedlung geeignet zu machen und die Juden
der Diaspora, also vor allem die Juden Europas, dorthin umzusiedeln. Dem
ersten Ziel kam man im Jahr 1917 einen großen Schritt näher.
Die englische Regierung teilte mit der Veröffentlichung der berühmten
„Balfour Declaration“ mit, dass sie in dem Palästina,
das sie im Ersten Weltkrieg den Osmanen abgenommen hatte, die Errichtung
eines “Judenstaates” unterstützen werde. Dies war ein
großer Erfolg für die Zionisten. England, die größte
militärische und politische Macht der Erde, hatte offen seine Unterstützung
erklärt. Die Deklaration zeigte all denen, die den Zionismus für
ein Phantasiegebilde gahalten hatten – unter diesen befanden sich
auch zahlreiche Juden – wie stark diese Bewegung nun geworden war.
Doch der gleiche Erfolg stellte sich nicht für das zweite Ziel
der Zionisten ein, die Juden der Diaspora nach Palästina zu bringen.
So entstand ein großes Problem für die Zionisten. Denn trotz
aller Aufrufe der Zionistischen Weltorganisation kehrten die Juden der
Diaspora dem Auswanderungsprogramm den Rücken zu, insbesondere die
europäischen Juden, denen die Zionisten besonders viel Bedeutung
beigemessen hatten.
Der Grund hierfür lag nicht in einem einfachen Desinteresse und
deshalb war die Lösung auch nicht einfach.
Das Assimililationsproblem des Zionismus
Der Grund, weshalb die europäischen Juden dem zionistischen Aufruf
zur Auswanderung nicht folgten, lag in der Phase der Assimilierung, in
der sie sich seit ungefähr einem Jahrhundert befanden.
Die Assimilierung entstand dadurch, dass die Juden gleiche Rechte wie
die Christen bekamen. Die Anführer der Juden waren der Überzeugung,
dass mit der politischen Macht der Juden der Verwirklichung der Auswanderung
nach Palästina nichts mehr im Wege stand. Aus diesem Grund bemühten
sie sich stets um die Zerstörung der Ordnung des katholischen Europas
und sie spielten eine wichtige Rolle beim Sturz der traditionellen kirchlich-monarchischen
Ordnung und deren Ersatz durch eine bürgerliche Ordnung.
Auf dem Bild ist der erste Ministerpräsident
Israels, David Ben Gurion, bei der Verkündung der Unabhängigkeit
Israels am 14. Mai 1948 zu sehen.
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Doch das hatte eine Auswirkung, die sie nicht in die Rechnung einbezogen
hatten. Denn damit, dass in den europäischen Gesellschaften manche
Beschränkungen für die Juden aufgehoben wurden, verschwand auch
einer der grundlegenden Faktoren, der die Juden jahrhundertelang zu einer
geschlossenen und nichtassimilierten Gesellschaft gemachte hatte. Nun
begannen die Juden, sich zu assimilieren, sie verschmolzen mit den Gesellschaften
Europas, in denen sie lebten. Als die Juden mit den Christen gleichberechtigt
wurden, verschwand das Bewusstsein ihres Judentums. Am Ende des 19. Jahrhunderts
war ein bedeutender Teil der Juden in den westlichen Ländern assimiliert.
Sie begannen sich nicht mehr als ein Volk getrennt von den Engländern,
Deutschen oder Franzosen zu sehen, sondern verstanden sich als Engländer,
Deutsche oder Franzosen jüdischen Glaubens.
Doch manche Zionisten dachten ganz anders. Nach deren Meinung war das
Judentum nicht eine Sache des Glaubens, sondern der Rasse. Die Juden gehörten
einer Rasse an, die sich von den europäischen Rassen völlig
unterschied, nämlich der semitischen Rasse, und deswegen war deren
Assimilierung unter den Europäern nicht akzeptabel. In deren Augen
war der Begriff “jüdischer Deutscher” oder “jüdischer
Franzose” reine Spiegelfechterei. Die Juden, ob mosaischen Glaubens
oder Atheisten - die Anzahl der Atheisten war in manchen zionistischen
Gruppierungen sehr hoch - waren Menschen, die sich von den Europäern
oder irgendeiner anderen Rasse durch klare Grenzen absonderte. Deshalb
war das Leben der Juden inmitten anderer Rassen für Zionisten eine
nicht hinnehmbare Situation. Die Zionisten brauchten unbedingt einen Staat,
und der Ort dieses Staates musste Palästina sein, das ursprüngliche
Heimatland der Nation.
Die assimilierten Juden waren in den Augen der Zionisten Kranke, die
der Behandlung bedurften. Die Behandlung der Juden, die trunken waren
vom Segen der Modernität und die glaubten, sie selbst seien wie die
anderen Menschen in den Gesellschaften Europas, musste so bald wie möglich
geschehen. Ansonsten war der Traum vom jüdischen Staat dazu verurteilt,
ein Traum zu bleiben.
Doch welche Behandlung schien
angebracht? Innerhalb kurzer Zeit zeigte sich, dass dies keine leichte
Aufgabe war. Denn die die Assimilierung verteidigenden Juden begannen
im deutlicher auf die ständigen Wiederholungen der rassistischen
Zionisten zu antworten. Ein großer Teil der Vereinigungen der assimilationswilligen
Juden gab Erklärungen ab, die den Standpunkt der Zionisten energisch
zurückwiesen. Die Gegner der Zionisten waren der Auffassung, dass
sie lediglich eine religiöse Vereinigung seien, ansonsten aber treue
Staatsbürger der Länder in denen sie lebten und keinerlei Absicht
hegten, in die Wüsten Palästinas zurückzukehren. Als Theodor
Herzl sich in die zionistische Kampagne Europas einschaltete, versammelte
sich gerade eine Konferenz in Pittsburg in den USA und nahm eine Erklärung
mit dem Titel “Die acht Prinzipien des reformierten Judentums”
entgegen. Die assimilationiswilligen amerikanischen Juden verkündeten
in der Erklärung folgendes:
Wie sehen uns
selbst nicht als eine Nation sondern als eine religiöse Gemeinschaft...
Aus diesem Grund unterstützen wir weder die Rückkehr nach Jerusalem,
noch die Neuorganisation der Religion von Aarons Kindern noch die Gründung
eines jüdischen Staates...7
Nach diesen und ähnlichen Rückschlägen verstanden die
radikalen Zionisten schnell, dass sie ihre assimilationswilligen Glaubensbrüder
nicht mit Worten würden überzeugen können. Doch wie konnten
sie beweisen, dass die Juden sich von anderen Rassen unterschieden und
dass sie in der europäischen Gesellschaft eigentlich fremd waren?
Vor der Modernität empfanden die Europäer eine Antipathie den
Juden gegenüber, und die Juden besannen sich aufgrund der gegen sie
verhängten Beschränkungen auf ihre Identität. Beide, die
europäischen Nationen und die Juden waren gegen die Assimilierung.
Doch nun war es unmöglich, den Juden gegenüber eine Antipathie
zu empfinden und ihnen Beschränkungen aufzuerlegen. In dieser Situation
konnte man sich eine Ideologie zu Nutzen machen, die die Assimilierung
zum Stillstand bringen würde.
Der Rassismus des 19. Jahrhunderts und der moderne Antisemitismus
An diesem Punkt entdeckten die Zionisten etwas entscheidendes: In Europa
entwickelte sich eine Ideologie, die sich der Assimilierung der Juden
auf das Heftigste widersetzte. Es war der moderne Rassismus, der seine
Kraft aus der Darwinschen Evolutionstheorie bezog. Im 19. Jahrhundert
wurde der Rassismus in Europa zu einer Pseudowissenschaft. Man maß
der Abstammung der Menschen größte Bedeutung bei und glaubte,
dass das Hauptmerkmal des Menschen seine Rasse sei. Die größte
Gefahr die einer Rasse drohen konnte, war demnach die Vermischung mit
anderen Rassen und der Verlust ihrer “Reinheit”.
In der Zwischenzeit entwickelten zahlreiche Rassisten, vor allem
in Deutschland, eine Reihe von antisemitischen Ideen. Diese Leute, die
voneinem Unterschied zwischen „arischer“ und „semitischer“
Rasse sprachen, behaupteten, dass die Juden die “Reinheit”
der „arischen“ Rasse verdorben hätten. Ihnen zufolge
mussten die Juden isoliert und der weiteren Vermischung mit ihrer eigenen
Rasse vorgebeugt werden. Diese Judenfeindschaft, die Kraft aus dem Gedanken
der Isolierung der Juden schöpfte, nannte man „modernen Antisemitismus“.
Das Neue an dieser Spielart des Antisemitismus war, dass im Gegensatz
zum Mittelalter die Antipathie gegenüber Juden nicht aus deren Religion,
sondern aus deren Rasse resultierte. Antisemitismus erreichte seinen Höchstpunkt
mit der berüchtigten Affäre Dreyfuss.
Es waren nicht nur die europäischen Rassisten, die gegen Assimilierung
der Juden waren. Es gab eine zweite Gruppe, die von deren Assimilierung
beunruhigt wurde: die Zionisten, die die Juden nicht als Angehörige
einer Religion, sondern als Nation betrachteten.
Die eine Seite wollte nicht, dass sich die Juden mit der „arischen
Rasse“ vermischten. Die andere Seite war besorgt,die „jüdische
Rasse“ von den anderen Rassen getrennt zu halten und die jüdische
Identität zu schützen.
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Die Affäre
Dreyfuss, die sich am Ende der 1800er Jahre ereignete, stellt
ein bedeutendes Beispiel für den erstarkenden Antisemitismus
in Europa dar. Der französische Offizier Alfred Dreyfuss
war der Spionage beschuldigt worden und des Übermittlens
von Informationen an den deutschen Militärattachee; er wurde
verurteilt weil er Jude war und obwohl viele Beweise für
ihn sprachen. |
Wir sehen, dass beide Seiten praktisch dasselbe wollten. Warum also
sollten sie nicht kooperieren?
Die erste deutliche Antwort auf diese Frage kam von Theodor Herzl, dem
Begründer des Zionismus.
Herzls antisemitische Karte
Die Tatsache, dass die meisten Juden in eine nicht mehr rückgängig
zu machende Phase der Assimilierung eingetreten waren und deshalb dem
beharrlichen Rufen des Zionismus wenig Beachtung schenkten, veranlasste
manche Zionisten zur Zusammenarbeit mit den Antisemiten. Der erste, der
diesen Entschluss in die Tat umsetzte, war Theodor Herzl, denn er hatte
sehr richtig bemerkt, dass der Zionismus der Judenfeindlichkeit bedarf,
um die Juden zur Auswanderung nach Israel zu zwingen. Aus diesem Grund
musste der Plan zur Erzwingung der Auswanderung von dieser Basis ausgehen.
In der Zwischenzeit begann die parallel zum Rassismus aufkommende Judenfeindlichkeit
die Hoffnungen der meisten Juden zu zerstören, dass sie in Zukunft
in Europa weiterhin ohne Beschränkungen leben können würden.
Theodor Herzl bearbeitete dieses Thema mit großer Beharrlichkeit
und verkündete, dass der Antisemitismus eine Krankheit sei, deren
erfolgreiche Behandlung noch nicht gefunden wurde und dass die entgültige
Rettung für die Juden die Gründung eines Staates in Palästina
sei. Die These von Herzl, dass Juden und Nichtjuden niemals dauerhaft
in Harmonie leben würden, wies große Parallelen mit der These
der Judenfeinde auf.
Durch Herzls Hinweis auf die weitgehende Ähnlichkeit seiner These
mit derjenigen der europäischen antisemitischen Rassisten drückte
er aus: “Der Antisemitismus wird ein wunderbarer
Helfer für unsere Wünsche sein.”
Herzl sagte “Alle Antisemiten
sind unseren engen Freunde”. Auf diese Weise würde die
Auswanderung erleichtert werden. Am 9. Juni 1895 notierte Herzl in seinem
Tagebuch folgendes: “Damit die Juden ihre Länder verlassen,
werde ich erst mit dem Zar sprechen, dann mit dem deutschen Kaiser, dannach
mit den Österreichern und wegen der Juden in Marokko schließlich
mit den Franzosen.”8

Ein in Jerusalem ausgestelltes Foto der Juden, die 1903 in Kichinev
ermordet wurden. |
Doch Herzl beschränkte sich nicht nur auf diplomatische Kontakte,
um die Juden zur Auswanderung zu bewegen. Der französische Denker
Roger Garaudy sagt in seinem Buch Das Zionismusdossier folgendes über
Herzls Politik:
Nach Herzl müssen
die Juden sich von den anderen Nationen trennen, um anstelle einer eigenen
Religion und einer eigenen Kultur einen eigenen Staat zu errichten. Um
dieses Ziel zu erreichen, scheute sich Herzl nicht, einem jedem gegenüber
die übertriebensten Worte zu verwenden um die Gefahr auszuführen,
die die Juden bildeten und darzustellen, dass sie so bald wie möglich
gehen sollten. Herzl verwendete gegenüber dem deutschen Außenminister
von Bülow, Guillaume II., dem russischen Innenminister Plehve, Zar
Nikolaus II. und den Judenfeinden der vordersten Front stets die gleiche
Sprache. Der despotischste von allen war Plehve, der Verantwortliche für
das Massaker von Kichinev vom April 1903, das eines der schrecklichsten
Gemetzel an den Juden darstellte. Herzl schrieb Plehve im Mai einen Brief,
in dem er anführte, dass der Zionismus ein Gegenmittel sei, um der
Revolution vorzubeugen. Plehve antwortete im August und wollte von Herzl
einen Brief, dass dieser die zionistische Bewegung unterstütze. Plehve
erhielt diesen Brief. In dem Brief wurde versprochen, dass eine zionistische
Strömung unterstützt würde, um die Auswanderung der Juden
sicherzustellen.9
Herzl versprach Plehve, wenn dieser behilflich sei, die Juden nach Israel
zu schicken, würde er, Herzl, die Juden, die zu dieser Zeit eine
große Rolle in dem bolschewistischen Aufstand gegen den Zaren spielten,
überzeugen auszuwandern, damit der bolschewistische Aufstand unterdrückt
werden könne. Der Plan der Zusammenarbeit mit den Antisemiten, den
Herzl in die Tat umsetzte, wurde von nun an zur Standardprozedur mancher
jüdischer Anführer. Herzl wurde so zum lebhaftesten Befürworter
der antisemitischen Bewegung. Der französische Autor Roger Garaudy
schrieb folgendermaßen:
Bevor Herzl 1895 sein Buch veröffentlichte, sagte
ihm einer seiner Kritiker ins Gesicht: ‘Sie haben den Juden einen
fürchterlichen Schaden zugefügt.’ Herzl scheute sich nicht,
folgendes zu antworten: „Ich verdiene das Recht der größte
der Judenfeinde zu sein... Die Judenfeinde werden unsere zuvordersten
Freunde sein... Die judenfeindlichen Länder werden unter unseren
nächsten Alliierten sein...“
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Oben links sind Stalin und Trotzki abgebildet, die Anführer
der bolschewikischen Revolution bei einer Ansprache an das Volk
auf dem Roten Platz. Oben rechts ein Propagandaplakat aus der
Zeit der Revolution.
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Theodor Herzl wußte sehr gut, dass der politische Zionismus des
Begriffs der Judenfeindlichkeit bedurfte, um die Juden zu überzeugen,
nach Israel auszuwandern. Im folgenden werden wir sehen, dass dieser Gedanke
Herzls für einige Befürworter des politischen Zionismus bis
heute die unveränderliche Grundlage ist.
Dieses Vorgehen ließ Behauptungen über Folterungen an Kraft
gewinnen, die das Ziel hatten, der Judenfeindlichkeit die Nahrung zu bieten,
derer sie am meisten bedurfte, und so die Auswanderung der Juden zu beschleunigen.
Hierin lag das Geheimnis der Bemühungen Herzls, der auf der einen
Seite die Zunahme der Judenfeindlichkeit fürchtete, auf der anderen
Seite jedoch diese in Bewegung zu bringen versuchte. Auch die Herzl zukommenden
Warnungen gingen weiter. Der österreichische Parlamentspräsident
Baron Johann von Chlumetzky schrieb Herzl folgendes:
Wenn es die Bestrebung ihrer Neigungen
und ihrer Propaganda ist, die Judenfeindlichkeit anzufachen, dann werden
Sie hierbei erfolgreich sein. Ich bin vollkommen davon überzeugt,
dass als Ergebnis einer solchen Propaganda die Judenfeindlichkeit wie
eine Lawine anschwellen wird, und sie ihre Rasse in ein Massaker verwickeln
werden.10

