| Die Haltung der Muslime gegenüber
den Juden sollte sein, wie der Quran sie vorschreibt. Gott offenbart
im Quran, daß Juden wie Christen zu den Völkern der Schrift
gehören. Muslime und Juden glauben an denselben Gott, und sie
folgen respektvoll den Beispielen der von Ihm gesandten Propheten.
Abraham, Isaak, Joseph, Moses, David und Salomon – Friede
sei auf ihnen allen – sind für Juden ebenso bedeutend
wie für Muslime. Im Quran wenden sich Muslime an Juden und
Christen wie folgt:
“Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt
wurde und was zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer
Gott ist ein und derselbe. Und Ihm sind wir ergeben.” (Sure
29:46 – al-’Ankabut)
Alle Beziehungen zwischen Muslimen und Juden müssen
sich im Rahmen von Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit abspielen,
und die Haltung der Muslime gegenüber den Juden soll versöhnlich,
vergebend und tolerant sein.
Im Lauf der Geschichte erlitten die Juden Unterdrückung
und Völkermord. Die Hauptschuld daran trägt der Antisemitismus,
der im 20. Jahrhundert zu zahlreichen tragischen Ereignissen führte.
Die wahre Bedeutung des Begriffs ist Hass auf Semiten, obwohl darunter
generell Judenhaß verstanden wird. Er drückt Hass auf
Menschen semitischer Abstammung oder der semitischen Rasse aus.
Der Grund für diesen Hass auf die semitische Rasse ist in dem
Hass auf die ihnen offenbarten göttlichen Religionen zu suchen.
So ist der Hass der Nationalsozialisten und anderer faschistischer
Bewegungen auf die Juden in Wahrheit ein Hass auf die Religion.
Also ist Antisemitismus eine heidnische Lehre, die von keinem Muslim
übernommen werden kann. Menschen, die Antisemitismus befürworten
und dazu aufhetzen, sind oftmals dieselben, die zu götzendienerischen
Praktiken zurückkehren wollen, und unkontrollierte barbarische
Kriegstreiber, die Freude am Blutvergießen haben. Solche Menschen
sind gegen den Frieden, die Demut, die Liebe und das Mitgefühl
der von den Propheten gelehrten wahren religiösen Moral. Muslime
und Juden stehen auf derselben Seite gegen solche Tyrannen. Der
Islam will der Welt Gerechtigkeit bringen und verurteilt den Antisemitismus
genauso, wie alle anderen Formen des Rassismus. Muslime treten für
die Rechte der Juden wie für die Rechte aller anderen Völker
auf ein Leben in Frieden und Sicherheit ein. Die muslimischen Prinzipien
haben verfolgten Juden zu allen Zeiten Zuflucht in muslimischen
Ländern ermöglicht. Die aus Spanien vertriebenen Juden
wurden im osmanischen Reich willkommen geheißen, und Tausende
ließen sich dort nieder. Auf muslimischen Boden entwickelten
sich keine in christlichen Ländern oft zu beobachtenden antisemitischen
Ressentiments. Juden und Muslime lebten über Jahrhunderte Seite
an Seite in Frieden und Sicherheit. Es waren die islamischen Prinzipien,
die diese sichere Umgebung schufen.
Ein Muslim muß diese Tatsachen bedenken bei
seinen Ansichten und bei seinem Verhalten gegenüber den Juden.
Doch man muß zwischen Judentum und Zionismus unterscheiden.
Die Ideologie des Zionismus ist prinzipiell für die endlosen
Jahre des Krieges und der Tränen in Palästina verantwortlich.
Leider sind der Zionismus und seine wirklichen Pläne im Westen
nicht sehr gut bekannt. Vielen Menschen im
Westen wurde eingeredet, Zionismus sei eine Ideologie, die für
ein Heimatland des jüdischen Volkes eintrete, daher stehen
sie dieser Ideologie aufgeschlossen gegenüber, obwohl die Realität
völlig anders aussieht.
Es ist wahr, daß der Zionismus die Schaffung
einer Heimat für Juden verfolgt und daß Zionisten daran
arbeiten. Dieser Kampf ist jedoch der wahrscheinlich am wenigsten
gerechtfertigte, grausamste und gnadenloseste, der je geführt
wurde. Der Zionismus entwickelte sich im 19. Jahrhundert, um ein
Heimatland für die Juden zu schaffen, und das von seinen Anhängern
gewählte Land war Palästina, das auch die Juden als ihr
heiliges Land ansehen. Was als legitimes Anliegen begann, verwandelte
sich in ein Projekt ethnischer Säuberung und grausamer Kolonisierung,
das die einheimische arabische, muslimische Bevölkerung vollständig
mißachtete. Zionistische Schlagworte wie „unbewohntes
Land für ein landloses Volk“ waren nichts als
irreführende Propaganda, denn die Juden waren weder heimatlos,
noch war das Land, das sie begehrten, unbewohnt. Die von den Zionisten
ausgelöste Einwanderungsbewegung nach Palästina war der
Beginn des Chaos im nahen Osten, da die Zionisten die Menschen aus
ihren Häusern und von ihrem Land vertrieben, anstatt mit der
einheimischen Bevölkerung zusammen zu leben.