Theodor Herzl, der Gründer des Zionismus führte an,
dass es nur mit Hilfe des Erstarkens des Antisemitismus möglich
ist, die Juden vor der Assimilation zu retten und sie zur Auswanderung
nach Israel zu überzeugen. |
Herzl und einige andere Zionisten befanden sich also mit den antisemitischen
Rassisten auf einem gemeinsamen Nenner. Denn die Zionisten waren der Überzeugung,
dass das Verbringen aller Juden nach Palästina die einzige Lösung
sei, die gleichzeitig auch für die Rassisten tragbar sein würde,
die ihre Rassen vor der Vermischung mit den Juden retten und sie in “reiner”
Form bewahren wollten. So beglückwünschte der Antisemit Theodor
Fritsch, Herausgeber des bekannten judenfeindlichen Organs Antisemitische
Correspondenz, welches später Deutsch-Soziale Blätter
hieß, die Einberufung des 1. Zionistischen Weltkongresses und sandte
“die besten Wünsche zur Ausführung des Plans der Juden,
innerhalb kürzester Zeit Deutschland zu verlassen und sich in Palästina
niederzulassen.”
Theodor Herzl, der der Ansicht war, dass das mangelnde Wohlbefinden
der Juden in den Ländern, in denen sie lebten, dem Zionismus Schaden
zufügen würde, drückte diesen Gedanken – Garaudy
zufolge – folgendermaßen aus: “Wenn die Juden glauben,
dass sie für eine lange Zeit in Sicherheit leben, dann können
sie mit jeder beliebigen Gesellschaft verschmelzen. Diese Tatsache wird
uns niemals von Nutzen sein.”
Aus diesem Grund war die erste Maßnahme, die nach Ansicht einiger
zionistischer Führer ergriffen werden musste, das Anstacheln der
Judenfeindlichkeit in diesen Ländern. Danach war es erforderlich,
die Juden psychisch unter Druck zu setzen und sie durch provokative Übergriffe
in Unruhe zu versetzen. Das Ergebnis dieser Aktionen bestand in der Erwartung
dieser zionistischen Führer, dass die jüdische Bevölkerung
überzeugt sein werde, nicht an einem sicheren Ort zu leben und nur
durch die Auswanderung auf den “Heiligen Boden” zu retten
ist.
Um den Antisemitismus anzufachen, versuchte Herzl eine weitere Maßnahme
umzusetzen, und er fügte seinem Tagebuch Gedanken hinzu, denen zufolge
den Antisemiten die Existenz eines jüdisches Komplotts glaubhaft
gemacht werden sollte um diese gegen die Juden aufzuhetzen. In den Jahren
1922 und 1923 wurden drei Bände von Herzls Tagebuch veröffentlicht.
Der österreichische Schriftsteller und Herausgeber der Zeitung Österreichische
Wochenschrift Joseph Samuel Bloch, der mit Herzl eng bekannt war,
schrieb folgendes über die Tagebücher:
Die Schreiben
an Rothschild und Baron Hirsch sowie die Behauptungen, dass die Juden
in den Ländern, in denen sie sich befanden, gegen die herrschende
Macht aufbegehrten und an Umstürzen teilnahmen, ist ein ausreichender
Grund um das jüdische Volk zu vernichten. Herzl zeigte den Judenfeinden
die sicherste Grundlage um das “Judenproblem” zu lösen.
Er beschrieb ihnen den Weg, den sie in ihren zukünftigen Bemühungen
zu verfolgen hatten. Aus diesem Grund ist dieses Tagebuch ein schrecklicher
Beleg.11
Bis zu seinem Tod 1904 bemühte sich Herzl darum, den Antisemitismus
anzufachen und Allianzen mit den Antisemiten einzugehen. Doch aus diesen
Bemühungen ging kein bedeutendes Ergebnis hervor. Die meisten der
europäischen Juden weigerten sich, auszuwandern.
Der Widerstand der Juden gegen den radikalen Zionismus
Die von Herzl gegründete und nach dessen plötzlichem Tod 1904
ständig wachsende Organisation des Weltzionismus (World Zionist Organization,
WZO) machte es sich zum Ziel Nummer eins, die Juden nach Palästina
zu bringen. Doch trotz aller Ermutigungen der Vereinigung für die
Juden zahlreicher Länder, waren die Auswanderungen nicht in dem erwarteten
Maß durchführbar. Nach 1925 nahm die Auswanderung sogar ab.
Doch als ob das noch nicht genug wäre, gab es sogar Rückkehrer
unter den Auswanderern. In den Jahren zwischen 1926 und 1931 verließen
pro Jahr durchschnittlich 3.200 Juden Palästina. 1932 standen in
Palästina 770.000 Arabern 181.000 Juden gegenüber. Die Araber
hatten in der Region immer noch eine überwältigende Mehrheit.
Die zionistischen Führer wußten ganz genau, dass sie mit so
wenig jüdischer Bevölkerung keinen Staat gründen konnten.
Vor allem die Juden, die in Deutschland, Frankreich und Amerika lebten,
dachten gar nicht daran, Wohlstand, einen hohen Lebensstandard und eine
Ordnung aufzugeben, in der sie sich eingelebt hatten und nach Palästina
auszuwandern.
Dem Widerstand, den das jüdische Volk dem zionistischen Ruf nach
Auswanderung entgegensetzte, schlossen sich auch weltberühmte Juden
an, wie der Physiker Albert Einstein, der Philosoph Martin Buber und der
erste Präsident der jüdischen Universität Jerusalems, Professor
Judah Magnes. Neben den intellektuellen Juden waren weite Teile der jüdischen
Bevölkerung gegen die Auswanderung, auf die sich manche zionistischen
Führer versteift hatten. In Russland lehnte die jüdische Bevölkerung
bis auf einem kleinen Teilden rassistischen Zionismus ab. Ein Teil der
Auswanderer kehrte sogar nach Russland zurück, weil die Lebensbedingungen
in Palästina nicht den Erwartungen entsprachen.

Die Juden waren in zahlreichen Ländern Europas gezwungen
in “Ghettos” zu leben. Auf dem Bild sind Juden zu
sehen, die zur Auswanderung gezwungen wurden und ein Ghetto in
Polen verlassen. |
In den 1920er Jahren hatten die zionistischen Führer geglaubt, dass
die 1917 verkündete Balfour Declaration, die grünes Licht für
einen jüdischen Staat in Palästina gegeben hatte, die Einwanderung
dorthin beschleunigen werde. Doch als in den folgenden Jahren diese Rechnung
nicht aufging, erlebten die Zionisten eine bittere Enttäuschung.
In den 1920er Jahren verdoppelte sich zwar die jüdische Bevölkerung
Palästinas und erreichte 160.000. Doch die Zahl der Jüdischen
Emigranten betrug nur 100.000, von denen 75% nicht in Palästina blieben.
Die Zahl der Einwanderer nach Palästina betrug pro Jahr ungefähr
8.000. 1927 kamen sogar nur 2.710 Personen an, doch 5.000 wanderten aus.
1929 dagegen hielten sich die Zahlen der Ein- und Auswanderer in Palästina
die Waage.
Aus dem Blickwinkel der radikalen Zionisten, war diese Entwicklung ein
riesiges Fiasko. Trotz der massiven Propaganda des WZO war die Zahl der
Einwanderungen nach Palästina gering geblieben. Ende des 19. Jahrhunderts
hatten in Palästina weniger als 50.000 Juden gelebt. Diese Zahl betrug
7% der palästinensischen Bevölkerung. Doch auch zwei Jahre nach
der Balfour Declaration war die Bevölkerung noch nicht über
65.000 gestiegen. Zwischen 1920 und 1932 waren nur 118.378 Juden nach
Palästina gebracht worden, was nicht einmal einem Prozent der jüdischen
Weltbevölkerung entsprach.
Für die Zionisten war klar, dass es auf diese Weise nicht weitergehen
konnte. Ein oder zwei antisemitische Bewegungen reichten nicht aus, um
den Teil der jüdischen Bevölkerung zu überzeugen, der die
Auswanderung ablehnte. Deshalb machten sich einige zionistische Führer
daran, das von Herzl eingeführte und praktizierte Verfahren der Kooperation
mit den europäischen Nationenwirkungsvoller zu gestalten. Die für
die Gründung des israelischen Staates erforderlichen qualifizierten
europäischen Juden mussten stärker unter Druck gesetzt werden.
Das hieß, der Antisemitismus war zu verstärken.
Die ideologische Verwandtschaft zwischen dem radikalen
Zionismus und dem Nationalsozialismus
Herzls Strategie, Allianzen mit den Antisemiten einzugehen, um die Assimilierung
der Juden zum Stillstand zu bringen und ins Gegenteil zu verkehren, wurde
von einigen Zionisten und Rassisten weltweit umgesetzt. Die Einflussreichsten
unter ihnen waren jedoch die deutschen Rassisten. Sie stimmten den Absichten
der radikalen Zionisten praktisch vollständig überein.
Der amerikanische Historiker Lenni Brenner, der sich selbst als antizionistischen
Juden bezeichnet, breitet in seinem Buch Zionism in the Age of Dictators
(Zionismus im Zeitalter der Diktatoren) vor aller Augen die unbekannte
Geschichte der Allianz zwischen den radikalen Zionisten und den Antisemiten
aus. Wie Brenner betont, begann sich die Annäherung zwischen sogenannten
Zionisten und antisemitischen Rassisten bereits in den ersten Jahren der
zionistischen Bewegung. Zum Beispiel führte Max Nordau, der zweite
Mann der zionistischen Bewegung, am 21. Dezember 1903 ein Gespräch
mit Eduard Drumont, dem Herausgeber der französischen antisemitischen
Zeitung La Libre Parole.; Das Gespräch wurde damals in dem
Blatt Drumonts veröffentlicht. Nordau sagte: “Der
Zionismus ist kein Problem der Religion, sondern der Rasse, und diesbezüglich
stimme ich mit niemandem so sehr überein wie mit Herrn Drumont”.
Eines der Themen in Brenners Buch ist die ideologische Parallele zwischen
deutschen Rassisten und radikalen Zionisten. Dementsprechend befanden
sich die Blut und Boden Parolen, die sich vor dem 1. Weltkrieg
rasch unter Deutschlands Intellektuellen verbreiteten, in völliger
Übereinstimmung mit den Behauptungen der rassistischen Zionisten.
Dieser Ideologie zufolge verfügte die deutsche Rasse über ein
nur ihr eigenes Blut und musste auf dem ihr gehörenden Boden leben.
Die Juden waren nicht von deutschem Blut, konnten niemals ein Teil des
deutschen Volkes werden und besaßen deshalb auch kein Recht, auf
deutschem Boden zu leben. Wie Brenner betont, unterstützten die rassistischen
Zionisten alle Argumente der Blut und Boden Rassisten; Denn auch nach
Ansicht der radikalen Zionisten waren die Juden kein Teil des deutschen
Volkes und durften sich deshalb nicht mit deutschem Blut vermischen. Das
Beste was demnach zu tun war, war die Rückkehr auf den eigenen Boden,
also nach Palästina.
Indem die radikalen Zionisten
die Behauptungen des deutschen Rassismus teilten, bestätigten sie
den Antisemitismus. Wenn die Juden kein Teil des deutschen Volkes waren,
dann war der Wunsch der deutschen Rassisten richtig, die Juden zu isolieren
und zu entfernen. Nach der Vorstellung der radikalen Zionisten hatten
die Juden selbst Schuld an der Existenz des Antisemitismus, da sie beharrlich
auf einem Boden lebten, der ihnen nicht gehörte und sich mit einer
fremden Rasse vermischten; So fachten sie angeblich selbst den Antisemitismus
an. Die Schuld lag also nicht bei den Antisemiten, sondern bei den assimilierten
Juden. Jahre später fasste Chaim Greenberg, ein radikaler Zionist,
diese abstruse Logik in Jewish Frontier, dem Presseorgan der
Zionisten, folgendermaßen zusammen: “Um
ein guter Zionist zu sein muss man bis zu einem gewissen Grad Antisemit
sein.”12
 |
Der seit Beginn des Jahrhunderts
von der Zionistischen Weltorganisation (WZO) ständig wiederholte
Aufruf zur Auswanderung nach Palästina fand bei sehr wenigen
Juden Gehör. Ein bedeutender Teil der europäischen Juden
befanden sich in einer Phase der Assimilierung und waren nicht gewillt
ihre bequemen Wohnungen zu verlassen und sich in ein Abenteuer mit
ungewissen Ausgang zu stürzen. Diejenigen die auswanderten
waren religiöse Juden oder Idealisten mit starker nationaler
Überzeugung. Links ist der Anführer der WZO, Chaim Weizmann,
mit einer Gruppe idealistischer Jugendlicher zu sehen, die sich
anschicken nach Palästina auszuwandern. |
Hierzu meint Lenni Brenner folgendes:
Wenn man an den Begriff der Reinheit
der Rasse glaubt, kann man den Rassismus eines anderen nicht zurückweisen.
Wenn man ausserdem glaubt, dass sich eine Rasse nur in ihrem eigenen Heimatland
wohlfühlen kann, dann kann man nicht dagegen sein, wenn andere Fremde
von ihrem Territorium ausschliessen.13
Die ideologische Verwandtschaft zwischen Nazis und
radikalen Zionisten berührt auch der amerikanische Geschichtsprofessor
an Saint Michael’s College (Vermont), Francis R. Nicosia in seinem
Buch The Third Reich and the Palestine Question (Das Dritte Reich
und die palästinensische Frage). Nicosia zufolge weisen die radikalen
Zionisten nicht nur mit den Nazis, sondern auch mit deren Vorläufern,
den Rassisten des 19. Jahrhunderts große ideologische Verwandtschaft
auf. Einer von ihnen war Arthur de Gobineau. 1902 wurden in der Zeitung
Die Welt, die von der Zionistischen Weltorganisation (WZO) herausgegeben
wurde, Artikel veröffentlicht, die die Ideen Gobineaus lobten und
dessen Bewunderung der Reinheit der jüdischen Rasse mit Hochachtung
würdigten. Vor dem 1. Welkrieg waren einige bedeutende Zionisten
wie Elias Auerbach und Ignaz Zollschan, Arthur de Gobineau und Houston
Stewart Chamberlain zu den feurigen Befürwortern der rassistischen
Philosophie geworden.14
|
Francis Nicosia beschreibt auch
die Affinität, die die Antisemiten den Zionisten gegenüber empfanden.
Interessanterweise hatten die Antisemiten bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts,
also zu einer Zeit als der politische Zionismus noch nicht existent war,
den Transfer der europäischen Juden nach Palästina befürwortet.
Einer von ihnen war der rassistische deutsche Denker Johann Gottlieb Fichte.
Fichte, der die Säuberung von allen Minderheiten, insbesondere von
Juden befürwortete, um den deutschen Volksgeist zu stärken,
betrachtete die Tatsache, dass Juden und Deutsche die gleichen Rechte
hatten, als Katastrophe und schrieb, dass die einzige Lösung für
das Judenproblem deren Verbringen nach Palästina sei. Diese Gedanken
Fichtes wurden von der am Ende des Jahrhunderts rasch zunehmenden Zahl
von Gleichgesinnten unverändert übernommen. Einer davon war
Eugen Dühring.15
Die Sympathie der Antisemiten für den Zionismus setzte sich nach
dem 1. Weltkrieg in der Zeit der Weimarer Republik fort. Nicosia lenkt
die Aufmerksamkeit auf die Gedanken der bedeutenden Antisemiten der Weimarer
Republik wie Wilhelm Stapel, Hans Blüher, Max Wundt und Johannes
Peperkorn, die der Ansicht waren, der Zionismus sei die beste Lösung
für das Judenproblem.
Bewertet man den Zionismus nur als eine Strömung, die auswanderungswillige
Juden bei ihrer Einwanderung nach Palästina unterstützte, dann
ist daran nichts außergewöhnliches zu bemerken. Doch die Zusammenarbeit
zwischen Antisemiten und radikalen Zionisten enthielt gefährliche
Elemente, insbesondere den Rassismus, der in keiner Weise mit der religiösen
Moral übereinstimmt. Beide Gruppen unterstützten sich hinsichtlich
ihrer rassistischen Ziele und vermieden auch nicht die Anwendung von Gewalt.
So war es die jeweils eigene Bevölkerung , die Schaden durch die
Praktiken der radikalen Gruppierungen erlitt, die die radikalen Zionisten
unterstützen. Die rassistischen Zionisten sahen meistens darüber
hinweg und wurden später sogar selbst eine Ursache dieser Benachteiligung.
Die Kooperation des radikalen Zionismus mit dem Nationalsozialismus
Wenn man sagt, zwischen dem Zionismus und dem mit Judenfeindlichkeit
aufgeladenen deutschen Rassismus bestehe eine Verwandschaft, erscheint
dies zunächst als Widerspruch, doch es war für beide Seiten
eine Zweckgemeinschaft. Einer der Zionisten, Jacob Klatzkin, erläuterte
dies in einem Aufsatz von 1925 folgendermaßen:
Wenn wir nicht akzeptieren,
dass der Antisemitismus eine gerechtfertigte Bewegung ist, dann weisen
wir auch unseren eigenen Nationalismus zurück. Wenn unser Volk seine
eigene Identität schützen und seine eigene Lebensweise fortführen
will, dann ist es ein Fremdkörper in den Nationen in denen es lebt.
Deshalb haben sie das Recht, uns zu bekämpfen um ihre eigene nationale
Identität zu schützen... Die auf uns entfallende Aufgabe ist
nicht, die Antisemiten zu bekämpfen, die die sozialen Rechte der
Juden vermindern wollen, sondern vielmehr, unsere Freunde zu bekämpfen,
die die sozialen Rechte der Juden verteidigen wollen.16
Die Sympathie
des radikalen Zionismus für den Antisemitismus war zunächst
in einigen Reihen der Zionistischen Weltorganisation (WZO) verbreitet.
Chaim Weizmann, der nach Theodor Herzl der zweite Führer der WZO
werden sollte – 1948 wurde er erster Staatspräsident Israels
– betonte häufig seine Sympathie gegenüber dem Antisemitismus.
In einer Rede, die er 1912 vor deutschen Juden hielt, sagte er “Jedes
Land kann, wenn es nicht Magenschmerzen bekommen will, nur eine bestimmte
Zahl Juden vertragen”, und er fügte hinzu: “In Deutschland
gibt es sowieso schon mehr Juden als notwendig.” Während einer
Unterredung mit dem englischen Außenminister Lord Balfour sagte
er 1914: “Wir stimmen vollkommen mit den kulturellen Antisemiten
überein. Auch uns stört der Begriff ‘Deutsche mit jüdischem
Glauben’ in höchstem Maße, denn dies ist ein demoralisierendes
Phänomen.”17

Chaim Weizmann, der Anführer der Zionistischen Weltorganisation
zusammen mit dem englischen Außenminister Lord Balfour. |
Diese Gedanken, die in einigen Teilen der WZO vorherrschten, wurden auch
von manchen Mitgliedern der Zionistischen Vereinigung für Deutschland
(ZVfD), dem deutschen Arm der Organisation geteilt. Die war eine der beiden
großen jüdischen Vereinigungen in Deutschland. Die andere war
die der Deutschen jüdischen Glaubens, der von assimilationswilligen
Juden ins Leben gerufene Centralverein (CV). Natürlich waren ZVfD
und CV bei zentralen Themen unterschiedlicher Auffassung. Die ZVfD war
der Überzeugung, dass die Juden eine Rasse seien, für den CV
waren die Juden lediglich eine religiöse Gemeinschaft.
Die größte Meinungsverschiedenheit bestand
jedoch beim Thema Antisemitismus. Für die dem CV verbundenen Assimilationswilligen
war der Antisemitismus die größte Gefahr und sie unternahmen
alles, um dieses Virus zu vernichten, der ihr glückiches Leben in
Deutschland bedrohte. Die Zionisten dagegen, die glaubten, dass der Assimilationismus
das eigentliche Virus war, waren trotz der Beunruhigung über das
Anwachsen des Antisemitismus der Ansicht, dass dieser eine positive Entwicklung
sei. Kurt Blumenfeld, der zunächst Generalsekretär der ZVfD
und dann ihr Vorsitzender war, gehörte zu den ersten Juden, die den
Antisemitismus bewunderten. Blumenfeld akzeptierte mit Brenners Worten
“…vollkommen die antisemitische Ansicht,
dass Deutschland der arischen Rasse gehört und die Übernahme
einer offiziellen Aufgabe durch einen Juden in Deutschland ein Angriff
auf die Angelegenheiten eines anderen Volkes sei.”18
Die deutschen Antisemiten waren in erster Linie die Nazis. Zu Beginn
der 1920er Jahre tauchten sie auf den Straßen Deutschlands auf.
Hitler unternahm 1923 mit diesen ungebildeten, rassistischen und aggressiven
Fanatikern seinen Putschversuch in München. In den Jahren, in denen
die Nazibewegung geboren wurde, begann bereits die Zusammenarbeit zwischen
Nazis und radikalen Zionisten. Die radikalen Zionisten bemühten sich
ständig um eine Annäherung an die Nazis und andere Antisemiten.
Hitler sandte auch bedeutungsvolle Botschaften an die andere Seite. Wie
Francis Nicosia bemerkte, hatte der Naziführer zu Beginn der 1920er
Jahre in allen Reden, die er über das „Judenproblem“
hielt, davon gesprochen, dass die Lösung allein in der Transferierung
der Juden aus Deutschland heraus liegen würde. Diese Linie Hitlers
unterschied sich von den grobschlächtgen und ungebildeten Antisemiten,
die Pogrome an Juden verübten. In einer Rede am 6. April 1920 in
München sagte er, falls keine Pogromkampagne auf die jüdische
Gemeinschaft verübt werde, müsse die gesamte Energie des Nationalsozialismus
auf die Vertreibung der Juden aus Deutschland verwendet werden. Er sprach
auch deutlich darüber, wie dies zu machen sei. “Nötigenfalls
werden wir mit dem Teufel zusammenarbeiten”. Damit meinte er die
Allianz mit den rassistischen Zionisten. In einer Rede am 29. April dagegen
sagte er: ”Wir werden unseren Kampf fortführen,
bis der letzte Jude aus Deutschland vertrieben ist.”19
In einem Brief vom 16. September 1919 schrieb Hitler:
Ein Antisemitismus, der auf emotionaler
Antriebskraft beruht, drückt sich selbst stets durch Pogrome aus.
Der rationale Antisemitismus jedoch ist gezwungen, ein planmäßiges
und systematisches Programm für die Aufhebung der den Juden erteilten
sozialen Rechte und die Entfernung der Juden aus dem Land durchzuführen.20
Die „Entfernung der Juden aus
dem Land“ war von Alfred Rosenberg, dem wichtigsten Ideologen der
Nazis, als Ziel dargestellt worden. Rosenberg war denn auch der Urheber
der Idee, zu diesem Zweck mit den radikalen Zionisten zusammenzuarbeiten.
Der Naziideologe schrieb in Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten
, die im Jahr 1919 veröffentlicht wurde: “Der
Zionismus muss aktiv unterstützt werden, um die in Deutschland befindlichen
Juden aus dem Land zu verbringen und nach Palästina zu schicken.”21 Lenni
Brenner meint in seinem Buch hierzu: “Die Idee Rosenbergs, mit den
radikalen Zionisten zusammenzuarbeiten, um die Juden Deutschlands von
der Gesellschaft zu isolieren und sie in einem zweiten Schritt nach Palästina
zu schicken, wurde mit der Machtergreifung der Nazis zu einer wirklichen
Allianz.”22
Die Nazibewegung, die aus einem radikalen deutschen Rassismus und einem
diesem verbundenen Antisemitismus bestand, aufgrund der Schwäche
der Weimarer Republik, und der sozialpsychologischen Situation der Deutschen
kam 1933 an die Regierung. Dieser Sieg der Nazis erfreute manche Zionisten
so sehr, als ob sie selbst an die Regierung gekommen wären.
Die ersten Regierungsjahre der Nazis und die radikalen
Zionisten
Als die Nazis an die Regierung kamen, stellten die deutschen Juden 0,9%
der deutschen Bevölkerung. Doch in wirtschaftlicher Hinsicht waren
sie von wesentlich größerer Bedeutung. Die meisten verfügten
über einen hohen Lebensstandard. 60% von ihnen waren Geschäftsleute,
der Rest Handwerker, Religionsgelehrte, Studenten und in geringem Maße
Arbeiter. Obwohl sie zahlenmäßig klein waren, stellten sie
doch die bedeutendste rassische Minderheit in Deutschland dar, und es
war eines der allerersten Ziele der Nazipolitik, die Juden los zu werden,
um die deutsche Rasse rein zu halten. Die Reinheit der Rasse war für
die Nazis von so großer Bedeutung, dass Hitler sogar versuchte,
junge deutsche Männer und Frauen, die die “idealen” Eigenschaften
besaßen, in “Reproduktionsanstalten”
zu bringen und so eine neue, überlegene arische Rasse zu züchten.
Zur Reinhaltung der Rasse war es zunächst erforderlich, die Juden
von den Deutschen zu isolieren und diese in einem zweiten Schritt aus
dem Land zu entfernen.

Der Nazi Ideologe Alfred Rosenberg sprach bereits 1920 davon,
dass mit dem radikalen Zionismus zusammengearbeitet werden muss
um die Juden aus Deutschland zu entfernen.
|
Dies war auch
der Wunsch der radikalen Zionisten. Aus diesem Grund begannen beide Seiten
eine Beziehung herzustellen und dies bereits, als die Nazibewegung noch
auf dem Weg zur Regierung war. Eine der absonderlichsten Verbindungen
war die zwischen einem der Vorstände des ZVfD, Kurt Tuchler, und
dem hochrangigen SS Offizier Baron Leopold Itz Edler von Mildenstein.
Tuchler hatte mit Mildenstein eine lange Besprechung während der
er ihm erklärte, wie groß die Parallelen zwischen dem Zionismus
und der Nazibewegung seien und er überzeugte ihn, eine den Zionismus
lobende Artikelreihe in den Presseorganen der Nazis zu veröffentlichen.
Doch der SS Offizier Mildenstein beließ es nicht nur dabei, sondern
nahm auch den Vorschlag Tuchlers an, gemeinsam eine Reise nach Palästina
zu unternehmen. Nachdem Hitler an die Regierung gekommen war, machten
sich der radikale Zionist und der SS Mann gemeinsam mit ihren Frauen auf
eine sechsmonatige Palästinareise. Nach seiner Rückkehr fuhr
Mildenstein in seinen Artikeln fort, den radikalen Zionismus mit Lob zu
überschütten.23 Derartige Kontakte gab es während
der ersten Monate der Naziregierung auch auf höchster Ebene: Im März
1933 traf sich Hermann Göring mit einer aus radikal zionistischen
Führern bestehenden jüdischen Abordnung.
Das Ereignis, das die Einstellung der radikalen Zionisten den Nazis
gegenüber am besten zum Ausdruck bringt, ist das Memorandum, das
die ZVfD am 21. Juni 1933 der Nazispitze zukommen ließ. In diesem
Dokument, das bis zum Jahre 1962 unentdeckt blieb, kommt der Vorschlag
zur Zusammenarbeit ans Tageslicht, den die radikalen, rassistischen Zionisten
den Nazis unterbreiteten. Im Folgenden einige interessante Zeilen aus
diesem langen Brief:
... Innerhalb des neuen deutschen
Staates, der auf der Grundlage der Rasse gegründet wurde, wollen
auch wir die allgemeine Struktur unserer Glaubensgemeinschaft anpassen
und in dem uns zugeteilten Feld für das Vaterland von Nutzen sein...
Unsere Bindung an den jüdischen Nationalismus befindet sich in großer
Harmonie und guter Beziehung mit den nationalen und rassischen Gegebenheiten
der deutschen Nation. ...Denn auch wir sind gegen Mischehen und verteidigen
die Blutsreinheit der jüdischen Nation... Deshalb kann das selbstbewußte
Judentum, das wir hier definieren und in dessen Namen wir sprechen, einen
Platz innerhalb des neuen deutschen Staates finden... Wir sind der Überzeugung,
dass zwischen den Juden, die über das Bewußtsein der Religionsgemeinschaft
verfügen und dem deutschen Staat eine aufrichtige und enge Zusammenarbeit
entstehen kann. ...Wir haben die Hoffnung, dass der Zionismus für
seine praktischen Zwecke auch die Unterstützung einer Regierung gewinnen
kann, die den Juden feindlich gesinnt ist...24
Lenni Brenner meint folgendes zu diesem Memorandum:
In diesem Dokument, das ein offener
Verrat an den deutschen Juden ist, unterbreiten die deutschen Zionisten
den Nazis eine gut kalkulierte Allianz. Das endgültige Ziel dieser
Zusammenarbeit ist die Gründung eines jüdischen Staates. Die
Mitteilung an die Nazis ist ganz simpel: Wir werden nie gegen euch kämpfen
und nur die bekämpfen, die gegen euch sind.25

Die Vorstellung der Nazis, dass Juden und Deutsche zwei Rassen
sind, die nicht vermischt werden dürfen, traf in gleicher
Weise für die rassistischen Zionisten zu. Die Allianz zwischen
radikalen Zionisten und Nazis stand auf dieser Basis. Oben ist
Hitler mit der SA bei einer Feier zu sehen als er gerade an die
Macht kam. |
Der Rabbiner Joachim Prinz, der sich in der Gruppe radikaler Zionisten
befand, die dieses Memorandum verfasste, erklärte in späteren
Jahren folgendermaßen, weshalb dies unternommen wurde:
Es gab kein anderes Land auf der
Welt, das sich wie Deutschland für die Lösung des Judenproblems
anstrengte. “Die Lösung des Judenproblems.” Dies war
sowieso unser zionistischer Traum! Niemals wiesen wir die Existenz des
Judenproblems zurück! Dissimilation. Dies war sowieso unser größter
Wunsch...26
An erster Stelle der Faktoren, die die Nazis und die radikalen Zionisten
zusammenführten, stand der Glaube an die Existenz eines Judenproblems.
Beide Seiten betrachteten die Existenz der Juden in Europa als ein Problem
und waren der Ansicht, Juden und Nichtjuden könnten nicht miteinander
leben. Demgegenüber wollten die assimilationistischen Juden nicht
einmal die Existenz eines solchen Problems akzeptieren. Dies wiederum
war in den Augen der radikalen Zionisten ein offener Verrat. Aus diesem
Grund begannen sie von der Notwendigkeit zu sprechen, dass Druck und Gewalt
jene Juden gefügig machen würde, die die Existenz dieses Problems
nicht anerkannten und die in den Augen der radikalen Zionisten ihre Identiät
verloren hatten. Die Jüdische Rundschau, das wöchentliche
Presseorgan des ZVfD begann Artikel zu veröffentlichen, die den Assimilationisten
von allen Seiten stark zusetzten. Robert Weltsch, der Herausgeber der
Zeitschrift schrieb zum Beispiel folgendes:
In den Krisenzeiten seiner Geschichte
erlitt das jüdische Volk stets die Strafe für seine eigene
Schuld. In einem unserer wichtigsten Gebete wird der Ausdruck „wegen
unserer Sünden wurden wir aus unserer Heimat vertrieben“
verwendet... Heute sind die Juden schuldig, weil sie Theodor Herzls
Aufruf überhören wollten... Sie sind schuldig, weil sie ihr
Judentum nicht mit Stolz trugen, versuchten, das Judenproblem unter
den Teppich zu kehren, und nun müssen sie die Strafe dafür
erleiden, dass sie das Judentum hinten angestellt haben.27
Die Logik der radikalen Zionisten
war klar: Die assimilationistischen Juden hatten mit ihrer Nichtbeachtung
des Aufrufs und dem Zurückweisen ihrer eigenen rassischen Identität
eine große Sünde begangen und würden dafür mit der
Unterdrückung durch die Nazis bestraft. Während die Jüdische
Rundschau zum einen Artikel veröffentlichte, die die Assimilationisten
auf das Heftigste angriffen, erschienen andererseits Aufsätze, die
die Ansprüche der Nazis erklären sollten. Der Generalsekretär
der ZVfD, Kurt Blumenfeld, schrieb im April 1933 in einem Aufsatz folgendes:
“Wir, die auf diesem Boden als Fremde leben,
sind verpflichtet dem rassischen Bewußtsein der deutschen Nation
und deren rassischen Interessen große Hochachtung zu zeigen.”28 Der
Rabbiner Joachim Prinz, ein radikaler Zionist, erklärte, dass Zionisten
sich lediglich mit Nationalsozialisten, also Rassisten wie ihresgleichenverständigen
könnten: “Ein Staat, der auf den Prinzipien
der Reinheit der Nation und der Rasse gegründet ist, wird den Juden,
die an die gleichen Prinzipien glauben, mit der gleichen Achtung begegnen.”29