Hätten die zionistischen
Führer dafür gesorgt, daß die Juden, die sie ins
Land brachten, zusammen mit den anderen in Palästina lebenden
Menschen in Frieden lebten, wäre es niemals zu diesem Chaos
gekommen. Doch das taten sie nicht. Die Zionisten mißachteten
andere Religionen und Nationen vollständig, und sie hatten
das Ziel, eine umfassende Region, von ihnen als das versprochene
Land bezeichnet, unter ihre Herrschaft zu bringen. So verfielen
sie auf die grausamsten Methoden. Außerdem sind die Ambitionen
der Zionisten nicht auf den nahen Osten beschränkt. Der Zionismus
ist eine religionsfeindliche, rassistische Ideologie, die die Weltherrschaft
anstrebt und die deshalb eine Bedrohung des Weltfriedens darstellt.
Die Landkarte, die die zionistische Ideologie für die Juden
entwarf, bestand aus einem riesigen Gebiet.
Theodore Herzl sagte in seiner Rede auf dem Zionisten-Kongreß
1897 in Basel: „Die nördliche
Grenze sind die Berge gegenüber Kappadokien liegenden Berge
(Kleinasien), die südliche Grenz ist der Suezkanal.“(1)
Der Gründervater des israelischen Staates, David Ben Gurion,
definierte den Zweck des Zionismus so:
Die gegenwärtige
Landkarte Palästinas ist von der Britischen Mandatsregierung
gezeichnet worden. Das jüdische Volk hat eine andere Landkarte,
die unsere Jugend verwirklichen wird – vom Nil zum Euphrat.(2)
Wenn der Zionismus tatsächlich nur eine Heimat
für die Juden erreichen wollte, wäre er eine gerechtfertigte
Bewegung. Doch der Zionismus distanzierte sich von diesem gerechtfertigten
Anliegen und entwickelte sich zu einem Projekt des Kolonialismus
und der Ausbeutung.
Genauso wie der Islam die rassistische Ideologie des
Antisemitismus zurückweist, so weist er den Zionismus zurück,
der ebenfalls eine rassistische Ideologie ist. Doch es darf nicht
vergessen werden, daß nicht alle Juden Zionisten sind. Es
gibt in der Tat viele Juden, die sich den vom Zionismus begangenen
Verbrechen an der Menschlichkeit widersetzen, die diese auf das
Schärfste kritisieren, die verlangen, Israel müsse sich
aus allen besetzten Gebieten zurückziehen und die wünschen,
Israel solle ein freier Staat sein, in dem alle Nationen gleichwertig
zusammenleben können. Da Muslime sich dem Zionismus gerechtfertigterweise
widersetzen, müssen sie dies im Gedächtnis behalten und
sich bewußt sein, daß sich ihre Kritik gegen den Zionismus
richtet, nicht gegen die Juden. Kritik und Beleidigung unschuldiger
Juden wegen des Zionismus sind ein Verstoß gegen das Recht.
Wer die jüdischen Gemeinden der Welt wegen der Angriffe und
der Besatzungspolitik des Zionismus verurteilt, handelt dem Recht
zuwider und begeht einen schweren Fehler. Wer Terroraktionen verübt
gegen die, die die Aggression und die Besatzungspolitik der zionistischen
Ideologie unterstützen und diese Aktionen gegen israelische
Zivilisten richtet, wendet sich vollständig vom Pfad der Gerechtigkeit
ab und begeht eine schwere Sünde, weil er auf unschuldige Menschen
zielt.
Der Quran offenbart, daß die Juden ein gesegnetes
Volk sind, das vom Propheten Abraham – Friede sei auf ihm
- abstammt. Es kann keinen Zweifel daran geben, daß das Streben
der Juden nach einer Heimat, wo auch immer auf der Welt sie es wünschen,
ein gerechtfertigtes Anliegen ist. Aus diesem Grund ist es ihr natürliches
Recht, in ihrem eigenen heiligen Land leben zu wollen. Ihre Vorfahren
liegen in diesem Land begraben, was für die Juden von großer
Bedeutung ist. Gott offenbart im Quran, daß Er die Juden in
dem Land angesiedelt hat, in dem sie leben:
Und sie sagen: "Wenn wir der Rechtleitung,
die du bringst, folgten, würde uns unser Land entrissen.
Aber haben Wir ihnen nicht einen sicheren Bezirk gegeben, zu dem
Früchte aller Art gebracht werden als eine Versorgung von
Uns? Jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht. (Sure 28:57
– al-Qasas)
Wie der Vers ausführt, hat Gott die Juden in
diesem Land angesiedelt, und die Juden haben das Recht, frei auf
palästinensischem Gebiet zu leben, wie Muslime und Christen
es tun. Doch dieses so weit vernünftige und gerechtfertigte
Ziel verlor seine Berechtigung mit der totalen Mißachtung
der in Palästina lebenden arabischen, muslimischen Bevölkerung.
Der Zionismus, der sich in eine auf Gewalt basierende zerstörerische
Ideologie verwandelt hat, führte zur Vertreibung von Menschen
aus ihren Häusern und von ihrem Land, wo sie Hunderte Jahre
gelebt hatten. Wer sich weigerte, sein Land zu verlassen, wurde
grausam ermordet. Das ist es, was den Zionismus zu Unrecht macht.
Fußnoten
1- Herzl, Theodore; In The Complete Diaries
of Theodore Herzl, Band II, (New York: Herzl Press, 1960), S. 711.
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2- http://www.al-awda.org/old/famous_quotes.htm
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