Die Vertreter des Zionistischen Vereinigung für Deutschland
(ZVfD) auf dem 19. Zionistischen Kongress. Oben im Bild Kurt
Blumenfeld, der Führer der ZVfD und Architekt der Zusammenarbeit
mit Hitler. |
Kurze Zeit nachdem die Nazis an die Regierung gekommen waren, gaben sie
Gesetze heraus, die zahlreiche Rechte der Juden einschränkten. Doch
diese Politik störte die radikalen Zionisten keineswegs, da sie dachten,
dass die Nazis mit den von ihnen erlassenen anti-assimilationistischen
Gesetzen den Juden Gutes erwiesen. Der Presseverantwortliche der Nationalsozialisten
A. I. Berndt äußerte sich in einem Interview mit der Jüdischen
Rundschau folgendermaßen:
Die erlassenen neuen Gesetze sind
für die Juden nützlich und motivierend. Die Möglichkeit
der jüdischen Minderheit Deutschlands, den ihr eigenen Lebensstil
zu führen, ist hilfreich zur Stärkung des nationalen Charakters
des Judentums und sie kann die Beziehungen zwischen beiden Völkern
auf die rechte Basis stellen.30
Auf dieser Logik gründete eine der seltsamsten Allianzen der Geschichte.
Die Beziehungen, die während der ersten Monate der Naziherrschaft
mit Gunstbeweisen begannen, wurden innerhalb kürzester Zeit zu einer
in höchstem Maße konkreten und organisierten Zusammenarbeit.
Die radikalen Zionisten bemerkten sehr wohl die Judenantipathie der Nazis
und wünschten deren Anwachsen, obwohl sie sich auch über deren
Gefahr im Klaren waren. Jedes Gesetz, das die Nazis zuungunsten der Juden
verabschiedeten, machte sie noch zufriedener. Brenner schreibt:
Je
mehr die Nazis die Schrauben bei den Juden anzogen, umso mehr festigte
sich der Glaube der Zionisten bezüglich einer Allianz mit den Nazis.
Ihrer Meinung nach würden die Nazis den Zionismus umso dringender
benötigen, je mehr sie die Juden aus der deutschen Gesellschaft
ausstießen.31
Der Aufruf an die deutschen Juden für die Wahl Hitlers
Bis jetzt haben wir stets betont, dass bezüglich der Nazis eine
offene Meinungsverschiedenheit zwischen den Assimilationisten und den
radikalen Zionisten bestand, und dass die assimilationistischen Juden
den Nationalsozialismus mit Hass begegneten, während radikale Zionisten
und Nazis als Alliierte angesehen wurden. Der Unterschied zwischen beiden
Seiten, nämlich zwischen der zionistischen Vereinigung für Deutschland
(ZVfD) und dem Centralverein (CV), den die Assimilationisten, also die
Deutschen jüdischen Glaubens gegründet hatten, ist anhand ihrer
Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber den Nazis deutlich erkennbar.
Dieser große Unterschied zwischen den Assimilationisten und den
radikalen Zionisten wird auch deutlich in der Gegnerschaft der Assimilationisten
zu den faschistischen Regimes außerhalb Deutschlands. Allgemein
kann man sagen, dass sich die radikalen Zionisten gut mit dem faschistischen
Umfeld verstanden, die Assimilationisten jedoch beiden Gruppierungen kritisch
gegenüberstanden.
Doch es gab auch Ausnahmen. Unter den assimilationistischen Juden und
insbesondere im von der linken Bedrohung beunruhigten Bürgertum gab
es Bestrebungen, die mit den Faschisten eine Allianz eingehen wollten.
Ein deutliches Beispiel hierfür ist der Verband nationaldeutscher
Juden (VnJ), die zweitwichtigste Vereinigung in Deutschland nach dem CV.
1934 begann der VnJ eine wirkungsvolle Kampagne, um die Macht Hitlers
zu festigen. Die New York Times berichtete auf Seite zwei ihrer
Ausgabe vom 18. August 1934 von dieser Kampagne und veröffentlichte
die Aufforderung an alle deutschen Juden, ihre Stimme für die Kanzlerschaft
Hitlers zu geben.
Wir als der 1921 gegründete
Verband nationaldeutscher Juden halten unsere Interessen im Krieg und
im Frieden nicht über denen des deutschen Volkes und der deutschen
Nation. Doch auch wenn es uns Unbehagen bringt, so begrüßen
wir den Aufstand, der im Januar 1933 Hitler an die Regierung brachte...
Wir beglaubigen die Größe von Hitlers Kanzlerschaft und der
historischen Bedeutung seiner Bewegung. Wir als die Juden, die der deutschen
Nation geistig und materiall verbunden sind, kennen keine andere Nation
außer Deutschland. Wir unterstützen die Gemeinschaft von Hitlers
Kanzlerschaft und den zugehörigen Behörden und empfehlen allen
sich Deutsch fühlenden Juden mit Nachdruck, am 19. August Hitler
die Stimme zu geben.32
Die Überwindung des Anti-Nazi Boykotts mit Hilfe
der radikalen Zionisten
Ohne Zweifel war der VnJ eine Ausnahme und man kann nicht sagen, dass
die Sympathie, die er für die Nazis empfand von der Mehrheit der
assimilationistischen Juden geteilt wurde. Nicht nur die Assimilationisten
Deutschlands, sondern auch die der anderen westlichen Länder verfolgten
den Aufstieg Hitlers zum Führer Deutschlands mit großer Sorge.
Im Gegensatz zu den Bemühungen der radikalen Zionisten begannen sie
gemeinsam mit anderen Gruppen, die sich dem Faschismus entgegenstellten,
Wege zu suchen, den Nazis Widerstand zu leisten.Zum ersten Mal rief am
19. März 1933 die in New York ansässige, jüdische assimilationistische
Vereinigung Jewish War Veterans (JWV) zu einem Boykott gegen deutsche
Produkte auf und organisierte vier Tage später eine große Protestveranstaltung
gegen die Nazis. Die Assimilationisten gründeten die Anti-Nazi Vereinigung
mit Namen Non-Sectarian Anti-Nazi League, die alle Amerikaner
zum Boykott von Naziprodukten aufrief. Dieser Boykott sprang kurze Zeit
später auf Europa über und zeigte seine Wirkung. Dies war für
die deutsche Industrie, die sich gerade mit großem Elan entwickelte,
alles andere als positiv. Die beiden größten Absatzmärkte
Deutschlands waren Amerika und Europa, der auf beiden Märkten von
den Assimilationisten begonnene Boykott ließ den Absatz deutscher
Produkte enorm sinken.
An diesem Punkt kam den Nazis jemand zu Hilfe und weitete den Engpass,
in dem sich die Wirtschaft der Nazis befand. Wer aber war dies?
Natürlich die radikalen Zionisten. Während die assimilationistischen
Juden den Boykott ausriefen, um die Nazis wirtschaftlich zu Fall zu bringen,
reichten die radikalen Zionisten ihren Alliierten die Hand.
 |
Unmittelbar
nach der Machtergreifung der Nazis begannen westliche Demokratien,
vor allem aber Amerika mit einen wirkungsvollen Boykott gegen
die Nazis. Der Boykott, der von den assimilationistischen Juden,
Linken und Liberalen ins Leben gerufen wurde, sorgte für
einen starken Rückgang beim Verkauf der Produkte der Nazis
und wurde zu einem Problem der Wirtschaft des Reichs. In diesen
Tagen waren es die radikalen Zionisten, die den Nazis bei der
Überwindung des Boykotts halfen. Im Bild daneben ist eine
Naziflagge zu sehen, die während der Boykottdemonstrationen
in Chicago verbrannt wurde. |
Doch die radikalen Zionisten hatten ihre nazifreundlichen Bemühungen
schon begonnen bevor der Boykott anfing. Alle von den jüdischen Vereinigungen
gemachten Vorschläge zum Boykottaufruf wurden von den sogenannten
Zionisten beharrlich zurückgewiesen.
Auch die Zionistische Weltorganisation
(WZO) bemühte sich, den Boykottaufruf zu verhindern. Als sie dabei
nicht erfolgreich waren, bemühten sie sich, die wirtschaftliche Notlage
ihrer Nazifreunde zu lösen. Brenner meint: “Die
WZO beließ es nicht dabei, deutsche Waren zu kaufen, sie wurde auch
zum Vermittler für deren Verkauf und fand sogar neue Kunden für
Hitler und die ihn unterstützenden Industriellen.”33
Der Grund hinter diesem Verhalten war es, dass einige Menschen an der
WZO-Verwaltung Hitler als eine Segnung sahen. Der radikale Zionismus erhielt
dank Hitler großen Rückhalt und war der Meinung, dass dank
diesem die Juden, die ihr rassisches Bewußtsein verloren hatten,
Vernunft annehmen und nach Palästina auswandern würden. Emil
Ludwig, ein Schriftsteller der zu dieser Zeit einflußreichen radikalen
Zionisten, drückte die Einstellung der WZO folgendermaßen aus:
Der
Name Hitler wird vielleicht in ein paar Jahren vergessen sein. Doch ich
bin sicher, dass in Palästina ein pompöses Hitlerdenkmal aufgestellt
werden wird... Tausende von Juden, die ihr Judentum vergessen haben, konnten
dank ihm zu ihrer Identität zurückgebracht werden. Aus diesem
Grund empfinde ich ihm persönlich gegenüber eine große
Dankbarkeit.34
Chaim Nachman Bialik, einer der bekannten radikalen
Zionisten sagte: “Das Hitlerregime rettete
die in den Klauen der Assimilierung befindlichen deutschen Juden vor dem
Verschwinden” und fügte, indem er die ideologische Verwandtschaft
mit Hitler betonte hinzu: “Ebenso wie Hitler glaube
auch ich an die Kraft des Blutgedankens”.35

Stephen Wise vom Präsidium des Jüdischen Kongresses
Amerikas.
|
Der italienische Jude Enzo Sereni, der in den Reihen der WZO kämpfte,
drückte sich mit ähnlichen Worten aus: “Der Antisemitismus
Hitlers wird für die Rettung der Juden von Nutzen sein.” Er
sagte auch folgendes:
Um Palästina aufzubauen ist
es nichts Schändliches, die Notlage der Juden in Deutschland auszunutzen.
Dies haben uns die alten Führer und unsere Vorväter gelehrt:
Die Katastrophe, die den Juden der Diaspora zustößt, zum Neuaufbau
zu benutzen.36
Die radikalen Zionisten waren so erfreut über die „Lösung“
der Nazis, der sich die deutschen Juden gegenüber sahen, dass sie
daran dachten, diese zu benutzen um die assimilationistischen Juden anderer
Länder zur Räson zu bringen. Der amerikanische Rabbiner Abraham
Jacobson sagte 1936 als Reaktion auf die Logik der rassistischen Zionisten:
Wer
weiß wie oft wir rücksichtsloses Gerede dergestalt zu hören
bekommen, dass, um die am Zionismus desinteressierten amerikanischen
Juden auf den rechten Weg zu bringen, ein Hitler von Nöten sei.
Diesen Reden zufolge sind die Juden nur dann zu überzeugen nach
Palästina zu gehen...37
Für die Hitler so nahe stehenden radikalen Zionisten gab es nichts
was so natürlich war, wie mit den Nazis eine wirtschaftliche Zusammenarbeit
einzugehen. Und so geschah es auch. Die größte wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten geschah in Gestalt des Auswanderungsabkommens
namens Ha’avara, das den Transfer der deutschen Juden mit ihrem
Vermögen nach Palästina vorsah. Parallel zu diesem Abkommen
sicherten die radikalen Zionisten den Verkauf deutscher Waren in Palästina
zu. Nach einiger Zeit wuchsen die Geschäfte weiter an und die WZO
benutzte die Schiffe der Nazis, um Orangen nach Belgien und Holland zu
exportieren. 1936 begannen die Vertreter der WZO deutsche Produkte in
England zu verkaufen.
Doch darauf blieb die Zusammenarbeit zwischen radikalen Zionisten und
Nazis nicht beschränkt. Einige Zionisten sicherten deutschen Waffenproduzenten
auch die Devisenquellen. Albert Norden wies in seinem Buch So werden
Kriege gemacht? außerdem auf eine andere wirtschaftliche Zusammenarbeit
zwischen Nazis und radikalen Zionisten hin. Dabei fällt auf, dass
die Rohstoffe, die für Deutschland von strategischer Bedeutung waren,
von einem zionistischen Unternehmen namens International Nickel Trust
bereitgestellt wurden. Es verfügte über 85% der Nickelproduktion
in den kapitalistischen Ländern. Ein Jahr nachdem Hitler die Regierung
übernommen hatte, wurde zwischen der deutschen IG Farben und dem
genannten Unternehmen ein Vertrag unterzeichnet. Dieser sah vor, dass
mehr als die Hälfte der Nickelproduktion Deutschlands von dem International
Nickel Trust abgenommen werden würde. Auf diese Weise sparte Deutschland
50% an Devisen ein.
Die radikalen zionistischen Finanziers Hitlers
Auch einige zionistische Finanziers westlicher Länder gewährleisteten
Hitler große finanzielle Unterstützung. Diese Unterstützung,
die manchmal auf Vermittlung der WZO geschah, besaß einen großen
Anteil am Erstarken Nazideutschlands.
Die Unterstützung, die Hitler von manchen Juden zuteil wurde, sollte
später zu einem Alptraum gerade für Juden werden. Denn die Politik,
die verfolgt wurde, um die radikalen Ansichten eines Teils der Juden zu
verwirklichen und die ausschließlich materiellen Einnahmen eines
anderen Teils sicherzustellen, kostete zahlreiche ihrer Menschen das Leben.
Die geheimen Beziehungen Hitlers werden in unterschiedlichen Quellen
ausführlich dargestellt. Diesen Quellen zufolge war einer derjenigen,
der bei der Finanzierung Hitlers eine große Rolle spielte, Clarence
Dillon (1882-1979), einer der reichsten Männer Amerikas. Dillon,
der als Kind zweier amerikanischer Juden namens Samuel und Bertha Lapowski
(oder auch Lapowitz) zur Welt gekommen war, arbeitete während des
1. Weltkrieges als rechte Hand des berühmten jüdischen Kapitalisten
Bernard Baruch. Die Beziehungen zu Hitler stammen jedoch aus der Zeit
vor dem 2. Weltkrieg. Dillon leistete einen großen Beitrag zu den
Kriegsvorbereitungen des Reiches.
Unter den Helfern Hitlers befand sich auch die berühmte Erdölgesellschaft
Royal Dutch Shell, die von der jüdischen Dynastie der Samuel gegründet
worden war. Zwischen dem Leiter des Unternehmens, Sir Henry Deterding
und dem Naziideologen Alfred Rosenberg fand im Mai 1933 ein geheimes Treffen
auf dem Landsitz der Deterdings in England statt, der eine Meile von Schloß
Windsor entfernt liegt. Als Ergebnis der danach noch lang anhaltenden
Beziehungen flossen unter Vermittlung von Deterding insgesamt 30 Millionen
englische Pfund von der jüdischen Familie Samuel zu Hitler.

“Die wirkliche Bedeutung des Hitlergrusses:
Millionen stehen hinter mir. Die Teilhaberschaft am Verbrechen
der Lenkungs- und Leitungsklasse”
|
Alle diese Informationen zeigen
uns, dass eine sehr enge Beziehung bestand zwischen der Nazibewegung und
manchen jüdischen Kapitalisten, die den radikalen Zionismus übernommen
hatten und dass der deutsche “Führer” von diesen Kapitalisten
finanziert worden ist. Interessanterweise gab Hitler diese Tatsache zu
und gestand die Finanzierung durch die genannten Juden. Hermann Rauschning,
einer der engsten Freunde Hitlers in der Vorkriegszeit, überliefert
in seinem Buch Hitler M’a Dit (Was Hitler mir anvertraute)
folgenden Satz des Naziführers: “Die Juden
haben großen Anteil an meinem Kampf. Auch in unserer Bewegung untertützten
mich viele Juden finanziell.”38
Auch wenn Rauschnings Buch von radikalen Gruppen als Quelle benutzt
wird, und zudem ein Werk ist, auf dem deren eigene verirrten Ansichten
basieren, so ist diese Information doch von großem Interesse.
Hitler erhielt also von radikalen zionistischen Kapitalisten bedeutende
finanzielle Unterstützung aufgrund der Zusammenarbeit, die von der
WZO und deren deutschem Ableger ZVfD ins Leben gerufen wurde. Diese Beziehungen
zwischen dem Judenfeind Hitler und etlichen Juden spielten eine wichtige
Rolle bei der Überwindung des Nazi-Boykotts und dem Kriegseintritt
Deutschlands als industrielle Großmacht.
Als die englische Regierung sich entschloss, mit Hilfe der assimilationistischen
Juden den Nazi-Boykott zu unterstützen, schrieb Sir Oswald Mosley,
der Führer der Faschistischen Vereinigung Englands (British Union
of Fascist BUF) und Sympathisant Hitlers, in dem Presseorgan Blackshirt:
Jetzt
also geben wir unsere Handelsbeziehungen mit Deutschland auf um die
armen Juden zu schützen?... Doch die Juden selbst treiben gewinnträchtigen
Handel mit den Deutschen. Wahrscheinlich gibt es für diejenigen
keine bessere Antwort, die die Aufgabe unserer freundschaftlichen Beziehungen
mit Deutschland wünschen.39
:Für radikale Zionisten war das vorteilhafteste Abkommen der Transfer-Vertrag,
welcher unterschrieben wurde, um die deutschen Juden in Palästina
ansiedeln zu lassen. Dies war das wichtigste Ergebnis der Allianz zwischen
den radikalen rassistischen Zionisten und den Nazis.
Das Auswanderungsabkommen zwischen den radikalen Zionisten
und den Nationalsozialisten
Was die radikalen Zionisten von den Nazis erwarteten war, dafür
zu sorgen, dass die deutschen Juden nach Palästina auswanderten.
Auch die Nazis wollten die Juden so schnell wie möglich ausser Landes
wissen. Zu diesem Zweck wurde, kurz bevor die Nazis an die Regierung kamen,
ein Abkommen unterzeichnet, das die Auswanderung der deutschen Juden nach
Palästina sicherstellen sollte. Die Vereinbarung zwischen der der
WZO verbundenen Anglo-Palästina Bank und dem Reichsfinanzministerium
schuf die Möglichkeit, die Juden mit ihrem Vermögen nach Palästina
zu transferieren und sollte gleichzeitig einen Absatzmarkt für deutsche
Industriegüter erschliessen. Der irische Historiker und Politiker
Conor Cruise O’Brien berichtet über die Einzelheiten der Vereinbarung:
Mit Hilfe der am 25. August
1933 unterzeichneten Vereinbarung zwischen der Anglo-Palästina
Bank und der Deutschen Wirtschaftsbank sollte das jüdische Vermögen
dazu verwendet werden, die in Palästina erforderlichen Dinge zu
kaufen. Diese Vereinbarung wurde die Hauptstütze der offiziellen
Auswanderung der Juden. Nazis und Zionisten arbeiteten zusammen, um
sicherzustellen, dass die Juden einen Teil ihres Vermögens von
Deutschland nach Palästina bringen.
Im Jahre 1933 gründete die Anglo-Palästina
Bank in Tel Aviv ein Unternehmen mit dem Namen „Trust and Transfer
Office Ha’avara Ltd“. Unter der Führung von vier jüdischen
Bankern, aus Hamburg Max Warburg und M.M. Warburg und aus Berlin Siegmund
Wassermann und A.E. Wassermann, wurde in Berlin ein Ableger dieses Unternehmens
ins Leben gerufen. Die Aufgabe dieser ‘Palästina Treuhandstelle
zur Beratung Deutscher Juden‘ in Berlin war es, die mit den deutschen
Behörden bestehenden Probleme von auswanderungswilligen deutschen
Juden zu lösen.
Zwischen 1933 und 1939 verließen 50.000 Juden
Deutschland mit Hilfe von Ha’avara und wanderten nach Palästina
aus. In demselben Zeitraum wurden nahezu 63 Millionen Pfund Sterling
nach Palästina überwiesen... Die zwischen 1933 und 1936 in
Kraft getretene deutsche Politik dagegen unterstützte die Juden
in Palästina gegen die Araber.40
Durch das Auswanderungsabkommen wurde sowohl die Auswanderung der Juden
nach Palästina sichergestellt, als auch die Naziwirtschaft beruhigt,
die sich wegen des Boykotts in einer Notlage befand. Mit dem Vermögen
der auswandernden Juden wurden deutsche Industrieprodukte gekauft, diese
wurden in Palästina verkauft und mit dem dadurch erwirtschafteten
Gewinn das Geld, das die auswandernden Juden in Deutschland zurückließen,
ersetzt.
Einige Teile der zionistischen Vereinigung beließen es nicht dabei,
den jüdischen Boykott zu brechen, sondern wurden zur gleichen Zeit
im Nahen Osten und Nordeuropa zum größten Distributor für
Nazigüter. Das Trust and Transfer Office Ha’avara erhielt das
Recht, die nach Palästina gebrachten deutschen Waren zu verkaufen.
Mit dem Geld, das reiche deutsche Juden zur Verfügung gestellt hatten,
würde es in großem Stil Nazigüter ankaufen. Auf diese
Weise sicherte die WZO den Nazis im Nahen Osten das Zustandekommen von
breiten Verkaufsmöglichkeiten. Das deutsche Büro, das die Devisenangelegenheiten
regelte, veröffentlichte am 7. Dezember 1937 folgendes: “Der
auf Außenhandel basierende Transfer brachte von 1933 bis jetzt 70
Millionen Golden Mark Gewinn für Palästina.”
Die Beziehungen zwischen den radikalen Zionisten und den Nazis, insbesondere
das Auswanderungsabkommen Ha’avara, wurde in einigen Büchern
lang und breit ausgeführt. Zum Beispiel erörtert Lenni Brenner
in Zionism in the Age of Dictators (Zionismus im Zeitalter der
Diktatoren) das Ha’avara Auswanderungsabkommen. Die Bücher
des Israelis Moshe Shonfeld The Holocaust Victims Accuse: Documents
and Testimony on Jewish Criminals (Die Opfer des Holocaust klagen
an: Dokumente und Zeugnisse zu jüdischen Kriminellen) und des amerikanischen
Historikers Francis R. Nicosia The Third Reich and the Palestine Question
(Das Dritte Reich und die Palästinafrage) haben ebenfalls das Auswanderungsabkommen
zwischen Nazis und radikalen Zionisten zum Thema.
Auch die geheimen Archive der Wilhelmstrasse bergen ein vom Hitlerreich
und der jüdischen Agentur unterschriebenes Abkommen, das die Auswanderung
der deutschen Juden nach Palästina erleichtern sollte. Dieses Dokument
des deutschen Außenministeriums vom 22. Juni 1937 notiert folgendermaßen
die Gründung eines Judenstaates mit Hilfe der treibenden Kraft der
Nazis:
Diese deutsche Maßnahme, die
von den Bedingungen der Innenpolitik diktiert
wurde, wird ohne Zweifel hilfreich sein, das Judentum in Palästina
zu stärken und die Gründung eines jüdischen Staates in
diesem Land zu unterstützen.41
In dem gleichen Dokument wird betont, dass die jüdische Auswanderung
von Hitler koordiniert wurde und dass sich der deutsche Diktator persönlich
für dieses Thema interressierte.
Dies sind Informationen, die heute viele Menschen verwundern mögen.
Der Grund hierfür liegt in der sorgfältigen Verheimlichung dieser
interessanten Allianz durch die offizielle Geschichtsschreibung.
Die radikalen Zionisten und die Nazis bemühten
sich, diese Allianz zu verheimlichen, und beiden Seiten gelang es, ihre
Beziehungen vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu verbergen. Doch
konnte das Aufkommen von manchen Gerüchten nicht verhindert weden.
In dem Buch des amerikanischen Autors Edward Tivnan, The Lobby: Jewish
Poltical Power in US Foreign Policy (Die Lobby: Die Politische Macht
der Juden in der Außenpolitik der USA), in dem er den politischen
Einfluß der jüdischen Lobby untersucht, merkt er an, dass Gerüchte,
die Ende der 1930er Jahre unter amerikanischen Juden bezüglich der
Allianz zwischen einem Teil der Zionisten und der Nazis umliefen, große
Besorgnis erweckten.42
Das Auswanderungsabkommen wurde von 1933 bis zum Kriegsausbruch 1939
durchgeführt. In dieser Zeit wurden 60.000 deutsche Juden nach Palästina
gebracht. Der Grund für das Ende des Abkommens 1939 war nicht etwa
eine Meinungsverschiedenheit der Vertragsparteien, sondern die Tatsache,
dass die deutschen Schiffe unter Kriegsbedingungen nicht mehr das unter
englischem Mandat stehende Palästina anlaufen konnten.
In einem Bericht des deutschen Innenministeriums, der im Dezember 1937
veröffentlicht wurde, werden die Ergebnisse des Ha’avara Abkommens
folgendermaßen bewertet:
Es gibt keinen Zweifel, dass das
Ha’avara Abkommen großen Anteil an der Entwicklung Palästinas
zwischen 1933 und heute hat. Dank des Abkommens wurden nach Palästina
sowohl die größten Geldquellen wie auch die intelligenten und
intellektuellen Menschen geleitet. Die Maschinen und Industrieprodukte,
die für die Entwicklung des Landes notwendig sind, wurden wiederum
von Ha’avara gebracht.43
Was die Vereinbarung unterbrach, war der Ausbruch des
2. Weltkrieges. Andernfalls hätte sich die durch die Zusammenarbeit
von Nazis und radikalen Zionisten in Gang gebrachte jüdische Auswanderung
fortgesetzt und gesteigert. Denn in den Jahren 1938 und 1939 war die Zahl
der auswandernden Juden gegenüber früher angestiegen und im
Oktober 1939 wurde beschlossen, 10.000 deutsche Juden nach Palästina
zu schicken. Doch mit Kriegsausbruch im September 1939 wurde dies unmöglich.
Dennoch wurde das Ha’avara Abkommen bis 1941 mit Unterbrechungen
durchgeführt. Die deutschen Juden wurden als Folge der Zusammenarbeit
zwischen Nazis und den radikalen Zionisten zu Palastina transferiert und
dies bildet 15 % der gesamten jüdischen Bevölkerung von Palastina
zu dieser Zeit. Doch auch die wirtschaftlichen Ergebnisse von Ha’avara
waren bedeutend. Der Historiker Edwin Black schreibt in seinem Buch The
Transfer Agreement (Das Transferabkommen), dass das Abkommen in Palästina
zu einer “wirtschaftlichen Explosion führte
und einen großen Beitrag zur Gründung des israelischen Staates
leistete”.44
 |
Links sind zwei Gestapobedienstete
zu sehen, die verantwortlich für den Transfer der Juden nach
Palästina waren. Im Untertitel des Propagandabuches mit dem
Titel “Pillar of Fire” steht folgendes geschrieben:
“Ein Journalist der amerikanischen Zeitschrift “The
Saturday Evening” schrieb, dass Gestapoeinheiten die Juden
beunruhigten und ihnen damit drohten, sie in Sammellager zu schicken,
wenn sie Deutschland nicht verlassen. Auf die Frage der wehrlosen
Juden “Wohin können wir denn gehen” antwortete
die Gestapo “Nach Palästina”. Denjenigen, die
zustimmten erhielten Hilfe beim Transfergeld und den Visaangelegenheiten...” |
Die Nürnberger Rassengesetze
Während die Nazis mit einigen Zionisten ein gemeinsames Programm
durchführten, um die deutschen Juden zur Auswanderung zu veranlassen,
wurde andererseits gleichzeitig eine Politik praktiziert, die das Rassenbewußtsein
der deutschen Juden steigern sollte. Lenni Brenner betont in seinem Buch
Zionism in the Age of Dictators häufig, dass sich diese
Zionisten sehr über die rassistische Politik der Nazis freuten. Ganz
zu Beginn stehen dabei zum Beipiel die 1935 erlassenen Nürnberger
Gesetze, die unter anderem die Heirat zwischen Deutschen und Juden verboten.

Die antisemitische Politik der Nazis zwang die deutschen Juden
tatsächlich zur Auswanderung aus ihrem Land, ebenso wie es
sich die radikalen Zionisten ausgerechnet hatten. Die Vereinbarung
zur Auswanderung, die zwischen den rassistischen Zionisten und
den Nazis praktiziert wurde, verlangte von den Juden, die das
Land verlassen wollten die Garantie dafür, nicht irgendwohin
zu gehen, sondern nach Palästina. Oben sind Juden vor einem
offiziellen Auswanderungsbüro in Deutschland zu sehen, die
sich 1939 bemühten, nach Palästina auszuwandern. |
Die im September 1935 in Nürnberg veröffentlichten Gesetze
zielten darauf ab, die Juden innerhalb der deutschen Gesellschaft wirksam
zu isolieren. Mit der Verordnung mit der Überschrift “Gesetz
zum Schutz deutschen Blutes und deutscher Ehre” wurden die Juden
zu Parias, die ihrer sozialen Rechte beraubt waren. Den Juden wurde verboten,
in Ämtern, als Lehrer, Journalist oder Bauer zu arbeiten und sie
durften auch nicht bei Radio, Theater oder Film beschäftigt sein.
Darüber hinaus war es für Juden verboten, die deutsche Flagge
zu hissen. All dies war das Produkt einer Geisteshaltung, die der Ansicht
war, dass Juden keinesfalls Deutsche sind. Diese Geisteshaltung wurden
ebenso wie von den Nazis auch von einigen Zionisten geteilt.
Brenner überliefert bezüglich der Nürnberger
Gesetze die interessante Bewertung von Alfred Berndt, eines Journalisten.
der damaligen Zeit. Berndt erinnerte daran, dass die Jüdische Weltorganisation
WZO nur zwei Wochen vor der Veröffentlichung der Gesetze eine Deklaration
an das Judentum dieser Welt herausgegeben hatte, und dazu diese aufrief
nicht zu vergessen, dass Juden eine besonders gesonderte Nation und ein
auserwähltes Volk seien, wo immer sie auch lebten.
“Was Hitler tat, war den Juden einen rassistischen Minderheitenstatus
zu geben und damit den Wünschen der WZO zu entsprechen.”
Lenni Brenner sagt, dass es im Nazideutschland deshalb nur “erlaubt
war, zwei Flaggen zu hissen”: Die Naziflagge mit dem Hakenkreuz
und die blau-weiße Flagge mit dem Stern Zions in der Mitte!45Zur
gleichen Zeit interpretierte der amerikanische Zionistenführer, der
Rabbiner Stephen Wise, in seinem eigenen Presseorgan Congress Bulletin
dieses Thema folgendermaßen:
Der
Nationalsozialismus entdeckte dank seines größten Wunsches,
der darin bestand, sich von den jüdischen Elementen innerhalb der
deutschen Nation zu befreien, seine ‘Verwandtschaft’ zum
Zionismus. Aus diesem Grunde wurde der Zionismus innerhalb der Reichsgrenzen
neben der Nazipartei zur einzigen legalen Partei. Die zionistische Flagge
ist innerhalb der Reichsgrenzen neben der Naziflagge die einzige legale
Flagge.46

Die Nürnberger Gesetze, die die Juden völlig von der
deutschen Gesellschaft isolierten, vergrößerte für
einige extreme Zionisten Vertrauen und Glauben an die Nazis. Oben
ist Hitler bei einer Massenveranstaltung in Nürnberg zu sehen.
|
Lenni Brenner nennt die diesbezügliche Politik
der Nazis “Philo-Zionismus” (Zionismusfreundlichkeit) und
schreibt, dass die Nazis die radikalen Zionisten in fast allen Belangen
unterstützten. Zum Beispiel erliessen die Nazis eine Reihe von Gesetzen
um die Juden vor der Assimilierung zu retten und deren eigene rassische
Identität im Bewusstsein zu verankern. Ein 1936 erlassenes Gesetz
verbot den Rabbinern bei den Gottesdiensten in den Synagogen Deutsch zu
sprechen und zwang sie, Hebräisch zu sprechen. Dies war eine große
Hilfe für einige Zionisten, die die Juden, die sie in Palästina
versammelten dazu zwang, eine fast in Vergessenheit geratene Sprache,
nämlich Hebräisch zu sprechen.47
Doch die Bemühungen der Nazis, das Rassenbewußtsein der Juden
zu steigern war darauf nicht beschränkt. Brenner zufolge unterbreitete
im Frühjahr 1934 der Generalstab, der Heinrich Himmler, SS-Chef und
dem nach Hitler stärksten Mann in Nazideutschland nahestand, einen
Bericht. Dieser Bericht mit der Überschrift ‘Situationsbericht
– die Judenfrage’ teilte mit, dass sich viele deutsche Juden
immer noch als Deutsche fühlten und machte zur Lösung dieses
Problems einige Vorschläge. Brenner schreibt folgendes:
Um den Widerstand der Juden zu brechen,
die Deutsche bleiben wollen, steht im Bericht geschrieben, dass es erforderlich
ist, deren kulturelle Identität zu betonen. Deshalb wird vorgeschlagen
in systematischer Weise jüdische Schulen einzurichten, hebräische
Kunst- und Musikveranstaltungen zu fördern und sportliche Aktivitäten
durchzuführen.48
Nach Brenner wurde in der Nacht des 27. Oktober 1938 bei einer antijüdischen
Demonstration in Hannover von Hitlers SA mit großer Beharrlichkeit
die Parole “Juden Raus! Auf nach Palästina!” skandiert,
die sich daraufhin im ganzen Land ausbreitete. Dies zeigt, , wie gut sich
manche Zionisten, mit den Nazis verstanden.
Die Zusammenarbeit zwischen der SS und den radikalen
Zionisten
Die Heinrich Himmler unterstehende SS (Schutzstaffel), die besonders
auf Hitler eingeschworen war, gilt als die loyalste, schlagkräftigste
und brutalste Organisation der Nationalsozialisten.Lenni Brenner stellt
die Beziehungen, die die SS mit einigen Zionisten hatte, folgendermaßen
dar:
 
Goebbels, der Verantwortliche für die Nazipropaganda veröffentlichte
in dem Nazimagazin “Der Angriff” eine lange Aufsatzreihe,
die den Zionismus lobte; außerdem war er derjenige, der
die Medaille bestellte, auf deren eine Seite das Hakenkreuz und
auf der anderen Seite der Stern Zions abgebildet ist.
Auch der Chef des SS Sicherheitsdienstes, Heydrich, war ein Freund
des radikalen Zionismus. (rechts)
|
Im Jahr 1934 wurde die SS zum zionistenfreundlichsten
Flügel innerhalb der Nazipartei. Die übrigen Nazis sagten, dass
sie den Juden gegenüber viel zu ‘weich’ sei. Der SS Offizier
Baron von Mildenstein war von seiner sechsmonatigen Palästinareise
als ein begeisterter Sympatisant des Zionismus zurückgekehrt. Nach
kurzer Zeit wurde er zum Leiter der Judenabteilung beim Sicherheitsdienst
der SS. Er begann Hebräisch zu lernen und hebräische Schallplatten
zu hören; während der Palästinareise mit dem Zionistenfreund
Kurt Tuchler fand er großen Gefallen an jüdischer Musik. In
der SS Kasernen waren Landkarten aufgehängt, die die schnelle und
erfreuliche Verbreitung des Zionismus in Deutschland anzeigten.49

Die Aufsatzreihe des SS Offiziers von Mildenstein in dem Naziblatt
“Der Angriff”, in dem er den radikalen Zionismus lobt:
“Ein Nazi fährt nach Palästina”
|
Mildenstein beließ es nicht nur dabei, Aufsätze
zu verfassen, die den radikalen Zionismus lobten, sondern er überzeugte
auch Goebbels und stellte sicher, dass in Der Angriff, der vorangigen
Zeitung der Nazis eine 12-teilige Aufsatzreihe veröffentlicht wurde,
die den rassistischen Zionismus mit Lob überschüttete. Diese
Reihe wurde zwischen dem 26. September und 9. Oktober in Der Angriff
veröffentlicht. Dabei wurden die Bemühungen des radikalen
Zionismus in Palästina lobend hervorgehoben. Den Verfassern zufolge
hatte der radikale Zionismus gezeigt, wie die Judenfrage für die
SS zu lösen sei. Mildenstein sagte “Der neue
Jude, der seinen Boden selbst reformiert, wird ein ganz neuer Jude sein”.
Goebbels ließ, um dem Baron zu seiner Entdeckung zu gratulieren,
eine Medaille anfertigen deren eine Seite das Hakenkreuz zeigte, die andere
jedoch den sechszackigen Stern Zions.50
Im Mai 1935 verfasste Reinhard Heydrich, zu dieser Zeit Chef des SS Sicherheitdienstes,
in dem offiziellen Nachrichtenmagazin der SS Das Schwarze Korps
einen Aufsatz, der den rassistischen Zionismus lobte. Heydrich schrieb,
dass es unter den Juden zwei grundlegende Gruppen gebe und dass die radikalen
Zionisten wie sie selbst über rassistisches Gedankengut verfügten.
Ihm zufolge waren die Assimilationisten gefährlich, doch war es auf
der anderen Seite nur logisch, mit den rassistischen Zionisten zusammenzuarbeiten.
Am Ende des Schreibens verfasste er gefühlsbetonte Mitteilungen an
die Juden, die so dachten wie er:
Nicht mehr fern ist die Zeit, in
der sie endlich die Töchter und Söhne erreichen werden, die
sich jahrtausendelang nach Palästina sehnten. Zusammen mit meinen
besten Wünschen biete ich ihnen auch unsere offizielle Unterstützung
an.51
Radikal Zionistische SS-Spione und SS-Waffen für
diese Zionisten!..
Nach kurzer Zeit wurden zwischen der SS und einigen der bewaffneten
jüdischen Organisationen enge Beziehungen geknüpft. Eine der
wichtigsten Organisationen war die Haganah, der bewaffnete Arm der Jewish
Agency in Palästina. Sie wurde mit der Gründung des israelischen
Staates zum Kern des israelischen Militärs. Die ehemaligen israelischen
Führern Moshe Dayan und Yithzak Rabin waren Mitglieder der Haganah..
Im Jahr 1937 begannen geheime Unterredungen zwischen der Haganah und dem
Sicherheitsdienst (SD) der SS. Am 26. Februar kam der palästinensische
Agent der Haganah, Feivel Polkes, heimlich nach Berlin und traf sich mit
dem SS Offizier Adolf Eichmann, der der Verantwortliche des SD für
die jüdische Auswanderung war. Eichmann war ebenso wie sein Vorgesetzter
Baron von Mildenstein ein begeisterter und radikaler Zionistensympatisant,
der die Schriften Herzls las und Hebräisch lernte. Die Aufzeichnungen
der Gespräche zwischen Eichmann und Polkes wurden Franz-Albert Six,
dem Vorgesetzten Eichmanns als Bericht vorgelegt. Diesem Dokument zufolge,
das nach dem Krieg in den SS Archiven aufgefunden wurde, erwähnte
Polkes, dass die radikalen Zionisten den Naizs neue Ölquellen erschließen
könnten und die zahlenmäßig erhöhte Fortsetzung der
jüdischen Auswanderung von Deutschland nach Palästina wünschten.
Six fand Gefallen an den Worten Polkes und beschloß die Beziehungen
zu einigen Zionisten auszubauen. Der SS Kommandant fasste seine Gedanken
zu diesem Thema in folgende Worte:
Wir können einige Anordnungen
treffen, die sicherstellen, dass die aus Deutschland auswandernden Juden
nicht in ein anderes Land, sondern nur nach Palästina gehen. Ein
solches Unternehmen würde den deutschen Interessen entsprechende
Ergebnisse zeitigen. Dies ist ohnehin ein Teil der neuesten Anordnungen
der Gestapo. Die Entwicklung einer jüdischen Mehrheit in Palästina,
von der Polkes sprach, kann dank dieser Anordnungen verwirklicht werden.52
Der Gegenbesuch von Polkes Treffen in Berlin fand noch im gleichen Jahr
statt. Am 2. Oktober erreichte ein Passagierschiff mit Namen Romania
den Hafen von Haifa. Auf der Passagierliste waren zwei “Journalisten”
verzeichnet. Doch es waren SS Offiziere: Herbert Hagen und Adolf Eichmann.
Unmittelbar nach dem Ausbooten trafen sie sich mit Reichert, dem Naziagenten
in Palästina, und ein paar Stunden später mit Feivel Polkes,
dem engen Freund von der Haganah. Polkes brachte die beiden SS-Leute zu
einem neugegründeten Kibbuz. Ein Kibbuz ist ein kommunales landwirtschaftliches
Gut, wie sie von den nach Israel ausgewanderten Juden gegründet wurden.
Eichmann war von seinen Eindrücken sehr bewegt. In seinen Erinnerungen,
die er Jahre später in Argentinien auf Band sprach, berichtete er
folgendermaßen über seine Reiseeindrücke:
Ich bewunderte den Aufbau der Heimat
durch die jüdischen Kolonisten. Da auch ich ein Idealist bin, beeindruckten
mich ihre Entschlossenheit und ihr Ehrgeiz. Den Juden, denen ich in späteren
Jahren begegnete, sagte ich stets folgendes: Wenn ich Jude wäre,
wäre ich unbedingt ein fanatischer Zionist geworden. Eine andere
Möglichkeit kann ich mir nicht vorstellen. Ohne den geringsten Zweifel
wäre ich der hitzigste Zionist geworden.53
Im Verlauf dieses Treffens zwischen dem Haganah-Mitglied Polkes und
den SS-Leuten sagte Polkes folgendes bedeutende Wort: “Radikal-nationalistische
jüdische Kreise empfinden eine tiefe Sympatie für die radikale
deutsche Politik. Es wird gesagt, dass sich in Palästina deshalb
eine jüdische Mehrheit entwickeln kann.” Die engen Beziehungen
zwischen der SS und den radikalen Zionisten waren zweifellos auch für
die höchste Ebene, also die des “Führers” gültig.
An einem der ersten Tage des Jahres 1938 rief Otto von Henting, der jahrelang
Vermittler zwischen den Nazis und den radikalen Zionisten gewesen war,
seine zionistischen Freunde an und überbrachte die gute Nachricht,
dass “sich der Führer besonders für dieses Thema interessiert
und den dringenden Befehl gab, alle Hindernisse aus dem Weg zu schaffen,
die die Auswanderung nach Palästina verlangsamen.”
Die Unterstützung, die die Nazis einigen Zionisten
zukommen liessen, ging sogar so weit, dass sie die Militanten, die gegen
die Araber Palästinas kämpften, mit Waffen ausstatteten. Francis
R. Nicosia schreibt in seinem Buch, The Third Reich and the Palestine
Question, dass der Haganahvon der SS gegen die Araber Waffenhilfe
geleistet wurde.54
Die Behinderung der Flucht der Juden durch die radikalen
Zionisten
In seinem Buch Zionism in the Age of Dictators schreibt Lenni
Brenner:
Nachdem ein bedeutender Teil der deutschen Juden Palästina
nicht mochte, sollte angenommen werden, dass die Zionisten ihren Brüdern
andere sichere Zufluchtsstätten fanden. Doch dem war nicht so..55
Tatsächlich unternahmen die radikalen Zionisten nichts, um die
deutschen Juden vor der Vernichtung durch die Nazis zu retten. Selbst
als die Gerüchte über den Holocaust sich verdichteten, änderten
die radikalen Zionisten ihr Verhalten nicht. Darüber wurden sogar
zahlreiche Filme gedreht.
Im Vorwort des Buches von David S. Wyman L’Abandon des Juifs
(Die im Stich gelassenen Juden) schreibt der berühmte jüdische
Schriftsteller Elie Wiesel, dass es manche zionistische Führer unterlassen
hatten, das jüdische Volk zu retten:
Die Juden wurden im Stich gelassen... Doch es gibt noch ein anderes
trauriges und den Menschen in die kochende Wut treibendes Ergebnis:
Die großen jüdischen Organisationen und bedeutende Personen
der jüdischen Gemeinschaft wollten keine Rettungsfront gründen.
Wyman bestätigt die Ansicht Elie Wiesels auf den hinteren Seiten
seines Buches:
Keine der jüdischen Organisationen Amerikas sprach von einer Operation
zur Rettung der Juden. Niemand, insbesondere nicht die jüdischen
Gemeinschaften wollten die Juden retten... B’nai B’rith wollte
bei einer im Januar 1943 in Pittsburg abgehaltenen Versammlung die gesamte
Kampagne, die zur Rettung der Juden unternommen worden war, zu einer Kampagne
zur Gründung eines Judenstaates in Palästina umfunktionieren...
Im Jahr 1938 erklärte David Ben Gurion, der nach Weizmann der zweite
Mann der WZO war und später der erste Präsident Israels wurde
in einer Rede, die er bei der “Versammlung der sozialistischen Arbeiter”
in England hielt, die Logik der radikalen Zionisten folgendermaßen:
Wenn ich wüßte, dass alle jüdischen
Kinder aus Deutschland zu ihrer Rettung entweder nach England oder nach
Palästina gebracht werden, dann würde ich die zweite Möglichkeit
wählen..56
Interessant daran ist jedoch nicht, dass die radikalen Zionisten absolut
nichts unternahmen, um die Juden zu retten. Das interessante ist, dass
die radikalen Zionisten die Auswanderung der deutschen Juden in ein drittes
Land außer Palästina verhinderten.
Im Jahr 1943 versucht ein radikaler Zionist, der Rabbiner Stephen Wise,
der Sprecher des Zionismus in Amerika, die Rettung der deutschen Juden
zu verhindern: Er hält vor dem Kongress der Vereinigten Staaten eine
Rede gegen “den Plan zur Rettung der Juden, die in Europa vom Tode
bedroht sind”. Wiederum der gleiche Stephen Wise verteidigte 1938
in einem Brief, den er als Leiter des Jüdischen Kongresses Amerikas
(AJC) verfasste, die Nichtanerkennung des Auswanderungsrechtes des jüdischen
Volkes nach Amerika. Wise sagte, dass er gegen jede Gesetzesänderung
sei, die “den Juden ein Zufluchtsrecht in Amerika zubilligt”.
 |
Die Zionistische Weltorganisation (WZO) gründete eine
bewaffnete Organisation namens Haganah um gegen die Araber in
Palästina zu kämpfen. Auf dem Foto aus dem Jahr 1938
sind drei bedeutende Führer einer Sondereinheit der Haganah
zu sehen: (v.l.n.r.) Mosche Dayan, Yithzak Sadeh und Yigal Allon.
Nach der Gründung des israelischen Staates wurde Haganah
zum Kern des israelischen Heeres. Dayan und Allon dagegen übernahmen
in den folgenden Jahren das Amt des Außenministers.
Doch nicht alles über Haganah ist bekannt: Ein Teil der
Waffen, die gegen die Araber eingesetzt wurden, stammte von
den Nazis.
|
Ebenso wie in Amerika wurden die Türen für
die deutschen Juden auch in England von den radikalen Zionisten geschlossen.Um
den in Schwierigkeiten befindlichen Juden ein Zufluchtsrecht auf britischem
Boden zu gewährleisten, unternahmen 277 Mitglieder des englischen
Parlaments einen Aufruf an ihre Regierung. Doch der Vorschlag der Nichtjuden
zur Rettung der Juden rief den Zorn der zionistischen Anführer hervor:
Während am 27. Januar 1943 fast einhundert christliche Parlamentarier
des englichen Parlaments diskutierten, was zur Rettung der Juden zu unternehmen
sei, konnte ein zionistischer Sprecher aufstehen und sagen, dass er prinzipiell
gegen diese Antrag sei, da dieser nicht die notwendigen Vorbereitungen
zur Kolonialisierung Palästinas enthält.57
 
Während die radikalen Zionisten die Zusammenarbeit mit der
SS fortsetzten, waren zahlreiche unschuldige Juden der Unterdrückung
durch die Nazis ausgesetzt. |
Die radikalen Zionisten hatten eine schlichte Logik zur Verhinderung
der Flucht der Juden vor den Nazis. Wenn Amerika oder England die Türen
für die Juden öffneten, dann würden mit großer Wahrscheinlichkeit
neben den von den rassistischen Zionisten nicht gewünschten ungebildeten
deutschen Juden auch die gebildeten Juden in diese Länder abwandern,
um deren Auswanderung nach Palästina sie sich ja so sehr bemühten.
Um also ihre Zielgruppe nach Palästina zu bringen, verurteilten sie
die anderen deutschen Juden zur Unterdrückung durch die Nazis.
Zweifellos war dies ein Verrat am eigenen Volk. Einer derjenigen, der
dies erkannte, war der slowakische Rabbiner Dov Michael Weissmandel, der
diese Ereignisse kommentierte. Weismandel bemühte sich während
der gesamten Kriegszeit, die Juden vor der Unterdrückung durch die
Nazis zu retten, doch seine Bemühungen wurden von den radikalen Zionisten
behindert. Vor allem die von den radikalen Zionisten verbreiteten Informationen
über den Holocaust an den Juden erbitterten ihn aufs Heftigste. In
einem Brief, den er im Juli 1944 an die Anführer der radikalen Zionisten
schreibt, begehrt er folgendermaßen auf:
Warum habt ihr bis jetzt nichts
unternommen? Wer ist er Verantwortliche dieser schrecklichen Fahrlässigkeit?
Seid das nicht ihr? Unsere jüdischen Brüder!.. Nachdem ihr den
Ereignissen mit so kaltblütiger Schweigsamkeit zuschauen könnt,
seid ihr keine Menschen, ihr seid Mörder, denn während ihr die
Vernichtung jüdischer Menschen in diesem Moment, in dieser Stunde
stoppen oder verzögern könntet, sitzt ihr mit gefalteten Händen
und tut nichts. Ihr, meine Brüder, Söhne Israels, habt ihr den
Verstand verloren? Bemerkt ihr denn nicht die Hölle, die uns umgibt?
Für wen hebt ihr euer Geld auf? .. .Für die Mörder?58
Weismandel hatte eine starke Vorahnung. Denn tatsächlich hoben
die radikalen Zionisten ihr Geld für die Mörder auf, denn wie
wir auf den vorherigen Seiten darlegten, ließen sie den Nazis große
finanzielle Unterstützung zukommen. Sie glaubten, dass es für
die Gründung eines jüdischen Staates notwendig sei, mit den
Feinden der Juden zusammenzuarbeiten.
Mussolini, der italienische Faschismus und die radikalen Zionisten
Die radikalen Zionisten beließen es nicht dabei, nur mit den Nazis
eine Allianz einzugehen. Die Bewegung wollte Juden aus ganz Europa und
der gesamten Welt nach Palästina bringen. Aus diesem Grund wurden
in den 1930er und 1940er Jahren in zahlreichen Ländern außerhalb
Europas geheime Beziehungen zwischen radikalen Zionisten und faschistischen
Kräften geknüpft. Eines der interessantesten Beispiele hierfür
ist die Beziehung zu Mussolini, dem wichtigsten Verbündeten Hitlers.
Mussolini, der in 1922 die Regierung in Italien an sich gerissen hatte
und ein totalitäres Sytem, den Faschismus, praktizierte, interessierte
sich lebhaft für den Nahen Osten. Einer der Gründe für
die Besetzung Abessiniens war der Aufbau eines neuen italienischen Einflusses
auf dem Boden des alten Römischen Reiches. Hierbei konnte Mussolini
das Palästinaproblem keinesfalls übersehen. Und so war es auch.
Der faschistische Diktator interessierte sich für Palästina
und stellte sich in eine Reihe mit den radikalen Zionisten. Er war sich
bewußt, dass der radikale Zionismus eine bedeutende Kraft darstellte
und rechnete damit, nach dem Krieg Englands Einfluss auf ihn übernehmen
zu können.
 |
Der Rabbiner Dov Michael Weismandel rief den radikalen Zionisten
zu: “Unsere jüdischen Brüder! Nachdem ihr diesem
so kaltblütig und schweigend zusehen könnt, seid ihr
keine Menschen, sondern Mörder. Denn während ihr die
Vernichtung jüdischer Menschen in diesem Moment und zu
dieser Stunde aufhalten oder verzögern könntet, sitzt
ihr mit verschränkten Armen und unternehmt überhaupt
nichts. Ihr unsere Brüder, ihr Söhne Israels, habt
ihr eueren Verstand verloren? Bemerkt ihr denn nicht die Hölle,
die uns umgibt? Für wen hebt ihr euer Geld auf? Für
die Mörder?”
|
Lenni Brenner beschreibt in seinem Buch Zionism in the Age of Dictators
detailliert die Beziehungen zwischen Mussolini und den radikalen
Zionisten. Demzufolge waren die Juden ein wichtiger Faktor in der Partei
Mussolinis. Unter den Gründern der faschistischen Partei Mussolinis
befanden sich fünf Juden. In den folgenden Jahren machte Mussolini
einen Juden zum Chef der italienischen Handelsbank, der Banca
Commerciale Italiana. Auch die beiden Außenminister Mussolinis,
Sidney Sonnino und Carlo Schanzar waren jüdischer Herkunft.
In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre fanden Treffen zwischen einigen
Vertretern der WZO und Mussolini statt. Doch gibt es keine Protokolle
über diese Unterredungen. Auch Weizmann, der sich mit Mussolini traf,
bemühte sich, dieses Thema zu verbergen. Lenni Brenner schreibt auf
Seite 39 seines Buches, dass die Erinnerungen Weizmanns Mussolini betreffend
“absichtlich verschleiert sind oder sogar auf die falsche Spur führen”.
Doch gibt es keinen Zweifel, dass sich Weizmann und Mussolini recht gut
verstanden. Am 17. September 1926 wurde Weizmann zu einer Unterredung
mit dem „Duce“ nach Rom gerufen. Mussolini sagte in der Unterredung
den radikalen Zionisten wirtschaftliche Hilfe in Palästina zu, und
unmittelbar darauf erschienen in der italienischen Presse Artikel, die
den radikalen Zionismus lobten. Einen Monat später traf sich der
zweite Mann der WZO, Nahum Sokolow mit dem italienischen Diktator, und
Mussolini betonte ein weiteres Mal seine Unterstützung für den
radikalen Zionismus.
Doch die Beziehungen, die Mussolini zu von der Zionistischen Weltorganisation
abweichenden einigen Zionisten unterhielt, waren noch umfassender und
ergiebiger. Brenner beschreibt diese Beziehungen sowohl in seinem Buch
Zionism in the Age of Dictators wie auch in The Iron Wall:
Zionist Revisionism from Jabotinsky to Shamir (Der Eiserne Vorhang:
Zionistischer Revisionismus von Jabotinsky bis Schamir). Demzufolge waren
die genannten Zionisten, nachdem sie sich von der WZO getrennt hatten,
auf der Suche nach einem neuen Verbündeten, der England ersetzen
sollte. Italien war hierfür die beste Addresse. Jabotinsky träumte
innerhalb der Allianz mit Italien von einer neuen mediterranen Ordnung.
In einer Rede von 1935 sagte er “Wir wollen ein jüdisches Imperium;
ebenso wie es am Mittelmeer ein italienisches Imperium gibt, muss es im
Osten ein jüdisches geben.” Dieses jüdische Imperium sollte
Palästina und Jordanien enthalten und Grenzen besitzen, die teilweise
Ägypten und den Irak umfassten.

Mussolini war der wichtigste Verbundete Hitlers. Sie verteidigten
die gleiche Ideologie. Gemeinsam hatten sie den “Stahlpakt”
gegründet und sich während des 2. Weltkrieges gegenseitig
unterstützt. Auch beim Thema des radikalen Zionismus war
die Politik der beiden Faschisten, die einander so ähnlich
waren, identisch. Dies ging so weit, dass die Militanten der zionistischen
Betar Vereinigung gemeinsam mit den ‘Schwarzhemden’
genannten faschistischen Einheiten des “Duce” ausgebildet
wurden. |
Mussolini stand den unter Jabotinskys Führung stehenden Zionisten
mit großem Wohlwollen gegenüber. Er bezeichnete sie als “die
Faschisten Zions”. Im November 1934 wurde mit einem Befehl Mussolinis
in einem der Miliz der faschistischen Partei gehörenden militärischen
Ausbildungslager in Civitavecchia ein Bereich für die Betar genannte
Miliz der zionistischen Revisionisten bereitgestellt. Die Miliz der Betar
erhielt dort lange Zeit eine gemeinsame Ausbildung mit den Schwarzhemden
und wurde dann nach Palästina geschickt um in den Reihen der Irgun
zu kämpfen.
Jabotinsky und seine Anhänger hatten sich längst mit dem Faschismus
angefreundet. Abba Achimeir und Wolfgang von Weisl, hochrangige Angehörige
der Bewegung, sagten selbst, dass Jabotinsky zum „Duce“ (Führer)
geworden war. Jabotinsky wünschte, den zionistischen Jahreskongress
unter seiner Führerschaft in der Stadt Triest des faschistischen
Italien abzuhalten; doch wurde von dem Kongress abgesehen, da man glaubte,
er würde eine zu große Reaktion in der öffentlichen Meinung
westlicher Länder hervorrufen.
Es muss angemerkt werden, dass die Zionisten unter
Jabotinsky auch große Bewunderung für Hitler und die Nazis
empfanden. Abba Achimeir, einer der hochrangigen Mitglieder der Bewegung,
sagte in einer Rede folgendes: “Ja, wir Revisionisten empfinden
für Hitler große Bewunderung. Hitler hat Deutschland gerettet.
Wenn er nicht wäre, würde das Land spätestens in vier Jahren
zusammenbrechen.”59
Ihre Sympatie für die Nazis war den Betreffenden bereits rein äußerlich
anzusehen. Die Betar-Mitglieder hatten sich für ihre eigenen Uniformen
von den braunen Uniformn der SA Hitlers inspirieren lassen.
Zur gleichen Zeit, als die radikalen Zionisten ihre Beziehungen zu Hitler
und Mussolini aufbauten, entstand eine dritte Verbindungzu Francisco Franco,
dem spanischen Diktator. Franco, der in Spanien 1939 als Ergebnis des
Bürgerkrieges mit den Republikanern an die Macht kam, und seine eigene
Version des Faschismus, genannt Falangismus praktizierte, erhielt große
Unterstützung von Hitler und Mussolini. Deshalb stellten sich die
Zionisten auch bei Franco vor. Es ist bekannt, dass sich unter den Franco
bekämpfenden Republikanern zahlreiche Juden befanden, doch waren
dies alles assimilationistische Juden. Denn die radikalen Zionisten unterstützten
– wie Lenni Brenner betont – niemals die Juden, die Franco
bekämpften, sondern begegneten diesen Juden ganz im Gegenteil mit
großer Unnachsichtigkeit.
Dies alles ist das tatsächliche Bild der Beziehungen zwischen dem
Trio Hitler-Mussolini-Franco und den radikalen Zionisten. Doch die Rassisten
in Europa bestanden nicht nur aus Hitler oder Mussolini. Von Spanien bis
Österreich und von Polen bis Rumänien gab es in zahlreichen
europäischen Ländern immer weiter erstarkende faschistische
Kräfte, die sich Hitler oder Mussolini als Beispiel nahmen. Dies
war für den rassistischen Zionismus gleichbedeutend mit neuen Alliierten.
Allianzen mit den Antisemiten Österreichs, Rumäniens
und Japans
Die Juden machten in Österreich 2,8% der Bevölkerung
aus. Doch auch in diesem Land hatte sich nach dem 1. Weltkrieg ein starker
Antisemitismus entwickelt. Die Mehrheit der Juden stimmte für die
Sozialdemokraten. Demgegenüber entwickelte sich, insbesondere unter
dem Einfluß Hitlers, eine starke antisemitische Neigung. Engelbert
Dollfuss, der Parteiführer der christsozialen rechten Partei und
gleichzeitig Kanzler, sowie Kurt von Schuschnigg, der ihm nach dessen
Tod nachfolgte, gaben parallel zu den Nazis antijüdische Gesetze
heraus. Die Assimilationisten waren von diesem Tun überaus beunruhigt.
Die rassistischen Zionisten jedoch waren, wie nicht anders zu erwarten,
sehr zufrieden mit dem Erstarken des Antisemitismus in Österreich.
Der Präsident der WZO, Nahum Sokolov, benutzte für den antisemitischen
Kanzler Dollfuss den Ausdruck: “…einer der Freunde des Zionismus,
der kein Jude ist”.60
Der „Zionistenfreund“ Dollfuss begann ab Mitte der 1930er
Jahre antisemitische Gesetze zu verabschieden. Für Juden war es verboten,
hochrangige Regierungsämter zu übernehmen. Im Jahr 1935 veröffentlichte
die Regierung, dass keine jüdischen Kinder mehr gemeinsam mit Christen
unterrichtet werden sollten. Natürlich reagierten die assimilationistischen
Juden auf diesen Ghettosierungsbeschluss. Robert Stricker, der einzige
Jude, der in das österreichische Parlament gewählt werden konnte,
und einer der Anführer der radikalen zionistischen Bewegung, teilte
der Regierung die große Freude der Zionisten über diesen Beschluss
mit.
Die Assimilationisten liessen auf diese Ereignisse hin verlauten, dass
sich in dem Land ein gefährlicher Antisemitismus entwickele. Doch
schon nach kurzer Zeit schrieb das Nachrichtenorgan der Zionistischen
Föderation Österreichs, Die Stimme, “Wir halten
die Behauptungen für eine Lüge, die sagen, dass in Österreich
Druck auf die Juden ausgeübt wird”, und stärkte so der
antisemitischen Regierung den Rücken. Brenner zufolge erhielt die
österreichische Regierung in den Tagen, in denen sie neue juristische
Beschränkungen für die Juden erliess, die benötigte Wirtschaftshilfe
dank der Unterstützung mancher Zionisten.

Oben ist Mussolini 1934 während eines Besuches in der Stadt
Bari zu sehen, in der sich ein von den radikalen Zionisten gegründetes
Zentrum befand. Auf den Plakaten vor dem “Duce” steht:
“In Palästina wird eine reine und starke jüdische
Generation geboren, die der zionistischen Rennaisance würdig
ist.” |
Ähnliches geschah auch in Rumänien. Der Anteil der Juden an
der rumänischen Bevölkerung lag bei 5,4%. Das Land war traditionell
antisemitisch und die Judenfeindlichkeit stieg in der Atmosphäre
des 2. Weltkrieges weiter an. In den 1920er gab es tätliche Angriffe
auf die Juden. Mit der Regierungsübernahme Hitlers 1933 wurden die
Antisemiten noch gewaltbereiter.
Der Antisemitismus
Rumäniens wurde von einer faschistischen Partei mit Namen Legion
von Archangel Michael angefacht, deren Anführer Corneliu Codreanu
war. Die Partei verfügte über eine „Eiserne Beschützer“
genannte Miliz, die in den Jahren 1929 und 1932 zahlreiche Straßenüberfälle
auf Juden verübte. Diese Kraft nahm unter dem Einfluß von Hitlers
Regierungsübernahme ständig zu, während die jüdische
Anführer nichts anderes tun konnten, als eine Kampagne gegen den
Antisemitismus zu beginnen und eine politische Koalition mit den antifaschistischen
Mächten einzugehen. Die jüdischen Anführer waren in der
Mehrheit radikale Zionisten. Einige der Leiter der WZO waren der Ansicht,
es sei nützlich, wenn der Antisemitismus in diesem Land an die Macht
käme, worauf hin man in Rumänien ein ähnliches Abkommen
wie Ha’avara in Deutschland erreichen könnte. Der Slogan der
Antisemiten “Jidanii in Palestina!“ (Juden nach Palästina!)
war in aller Munde. Zur gleichen Zeit sprachen einige Führer der
WZO davon “Rumänien zu helfen, die zahllosen im Land befindlichen
Juden loszuwerden”61 1941 begingen die “Eisernen
Beschützer” in Bukarest ein Massaker, bei dem 2.000 Juden getötet
wurden. 200 Juden wurde die Kehle durchgeschnitten. Doch die radikalen
Zionisten zeigten wiederum keinerlei Reaktion.
Ausser in Österreich und Rumänien hatte sich die Allianz zwischen
radikalem Zionismus und Antisemitismus bis in den Fernen Osten verbreitet.
Die wichtigste faschistische Kraft des Fernen Ostens war Japan, das unmittelbar
nach dem 1. Weltkrieg zu einer Besatzungspolitik überging und sich
später dem Hitler-Mussolini Pakt anschloss. Die Verbindungen zwischen
dem japanischen Regime und den Nazis waren so gut, dass Hitler der fernöstliche
Rasse den Titel des “Ariers ehrenhalber” verlieh.
Der Grund für die Allianz der radikalen Zionisten mit den Japanern
ist in der 1931 begonnen japanischen Besetzung der chinesischen Mandschurei
zu suchen. In der Mandschurei lebte eine große jüdische Gemeinschaft,
und einige Zionisten dachten, dass eine mit Japan eingegangene ähnliche
Allianz wie die mit Hitler die mandschurischen Juden zur Auswanderung
bewegen könnte. So geschah es auch. Das Mandschuko Regime, das in
der von Japan besetzten Mandschurei eingesetzt wurde, wurde zu einem fernöstlichen
Kollaborateur des radikalen Zionismus.
Lenni Brenner merkt an, dass der Antisemitismus in
der japanischen Regierung und insbesondere im Heer weit verbreitet war.62Die
japanischen Generäle waren der Meinung, dass es ein die ganze Welt
umspannendes jüdisches Komplott gebe, und sie verstanden die regionalen
Juden als Agenten dieses Komplotts. Aus diesem Grund wollten sie die Juden
der Mandschurei so schnell wie möglich loswerden und gedachten bei
der Lösung den gleichen Weg wie Hitler einzuschlagen und den radikalen
Zionismus zu unterstützen.
Im Dezember 1937 versammelte sich in der mandschurischen
Stadt Harbin eine von dem Jüdischen Konsortium des Fernen Ostens
einberufene Konferenz. Die Konferenz war von Harbins Zionistenführer
Abraham Kaufman organisiert worden. An den Wänden waren die Flaggen
Japans, Mandschukos und der Zionisten nebeneinander aufgehängt. Vertreter
der von Jabotinsky gegründeten zionistischen Vereinigung Betar nahmen
als Ehrengäste an der Versammlung teil. Unter diesen befanden sich
aber auch General Higuchi vom japanischen Nachrichtendienst, General Vrashevsky
von der antisemitischen Vereinigung “Eiserne Beschützer”
sowie hochrangige Beamte der von den Japanern in der Mandschurei errichteten
Marionettenregierung. Am Ende der Konferenz wurde ein wichtiger Beschluss
gefasst, der allen jüdischen Organisationen der Welt mitgeteilt wurde.
Die radikalen Zionisten der Mandschurei sollten “mit der Regierung
Japans und der Mandschurei zusammenarbeiten um in Asien eine neue Ordnung
zu errichten”. Demgegenüber würde Japan den radikalen
Zionismus als nationale jüdische Bewegung anerkennen und unterstüzen.
Nach kurzer Zeit entwickelten sich die Beziehungen zwischen der Mandschuko-Regierung
und der Betar äußerst positiv, so dass die Betarmitglieder
bei allen Feiern des antisemitischen Regimes auftauchten.63
Doch das Ergebnis der Allianz in der Mandschurei blieb hinter den Erwartungen
zurück. Nur sehr wenige mandschurische Juden konnten nach Palästina
gebracht werden.
Die polnischen Antisemiten und die radikalen Zionisten
In den 1920er Jahren lebten 2,8 Millionen Juden in Polen. Das Land,
in dem der radikale Zionismus relativ stark und aktiv war, beherbergte
die größte jüdische Gemeinde Europas. Doch den Juden,
die 10% der Bevölkerung darstellten, stand ein weit verbreiteter
und fanatischer Antisemitismus gegenüber. Ein starker radikaler Zionismus
und eine starker Antisemitismus... Diese beiden traten nun, wie es ja
schon zur Regel geworden war, in die Phase der Zusammenarbeit ein.
Lenni Brenner beschreibt ausführlich die Beziehungen
zwischen den polnischen Antisemiten und einem Teil der radikalen Zionisten.
Demzufolge fand die erste Begegnung 1925 zwischen dem antisemitischen
polnischen Präsidenten Wladyslaw Grabski und den beiden wichtigsten
Vertretern der radikalen zionistischen Bewegung, Leon Reich und Osias
Thon statt. Als Ergebnis weiterer Begegnungen wurde ein „Ugoda“
genannter Pakt unterzeichnet. Grabski hatte die Hoffnung, wirtschaftliche
Unterstützung aus Amerika zu erhalten und erwartete, dass die mit
den radikalen Zionisten abgeschlossene Vereinbarung ihm dabei hilfreich
sei. Diese Zionisten dagegen hielten bedeutungsvolle Vorteile in Händen.
Lenni Brenner schreibt, dass Reich und Thon aufgrund des mit dem antisemitischen
polnischen Präsidenten abgeschlossenen Vertrages von einigen Juden
als Verräter betrachtet wurden.64

Der österreichische antisemitische Diktator Engelbert Dollfuss,
der von dem Leiter der Zionistischen Weltorganisation Nahum Sokolow
als “einer der nichtjüdischen Freunde des Zionismus”
bezeichnet wurde. |
Doch war diesem
Pakt keine lange Lebensdauer beschieden, denn im Mai 1926 wurde die Regierung
durch einen Militärputsch gestürzt. Josef Pilsudski, der nun
an die Macht gekommen war, errichtete eine Diktatur. Pilsudski war ebenso
Antisemit wie sein Vorgänger und knüpfte wieder Beziehungen
mit radikalen Zionisten an. Am 26. Januar 1934 unterzeichnete Pilsudski
mit Hitler einen zehnjährigen Friedens- und Freundschaftvertrag.
Die Freundschaft mit den radikalen Zionisten blieb bis zu Pilsudskis plötzlichem
Tod am 12. Mai 1935 bestehen. Die Anführer der zionistischen Bewegung,
Osias Thon und Apolinary Hartglas verkündeteten nach dem Tod von
Pilsudski, dass in Palästina ein “Pilsudski Wald” entstehen
würde. Die Jabotinsky nahestehenden Zionisten in Palästina gaben
bekannt, ein Zentrum für Auswanderer gründen zu wollen, das
den Namen des Diktators tragen sollte.65

Die mandschukische Regierung in der Mandschurei, eine japanische
Marionettenregierung, war eine der interessanten antisemitischen
Alliierten der radikalen Zionisten. Oben sind die Feierlichkeiten
zur Rettung des Mandschukosstaates zu sehen. |
Nach Pilsudskis
Tod nahm der Antisemitismus weiter zu. In der Heeresleitung war ein starker
Antisemitismus verbreitet. Die fanatischsten Antisemiten jedoch, die die
Nazis bewunderten, versammelten sich in einer eigenen rassistischen Partei
namens „Naras“ (Nationalistische Radikale). Am Ende der 1930er
Jahre begannen von der „Naras“ organisierte Übergriffe
auf Juden. Im Gegenzug stellte der linke assimilationistische Verband
„Bund“ Milizen auf, um dieNaras zu bekämpfen. Die radikalen
Zionisten jedoch unternahmen zu keiner Zeit auch nur irgendetwas gegen
die Naras. Denn die Aussagen der Naras kamen ihren Interessen zugute.
Eine der am häufigsten zu hörenden Parolen der Narasmilizen
lautete “Moszku idz do Palestyny!” (Juden nach Palästina!).
Nach Lenni Brenner interessierten sich die Juden Polens sich nicht für
den radikalen Zionismus, weil sie überzeugt waren, dass dieser von
der Naras gefördert werden würde. Brenner bemerkt außerdem,
dass die antisemitische Führung des polnischen Heeres mindestens
ebenso “philozionistisch” (zionistenfreundlich) waren, wie
die Naras.66
So sehr die
Antisemiten Anhänger des radikalen Zionismus waren, so sehr waren
einige radikale Zionisten Anhänger des Antisemitismus. Yitzhak Gruenbaum,
einer der führenden radikalen Zionisten des Landes sagte, dass in
Polen “mehr als eine Million Juden leben” und dass diese Juden
dem Land eine “zu große Last” seien. Abba Achimeir jedoch,
einer der führenden Köpfe der radikalen zionistischen Bewegung
in Israel, ging noch weiter, und schrieb folgenden unglaublichen Satz
in sein Tagebuch: “Ich wünsche mir sehr die Ermordung von einer
Million Juden. Vielleicht bemerken sie auf diese Weise, dass sie in einem
Ghetto leben.”67
Das Sternkorps und der Versuch einer militärischen
Allianz mit den Nazis
Der Revisionismus, der sich auf einer von der vorherrschenden Linkslastigkeit
der WZO unterscheidenden rassistischen Ideologie gründete, verstärkte
ab Ende der 1930er Jahre seine bewaffneten Unternehmungen in Palästina.
Der bewaffnete Kampf richtete sich gegen die englische Mandatsherrschaft,
die sowohl den Arabern wie auch der jüdischen Zuwanderung Grenzen
setzte, und er wurde von einer Irgun genannten, bewaffneten und radikalen
zionistischen Organisation geleitet. Doch mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges
machten sich innerhalb der Irgun zwei Fraktionen bemerkbar. Die erste,
Jabotinsky verbundene Gruppe, hatte auf dessen Befehl beschlossen, während
des Krieges keine militärischen Aktionen gegen die Engländer
zu unternehmen, sondern solche auf die Zeit nach dem Krieg zu verschieben.
Die kleinere und radikalere zweite Gruppe führte dagegen an, England
auf jeden Fall und unter allen Bedingungen bekämpfen zu wollen, solange
dieses Land keine Erlaubnis für die Gründung eines jüdischen
Staates gab. Diese Gruppe, deren Anführer Avraham Stern war, trennte
sich im September 1940 von der Irgun und gründete eine eigene Organisation.
Die unter dem Namen Sternkorps gegründete, äußerst radikale
zionistische Gruppe wurde unter dem Namen LEHI (Lohamei Herut Yisrael,
Freiheitskämpfer Israels) bekannt.
Die Vereinigung hatte anspruchsvolle Ziele. 18
Prinzipien zufolge, die Avraham Stern dargelegt hatte, stand ganz oben
die Gründung eines jüdischen Staates in der Genesis, also „vom
Nil bis zum Euphrat“, sowie die Vertreibung der Araber von diesem
Boden und der Neubau des Salomontempels in Jerusalem.
Da Stern beschlossen hatte, die Engländer
zu bekämpfen, dachte er daran, so schnell wie möglich eine Allianz
mit den Feinden Englands einzugehen. Im September 1940, nur ein paar Wochen
nach der Trennung von der Irgun, trat die LEHI mit einem italienischen
Agenten in Jerusalem in Kontakt und schug vor, eine militärische
Allianz mit dem faschistischen Italien einzugehen, wenn Mussolini aktiv
zum Ziel der Gründung eines jüdischen Staates beitragen würde.
Da die Italiener jedoch den Einfluß der Bewegung gering schätzten,
konnte kein klares Ergebnis erzielt werden. Daraufhin entsandte Stern
eine bedeutende Persönlichkeit des Verbandes, Naftali Lubentschik,
nach Beirut um sich dort mit Deutschen zu treffen. Lubentschik nahm dort
Kontakt auf zu den beiden Nazis Rudolf Rosen und Otto von Hentig, und
unterbreitete den Nazis einen weitreichenden Vorschlag für eine militärische
Allianz.

Während des diktatorischen Regimes von Josef Pilsudski in
Polen, standen die radikalen Zionisten in enger Beziehung mit
dem für seinen Antisemtismus bekannten Pilsudski. |
Der Text des Vorschlags, den Lubentschick im Namen des Sternkorps den
Nazis unterbreitete, wurde nach dem Krieg in der deutschen Botschaft in
der Türkei gefunden. Man nannte ihn das “Dokument von Ankara”.
Eine Kopie konnte spätervon dem deutschen Historiker Klaus Polkhe
in den Geheimarchiven des 3. Reiches zutage gefördert werden. Demzufolge
unterbreitete das radikal zionistischeSternkorps am 11. Januar 1941 der
Naziregierung den Vorschlag eines offiziellen Militärabkommens. Das
Dokument von Ankara enthielt unter anderem folgende Paragraphen:
1. Die Entfernung der jüdischen Massen aus Europa ist eine Vorbedingung
für die Lösung des Judenproblems; die Verwirklichung dessen
ist allerdings gebunden an die Ansiedlung dieser Massen im Mutterland
des jüdischen Volkes, in Palästina, sowie an die Gründung
eines jüdischen Staates in seinen historischen Grenzen. Auf diese
Weise können gemeinsame Interessen mit der Neuen Ordnung entstehen,
die in Europa entstehen wird.
2. Zwischen dem Neuen Deutschland und der hebräischen Welt ist
eine Zusammenarbeit möglich.
3. Die Gründung eines historischen jüdischen Staates auf einer
nationalen und totalitären Basis, welche mit einem Vertrag mit Deutschem
Reich gebunden ist, wurde zum Vorteil für Deutschen Nutzen im Nahen
Osten.
Ausgehend von diesen Gedanken unterbreitet die nationale
militärische Organisation in Palästina (NMO) Deutschland den
Vorschlag, im Krieg aktiv an dessen Seite teilzunehmen unter der Bedingung,
dass von der deutschen Regierung die oben genannten nationalen Ziele der
Freiheitsbewegung Israels anerkannt werden.68
Im Dezember
1941 schickt Stern Nathan Yalin-Mor, eine bekannte Persönlichkeit
der Organisation, in die Türkei, um mit den Nazis Kontakt aufzunehmen.
Doch auf dem Weg dorthin wird Yalin-Mor festgenommen und das geplante
Treffen kann nicht stattfinden. Wie Brenner mitteilt, gibt es in den Archiven
keinerlei Hinweis darauf, welche Antwort die Nazis auf diesen Vorschlag
gegeben haben. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit betrachteten die
Nazis Stern als eine kleine und wirkungslose Organisation und zogen den
Vorschlag nicht ernsthaft in Erwägung. Doch wichtig an dieser Stelle
ist, dass eine radikale zionistische Organisation noch im Jahr 1941 den
Nazis ein Militärabkommen vorschlug, als der Holocaust bereits begonnen
hatte. Ein weiterer Punkt, der nicht übergangen werden sollte, ist
die abstruse Logik Sterns, dass zwischen der von den Nazis zu gründenden
neuen Ordnung und den Juden wichtige gemeinsame Interessen bestünden.
Die Logik, die hinter der Zusammenarbeit der Vereinigung mit den Nazis
liegt, fasst Yalin-Mor 1942, als der Krieg sich in seiner heißesten
Phase befindet, folgendermaßen zusammen: „Unser Projekt, das
die Juden dazu bewegt, in Massen auszuwandern, fällt mit der Absicht
zusammen, Europa von Juden zu säubern, was wiederum eines der Ziele
Deutschlands ist.”69
Ein weiterer bedeutender Punkt ist die Tatsache, dass zum Zeitpunkt
der Übergabe des Dokuments von Ankara an die Nazis einer der hochrangigsten
Vertreter Sterns Yithzak Schamir war. Schwer zu glauben, doch an der Spitze
der Organisation, die den Nazis ein Militärabkommen vorschlug, befand
sich Yithzak Schamir, der während der Likud-Regierung von 1977 bis
1992 Außenminister Israels war und dann zum Präsidenten gewählt
wurde. Schamir, der in den 1940er Jahren ebenso wie sein Lehrer Menachem
Begin hinter zahlreichen Anschlägen auf Zivilisten stand, sollte
einige Jahre nach den Dokumenten von Ankara seinen Namen mit blutigen
Anschlägen auf englische und arabische Ziele bekannt machen.
Die Rolle, die Schamir bei den Bestrebungen Sterns spielte, mit den Nazis
eine Allianz einzugehen ist zweifellos wichtig. Als Jahre später
die Dokumente von Ankara ans Tageslicht kamen, ließ er die an ihn
gerichteten Fragen unbeantwortet, doch war er, wie jede diesbezügliche
Quelle zugibt, eines der wichtigen Gehirne hinter dem Vorschlag Sterns
an die Nazis.
Im Jahr 1989 wurden diese Dokumente über Yitzhak Schamir von seinen
eigenen Landsleuten bekanntgegeben. Die Veröffentlichung der Geschichte
der Dokumente von Ankara in der Jerusalem Post, einer der größten
Zeitungen Israels, rief einen Schock im wahrsten Sinne des Wortes hervor;
denn das Redeverbot über diese heiklen Beziehungen war zum ersten
Mal durchbrochen worden und auch noch von einer jüdischen Zeitung.
Die Nachricht der Jerusalem Post fand unter Vermittlung der Zeitung
Zaman Widerhall in der türkischen Presse. Die Überschrift
des Artikels lautete „Der erste Schritt Israels zur Wahrheit: Die
Zusammenarbeit zwischen Schamir und den Nazis wurde an die Öffentlichkeit
gebracht“. Die Nachricht, die Zaman unter Verweis auf die
Jerusalem Post veröffentlichte, enthielt weitere wichtige
Informationen: So konnte zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen den
radikalen Zionisten und den Nazis zum ersten Mal 1989 aufgezeigt werden;
auch war zu lesen, dass der israelische Staat bis zu diesem Datum verboten
hatte, über dieses Thema zu sprechen, dass also die Zusammenarbeit
zwischen einigen zionistischen Führern und hochrangigen Beamten der
Naziregierung kein Thema war.Heute wird in einem großen Teil der
dieses Thema behandelnden Bücher von den Dokumenten von Ankara gesprochen.
Doch die meisten Autoren, insbesondere jüdische Autoren bewerten
die Stern-Nazi Beziehungen als einen unverständlichen Widerspruch.
So interpretiert Yehoshafat Harkabi, ein ehemaliger Offizier der israelischen
Armee in seinem Buch Israel’s Faithful Hour (Israels Schicksalsstunde)
dieses Ereignis als “ein nicht zu verstehender Schnitt durch die
jüdische Geschichte”. Doch unverständlich ist keine Seite
dieser Geschehnisse und der Grund für solche Bewertungen ist darin
zu sehen, dass von den Beziehungen zwischen den Nazis und den radikalen
Zionisten vielen Menschen nur die Ereignisse im Zusammenhang mit der Stern-Gruppe
bekannt sind. Denn nur das Stern-Dossier war in der Öffentlichkeit
diskutiert worden. Die Beziehungen zwischen der WZO und den Nazis, sind
immernoch sehr wenig bekannt.
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Avram
Stern (nebenstehend), der sich von Irgun trennte und eine eigene
radikale Vereinigung gründete, schlug 1941 den Nazis eine
militärische Allianz vor. Nathan Yalin-Mor, ein Mitglied
der Vereinigung, der von Stern beauftragt war mit den Nazis in
Kontakt zu treten, erklärte später die Logik dieser
Allianz folgendermaßen: Unser Projekt, die Juden in Massen
zur Auswanderung zu bringen, fiel mit dem Ziel der Deutschen zusammen,
Europa von Juden zu säubern.
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Eine letzte beachtenswerte Quelle ist das Buch von Hannah Arendt Eichmann
in Jerusalem , die ebenso wie Brenner antizionistisch eingestellt
war. Arendt macht Eichmann zum Hauptthema und berührt die Seiten
der Zusammenarbeit zwischen Nazis und radikalen Zionisten, über die
vorher kaum gesprochen wurde.
Adolf Eichmann
Das Buch Hannah Arendts, Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht über
die Banalität des Bösen ) ist das wichtigste Buch, das
die Beziehungen zwischen den radikalen Zionisten und den Nazis behandelt.
Das Buch ist deshalb von Bedeutung, da die Autorin in der jüdischen
Gemeinde Amerikas populär war und zugleich eine berühmte Politwissenschaftlerin
war.
Arendts Buch behandelt die Gefangennahme des Nazioffiziers Adolf Eichmann
1960 in Argentinien durch Agenten des Mossad, der daraufhin nach Israel
gebracht und vor Gericht gestellt wurde, sowie dessen Aussagen vor Gericht.
Eichmann war unter dem Befehl des Gestapo Chefs Reinhard Heydrich beauftragt,
die “Judenfrage” zu lösen.
Zu Beginn des Buches fällt Ahrendts interessantes
Urteil bezüglich der von den Nazis 1935 veröffentlichen Nürnberger
Rassengesetze auf: Diese Gesetze waren in der Absicht erlassen worden,
die Juden in der deutschen Gesellschaft total zu isolieren. Arendt meint,
dass dies aus dem Blickwinkel einiger der “die Einheit des Hauses
Israel” schützen wollenden Juden überhaupt nicht negativ
aufzufassen sei, und erinnert daran, dass auch wenn ein ähnliches
Gesetz in Israel heute nicht schriftlich verfasst ist, es doch ein anerkanntes
Verbot für Juden ist, einen „Goyim”, also einen Nichtjuden
zu heiraten.70
Wenn Arendt dann auf den folgenden Seiten von der Vergangenheit Eichmanns
spricht, zeigt sie auf, dass er in seiner Jugend kein Antisemit war und
sogar enge Beziehungen mit Juden unterhielt, zum Beispiel mit dem Juden
Weiss, dem Direktor der Austrian Vacuum Oil Company. Arendt zufolge interessierte
sich Eichmann für die Freimauerei und besuchte eine Weile die Schlaraffia
Loge.
 
Einer der wichtigsten Leiter der Organisation Stern, die den Nazis
eine militärische Allianz vorschlug, war Yitzhak Schamir.
Nebenstehend ein Ausweis aus den 1940er Jahren, in denen Schamir
als Terrorist gesucht wurde. |
Doch die eigentliche Aufgabe Eichmanns beginnt mit seinem
Eintritt in den SD (Sicherheitsdienst), der 1934 innerhalb der
SS als besondere und geheime Abteilung eingerichtet wurde. Der SD, der
von SS Chef Himmler eingerichtet worden war, fungierte als Nachrichtendienst
und wurde von Reinhard Heydrich geleitet. Nach kurzer Zeit wird Eichmann
ins „Judenreferat“ versetzt, wo er zum „Experten für
Judenfragen“ wird. In diesen Jahren unternimmt Eichmann seine ersten
Treffen mit zionistischen Führern in Deutschland.71 Arendt
stellt folgendermaßen dar, wie Eichmann während dieser Zeit
Herzls Buch Der Judenstaat liest, von diesem außerordentlich
beeindruckt ist, und den Zionismus übernimmt:
Eichmann
war dem Zionismus eng verbunden nachdem er Der Judenstaat gelesen hatte,
das er von Albert Speer erhielt. Ab diesem Datum befürwortete er
oft, dass das Judenproblem eine ‘politische Lösung’
erfordere und sagte, ‘mein Ziel ist es, den Juden sicheren Boden
unter den Füßen zu geben’. Er begann diesen seinen
Gedanken in der SS zu verbreiten, indem er Broschüren verteilte
und mündlich vorsprach. Er lernte Hebräisch. Dann las er das
Buch History of Zionism von Adolf Böhm, was eines der grundlegenden
Werke des Zionismus ist. Dies war ein ziemlich großer Erfolg für
jemanden, der sein Leben lang nichts anderes als Zeitung gelesen hatte.72
Die Nähe Eichmanns zum Zionismus resultierte daraus, dass er die
Parallele der Ziele von radikalen Zionisten und Nazis erkannte. Sie bedeutete
für die Nazis, das Reich „judenfrei“ zu machen, während
sie für einige Zionisten einen Judenstaat bedeutete.
 |
Nachdem der Nazioffizier Adolf Eichmann zum “Judenbeauftragten”
des Sicherheitsdienstes der SS berufen worden war, begann er
sich besonders für den Zionismus zu interessieren. Er las
die Bücher der zionistischen Autoren und vor allem Herzls
Schriften. Er lernte sogar Hebräisch. Die Philosophie und
Ziele der Bewegung gefielen ihm. Deswegen wurde er auch zu einem
der wichtigsten Architekten der Allianz zwischen den Nazis und
den radikalen Zionisten.
|
In Wahrheit war es Rassismus, was Eichmann behauptete mit einigen Zionisten
zu teilen. Die Rassisten beider Seiten wollten nicht, dass Deutsche und
Juden zusammenlebten, und sie verstanden sich deshalb sehr gut auf diesem
kleinsten gemeinsamen Nenner. Auf dieser Grundlage beruhte die Unterstützung
der Nazis für die Auswanderung der Juden nach Palästina.
Doch während der Zeit, in der Eichmann solch enge Beziehungen mit
den radikalen Zionisten unterhielt, organisierte er auf der anderen Seite
Vorkommnisse, die die deutschen Juden beunruhigten. So stiftete der SD
der SS Pogrome an und organisierte sie, unter anderen die sogenannte Reichskristallnacht
(Reichspogromnacht) in der tausende jüdische Geschäfte geplündert
und Synagogen niedergebrannt wurden. Das Ziel war, die Juden vor der Assimilierung
zu retten und zur Auswanderung zu bewegen.
Nach all diesen Informationen soll noch einmal auf eine wichtige Tatsache
hingewiesen werden. Es ist ein natürliches Recht der Juden, ein Vaterland
zu besitzen, und es ist auch in höchstem Maße natürlich,
zu diesem Zweck nach Palästina, auf den Boden der Vorväter auszuwandern.
Auch ist der Zionismus eine vernünftige Ideologie, solange er in
einem legalen Rahmen die Rechte der Juden verteidigt. Doch die historischen
Tatsachen und die Bedingungen unserer heutigen Zeit stehen den Vorstellungen
der radikalen Zionisten entgegen, die glauben, dass dieser Boden nur ihnen
gehört, die darüber hinaus die Besetzung anderer Gebiete der
Region planen, das Ziel der Weltherrschaft verfolgen und dies mit einer
entsprechenden Politik durchzusetzen versuchen. Der palästinensische
Boden ist für Muslime und Christen ebenso heilig wie er es für
Juden ist. Auf diesem Boden müssen die Angehörigen aller drei
Religionen in Frieden leben können, ihre Gebete nach Wunsch verrichten
und die gesuchte Sicherheit finden können. Nicht akzeptiert werden
kann die Geringschätzung einer Gesellschaft durch eine andere, das
Ignorieren grundlegegender Menschenrechte und das Vorherrschen einer Anschauung,
die das gegenseitige Recht auf Leben nicht anerkennt.
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Und wer hätte einen schöneren
Glauben als wer sich Allah hingibt und das Gute tut und die
Religion Abrahams, des Lauteren im Glauben, befolgt; denn Allah
nahm sich Abraham zum Freund.
(Sure 4:125 – an-Nisa)
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